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Wegen neuer Grenzwerte: 2020 wird das Jahr der Veränderung für die Automobilbranche

Der VW-Konzern bringt im Rahmen seiner E-Offensive den ID.3 auf den Markt.

Der VW-Konzern bringt im Rahmen seiner E-Offensive den ID.3 auf den Markt.

Das Autojahr 2020 wird im Zeichen der verschärften CO2-Gesetze stehen. Dabei zählt jedes Gramm.

95 Gramm CO2 pro Kilometer. Der Wert setzt die Autobranche unter Zugzwang. Bis anhin hatten die Importeure in der Schweiz schon Mühe, den geltenden Durchschnittlichen CO2-Ausstoss von 130 Gramm pro Kilometer einzuhalten, zumal die hiesigen Kunden nicht nur starke Motorisierungen, sondern auch Allradantrieb überdurchschnittlich oft bestellen.

Nun wird die Grenze nochmals deutlich weiter unten angesetzt – was auch das Angebot an neuen Modellen beeinflusst. Ohne rein elektrische Modelle oder zumindest eine Palette an Hybrid und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen lassen sich die verschärften Grenzwerte kaum einhalten. Gerade bei grösseren Modellen hält 2020 also Strom Einzug in die Autowelt.

Nach den Milliarden-Investitionen der letzten Jahre und ­Studien auf den Automessen dieser Welt bringt der VW-Konzern 2020 die ersten Modelle einer gross angelegten E-Offensive auf die Strasse. Im Zentrum steht natürlich der ID.3 als erstes Modell auf dem modularen E-Auto-Baukasten der Wolfsburger. Der ID.3 orientiert sich in Grösse und Form am Golf, bietet aber aussen und innen deutlich moderneres Design – und aufgrund des E-Antriebs mit flach am Boden verbauter Batterie auch mehr Platz.

Volvo setzt mit dem Polestar 2 auf Reichweite.

Volvo setzt mit dem Polestar 2 auf Reichweite.

Die ersten Modelle der «First Edition» mit 58-kWh-Batterie und 420 Kilometer Reichweite laut WLTP-Messung werden auf Jahresmitte erwartet. Bis dahin hat VW noch einiges zu tun: Wie das deutsche «Manager Magazin» berichtet, bereitet die komplett neue Software-Architektur derzeit massive Probleme, weswegen die ersten vorproduzierten Modelle noch zwischenge­lagert werden müssen und erst später mit der finalen Software versehen werden können. Das Basismodell (45 kWh/ 330 Kilometer Reichweite) soll in der Schweiz schon ab 32000 Franken zu haben sein. Die Preise für die «First Edition» und eine später folgende Version mit 550 Kilometer Reichweite sind noch nicht bekannt.

Strom gibt es auch aus anderen Ecken im Konzern: Der Porsche Taycan dürfte ab Februar auf die Strasse rollen, eine Shooting-Brake-Variante könnte das Angebot gegen Ende des Jahres ergänzen. Audi bringt den e-tron ab Frühling auch als SUV-Coupé mit dem Namen Sportback. Die wichtigste Neuheit bei den vier Ringen dürfte der neue A3 sein, der im Mai sein Debüt feiert – mit Sicherheit auch als Plug-in-Hybrid.

Bayern mit Hybrid

Auch bei BMW wird die Auswahl an Plug-in-Hybrid-Modellen stark erweitert. Schon ab Jahresbeginn wird der X3 mit der Kombination aus Benzin- und E-Antrieb angeboten. Es folgen der X1 und der 3er Touring. Zudem wird für Herbst der iX3 erwartet; ein rein elektrischer SUV mit 440 Kilometer Reichweite. Wer eher in der Stadt als auf Langstrecken stromern will, kriegt ab März den ersten rein elektrischen Mini mit maximal 270 Kilometer Reichweite zu Preisen ab 39900 Franken. So wollen sich die Bayern auch weiterhin starke M-Modelle leisten können, wie zum Beispiel X5 M und X6 M mit 600 PS starkem Achtzylinder, die ab März verfügbar sein werden.

Mit Spannung erwartet wird zudem das neue 4er Coupé: Die Studie, welche an der IAA in Frankfurt vergangenen September einen Ausblick auf das neue Mittelklasse-Coupé gab, polarisierte mit riesigem Kühlergrill. Ob er es in die Serie schafft, zeigt sich ab September 2020.

Hybride aus Frankreich und Italien

Auch Citroën plant für 2020 einen Plug-in-SUV: Im Juli startet der C5 Aircross PHEV. Er kombiniert einen 180 PS starken Benziner mit einer 109-PS- E-Maschine; die Systemleistung liegt bei 225 PS, bis zu 50 Kilometer sollen rein elektrisch möglich sein. Die Preise für die Schweiz stehen noch nicht fest, um die 45000 Franken dürften es aber mindestens sein.

Muss erst nach 400 Kilometern an die Dose: Mecedes EQV.

Muss erst nach 400 Kilometern an die Dose: Mecedes EQV.

Zudem sollen gegen Ende des Jahres E-Versionen vom Kastenwagen Jumpy und der Familienversion Spacetourer folgen. Einzige Konkurrenz in diesem Segment: der Mercedes EQV, der im August 2020 erwartet wird. Dank grosser Batterie im Unterboden sollen bis zu 400 Kilometer drinliegen, bevor der Stern wieder an die Steck­dose muss.

Einen grossen Schritt will Maserati im kommenden Jahr machen. Mit dem Ghibli PHEV wagen die Italiener einen ersten Schritt in Richtung E-Mobilität. Nähere Details zur Limousine mit Hybridantrieb sind noch nicht bekannt; genauso wenig sind die Gerüchte bestätigt, dass die Italiener noch 2020 einen rein elektrisch angetriebenen Sportwagen präsentieren werden. So oder so sind die Italiener aber auf dem richtigen Weg. Denn ohne elektrifizierte Antriebe kann die Traditionsmarke den modernen Gesetzesanforderungen auf Dauer nicht mehr gerecht werden. Auch Fiat bringt 2020 Hybrid-Antriebe für Panda und 500; Letzterer wird ­zudem in einer neuen E-Version zu ­haben sein. Die amerikanische Abteilung des FCA-Konzerns nutzt ebenfalls die neuen Plug-in-Antriebe: Jeep Renegade (ab Februar), Compass (ab Mai) und sogar der legendäre Wrangler (ab November) werden mit Stecker und Batterie ausgerüstet.

Neue Stromer

Ford startet das Jahr mit einem Teilzeitstromer: dem neuen Explorer mit 450 PS aus einem Benzin-Hybrid-Antrieb. Laut Werksangabe soll der grosse SUV bis zu 48 Kilometer rein elektrisch schaffen. So liegt der Normverbrauch bei nur 2,9 l/100 km.

Ganz elektrisch wird es beim amerikanischen Riesen ab November, wenn der Crossover «Mustang Mach E» auf den Markt kommt. Mit Allradantrieb und Reichweiten von bis zu 600 Kilometer dürfte er auch in der Schweiz einige Autofahrer vom E-Antrieb überzeugen – zumal die Preise schon unter 50000 Franken starten.

Etwas günstiger wird der Honda e, der ab Juni auf die Strasse kommt. 43100 Franken soll der elektrische Stadtflitzer aus Japan kosten. Für einen Kleinwagen mit nur 220 Kilometer Reichweite ein stolzer Preis; dafür punktet der Honda e mit charmantem Retro-Design und voll digitalem Cockpit. Ob das reicht, zeigt sich spätestens im November, wenn mit dem Renault Twingo mit E-Antrieb ein direkter Konkurrent auf den Markt kommt.

Stadtflitzer im Retrodesign: Der Honda e.

Stadtflitzer im Retrodesign: Der Honda e.

In Sachen Reichweite spielt der Mazda MX-30 in einer ähnlichen Liga; rund 200 Kilometer werden es sein; erhältlich ist der Mazda ab September für mindestens 36990 Franken. Später folgt eine Version mit benzinbetriebenem Range-Extender.

Rein auf die Reichweite der Bat­terie verlassen sich die beiden Strom-Neuheiten aus Schweden: Der Polestar 2 als Limousine und der XC40 als Kompakt-SUV. Beide basieren auf derselben Plattform, bieten Allradantrieb, 408 PS und rund 400 Kilometer Reichweite. Die Preise stehen noch nicht fest, dürften allerdings erst bei mehr als 60000 Franken starten. Einen direkten Konkurrenten könnte Lexus ab November ins Rennen schicken; die Japaner wollen den kompakten SUV UX als reine E-Version anbieten.

SUV mit Stecker

Bei Jaguar und Land Rover ist eigentlich der neue Defender die promi­nenteste Neuheit, er soll im April starten. Wichtig für die CO2-Bilanz der ­Briten sind die Plug-in-Hybrid-Modelle von Jaguar F-Pace, Land Rover Discovery Sport und Evoque, die zwischen Mai und August erwartet werden. ­Ähnlich konsequent setzt auch Kia die Ceed- und Optima-Modelle unter Strom.

Opel bringt mit dem Corsa e ab März erstmals ein reines E-Auto auf den Markt; er nutzt eine gemeinsame Plattform mit dem Peugeot 208. Auch er kommt mit einer 50-kWh-Batterie und rund 330 Kilometer Reichweite. Preis: Ab 33900 Franken.

Opel geht mit dem Corsa e an den Start.

Opel geht mit dem Corsa e an den Start.

Die Konzern-Bruderschaft bringt beiden Marken auch einige Plug-in-Hybride, wie zum Beispiel den Opel Grandland X Hybrid 4 oder Peugeot 3008.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass sich die kostspieligen Hightech- Antriebe nur in einem geschickten Baukastensystem realisieren lassen. Die Entwicklung lohnt sich nur, wenn die Komponenten in möglichst vielen Modellen verbaut werden können – womit wir wieder beim VW-Konzern wären: Auf der Plattform des neuen VW Golf folgt im April der neue Seat Leon, auf der Basis des rein elektrischen VW ID.3 könnte ab November der Seat el Born stehen. Bis dahin verbauen sowohl Seat (Tarraco und Formender) als auch Skoda (Superb und Octavia) die Plug-in-Hybrid-Komponenten, um das Angebot an elektrifizierten Fahrzeugen auszubauen. Denn um die strikten Vorgaben zu erreichen, lautet 2020 das Motto: Jedes Gramm zählt!

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