Wetter-App
Wenn sich Städterinnen plötzlich Outdoorjacken kaufen und Wetterberichte studieren

Was machen Städter eigentlich, wenn sie nicht mehr in die Bar können? Mit Softshell-Jacke auf die Terrasse sitzen, zum Beispiel. Und über die besten Wetter-Apps reden.

Anna Miller
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Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung, das lernen wohl oder übel jetzt auch Städterinnen und Städter.

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung, das lernen wohl oder übel jetzt auch Städterinnen und Städter.

Bild: Hanspeter Baertschi

Jetzt regnet es wieder ohne Pause durch, so lange bis ich meine Wetter-App nicht mehr weiterscrollen kann, Regen bis in die gefühlte Unendlichkeit, und kein Sommer-Gefühl in Sicht.

Normalerweise, als Städterin ohne Outdoordrang, wäre mir das ziemlich egal. Natürlich, es wäre ein bisschen anstrengend für das Gemüt, wir kennen es, morgens aus dem Fenster schauen und den grauen Himmel anstarren, nasse Strassen, alles Grau in Grau. Eine Stadt ist keine Schönheit bei Regen, alles glänzt, nichts strahlt.

Wäre nicht Corona, hätte ich mir nie so viele Gedanken zum Wetter gemacht, zumindest nicht täglich, ich hätte vielleicht nicht mal die Wetter-App konsultiert, ich wäre mit falschen Schuhen und ohne Regenschirm aus dem Haus gerannt und hätte auf der Strasse gemerkt, dass ich mal wieder schlecht vorbereitet ins Leben gestürmt bin und hätte unter einem Vordach auf das nächste Tram gewartet.

In der Stadt musste ich mir nie Gummistiefel oder Softshell-Jacken kaufen

Das Wetter, der Regen vor allem, war für mich ein Nebenschauplatz, dumpfe Geräusche, eine Belanglosigkeit, die an den vielen Café-Fensterplätzen vorbeizog, den ich kaum wahrnahm, im Kinosaal, im Restaurant, in der Bar, im Theater.

All diese Dinge, die ich tue, weil ich in einer Stadt wohne. All diese Dinge, die ohne Wetter auskommen. Für die ich überhaupt diesen Deal der Stadt eingehe. Zu viel Miete zahle für ringhörige Altbauten ohne Balkon und Badewanne. All der Lärm, nachts um Zwei. All die Betrunkenen, denen ich auf meinem Fahrrad ausweiche, wenn ich schlaftrunken nach Hause fahre. Der Stau auf den Strassen, die überfüllten Seepromenaden.

Dafür: Unterhaltung, und die sichere Tatsache, dass ich mir keine Gummistiefel und Softshell-Jacken kaufen muss. So lange, bis ich im Gemeinschaftsgarten helfe oder täglich mit dem Velo ins Büro fahre. Doch die Stadt alleine, die braucht keine Wettertauglichkeit, die braucht keine Funktionsunterwäsche, die brauchte, habe ich noch keine Kinder, nichtmal Schnee-Handschuhe oder wasserfeste Hosen.

Wir sehnen uns nach fremden Menschen an Nebentischen

Doch jetzt ist Corona, vorher ging nur Spazieren, jetzt ist die Terrassen-Regel plötzlich da, jetzt sehnen wir uns nach fremden Menschen an Nebentischen und danach, endlich mal wieder zusammen etwas zu unternehmen, und jetzt: regnet es. Es regnet pausenlos durch, seit Wochen.

Und ich muss plötzlich überlegen, ob ich zuhause bleibe und alles in der gleichen Monotonie ertrage wie schon Monate zuvor, oder: Rausgehe. Mitten in der Stadt auf eine Terrasse hocke und mich, in neuer Kulisse, dem Satz hingebe: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung.

Ich, die Städterin, bin plötzlich interessiert am Wetter

Ich öffne meine Wetter-App und schaue, wie sich die Wolken verändern, wo es sie wann hinzieht, wie hoch die Regenwahrscheinlichkeit ist. 60 Prozent? Wann? Wie lange? Wie viel Regen prasselt da runter? Nieselt es womöglich nur? Ist es in den Bergen anders als hier? Was packe ich ein? Schaffe ich den Spaziergang im Zeitfenster? Schiebe ich ihn vor, um noch rauszukommen, solange es noch nicht Katzen hagelt?

Früher flog ich dem Regen einfach davon

Softshell-Jacke. Wanderrucksack. Pelerine. Regenhosen. Die gängigen Outdoor-Sportgeschäfte nehmen dankbar Unsummen von mir entgegen, die ich früher für alles ausgegeben hätte, nur nicht für wasserabweisende Schuhe mit Profil. Restaurant-Liste erstellen von allen Restaurants, die eine Terrasse besitzen. Die offen haben, auch wenn es regnet. Die Heizpilze aufstellen und Decken anbieten, wenn der Temperatursturz kommt.

Normalerweise wäre ich vielleicht irgendwohin gefahren, wo die Sonne scheint, gar geflogen, als es Flugscham noch nicht gab und wir Corona noch nicht kannten. Jetzt hoffe ich, bald wieder gut, aber teuer zu brunchen, bei bedecktem Himmel, in Regenhosen, so ein bisschen wie Wandertag. Dabei ist es jetzt derweil, bis zum Stichtag des 31. Mai und der Hoffnung auf eine komplette Beizenöffnung, bloss Kaffee trinken im Quartier.

Die drei beliebtesten Wetter-Apps der Schweiz

Meteo Swiss

Die App des nationalen Wetterdienstes Meteo Schweiz besticht durch eine schlichte Grafik und Übersichtlichkeit. Personalisierbare Pushmeldungen informieren über Wetterveränderungen und Gefahren am aktuellen Standort, etwa Hagel, Hochwasser, Lawinen oder Waldbrand. 
Kostenlose für iOS / Android

SRF Meteo 
Schön gemachte, klassische Wettervorhersage, mit viel Zusatzinfos der  SRF-Meteorolog:innen sowie Videos und Bilder. Einen Regenradar über 48 Stunden gibt es ebenfalls, ist aber weniger genau einstellbar als bei anderen Anbietern. 
Kostenlos für iOS / Android

Landi Wetter 
Eine Designpreis gibt es für diese App nicht, dafür geht bei der Landi-App ums Wesentliche: Temperatur und Niederschlag und das so regional heruntergebrochen wie möglich. Die Daten stammen vom privaten Wetterdienst Meteonews aus Zürich. Das Regenradar soll einer der Besten und genausten sein. Inklusive Wetterwarnungen für jede Schweizer Region.
Kostenlos für iOS / Android