Regionalfernsehen
TV-Chefredaktor Oliver Steffen: «Unsere Einschaltquoten bewegen sich fast gleich wie die Corona-Infektionskurven»

Der Nachfolger von Markus Gilli spricht über die Konkurrenz mit dem SRF, seine eigene Corona-Erkrankung und er verrät, welches Kult-Video seiner Sender er am besten findet.

Pascal Ritter
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Oliver Steffen, Chefredaktor der CH-Media-Regionalsender, im News-Studio von Tele M1 in Aarau.

Oliver Steffen, Chefredaktor der CH-Media-Regionalsender, im News-Studio von Tele M1 in Aarau.

Britta Gut

Oliver Steffen, 46, hat im Juni die Leitung der Sender Tele Züri, Tele M1, Tele Bärn, Tele 1 und TVO übernommen. Sie gehören wie dieses Medium zu CH Media.

Oliver Steffen studierte Wirtschaft und begann seine Journalistenkarriere bei Radio Eulach (später Radio Top). Im Jahr 2006 stieg er bei TeleZüri, als Videojournalist ein und besetzte dort später die Positionen als Moderator und Produzent. Zuletzt leitete er den Bereich «Operationelles TV» von CH Media. Er lebt am Zürichsee zusammen mit seiner Frau, einer Tochter und einem Sohn.

Steffen übernahm damit die Nachfolge von Markus Gilli, der pensioniert wurde, aber weiterhin Sendungen moderieren wird. Zur Zeit fällt er aber krankheitshalber aus.

Sie haben mitten in der Corona-Zeit die Chefredaktion der regionalen TV-Sender von CH Media übernommen, als von Tele M1, Tele Züri, Tele Bern, Tele 1 und TVO. Wie war das für Sie?

Ich wurde überrumpelt. Mit so etwas habe ich nicht gerechnet. Dann machten wir das Beste daraus. Zuerst einmal ging es darum, dass wir unsere Mitarbeiter schützen, die zweite Frage war dann, wie berichtet man darüber. Und das ist eine Gratwanderung. Ganz am Anfang der Krise waren die Medien – auch wir – etwas zu unkritisch mit den Behörden. Aber dann kam der journalistische Instinkt schnell zurück.

Ihr hattet sehr früh einen infizierten Mitarbeiter im Haus. Was ist dort passiert?

Es gab eine grosse Desinfektionsaktion. Eine Reinigungsequipe kam und desinfizierte alles. Sie trugen Schutzanzüge und sahen aus wie Astronauten. Damals wusste man noch kaum etwas über das Virus.

Hat euch das beeinflusst?

Ja, ich denke schon. Das hat sicher dazu beigetragen, dass wir eher einen Kurs fuhren, der strenge Massnahmen nicht bekämpfte. Der Fall hat aber vor allem bewirkt, dass wir auf unsere Mitarbeiter noch mehr Acht geben. Wir haben zum Beispiel sehr früh Masken beschafft und ein Schutzkonzept ausgearbeitet.

Corona sorgte für Einschaltquoten. Wie läuft es für die Regionalsender von CH Media?

Die Einschaltquoten bewegen sich fast gleich wie die Infektionskurven. Während der ersten Welle hatten wir Rekordeinschaltquoten. Der März war der beste Monat überhaupt. Und der November war nun der zweitbeste Monat. Wir erreichten in der Summe täglich knapp 1 Million Zuschauer, im November letztes Jahr waren es rund 750'000. Wir sehen also auch beim Interesse der Zuschauer eine zweite Welle. Positiv stimmt mich, dass die Einschaltquoten aber auch über den Sommer konstant höher waren als in den Vorjahren.

Ist dieser Trend nachhaltig?

Ja. In der Zielgruppe 15 bis 49-Jährige sehen wir zum Beispiel bei Tele Züri eine Verdoppelung der Zuschauer von News-Sendungen im Vergleich zum Durchschnitt der letzten vier Jahre. Das gibt uns mehr Zeit für die digitale Transformation. Zudem haben sich Formate etabliert, die vor Corona keine Chance gehabt hätten. Etwa Turnsendungen oder Gottesdienste.

Wie gross ist der Einfluss der Medien auf die Leute. Zum Beispiel beim Maskentragen. Hat es eine Wirkung, wenn ein Experte im Fernsehen sagt, Maskentragen sei gut?

Wenn ein Experte bei uns im TV sagt, Maskentragen sei sinnvoll, dann hat das schon einen Einfluss. Ich glaube aber nicht, dass es die Aufgabe von Journalisten ist, dem Publikum Handlungsanweisungen zu geben. Wir können nur die Einschätzungen von Experten oder von Behörden verbreiten, und diese kritisch hinterfragen. Eher einen Effekt haben die Medien auf die Politik. Wenn zum Beispiel wie zuletzt die hohen Todeszahlen medial aufgegriffen werden, erhöht das den Druck.

Bundesrat und die Kantonsregierungen haben die zweite Welle verschlafen. Sind die Medien daran mitschuldig, weil sie zu wenig auf eine solche hingewiesen haben?

Ja. Wir haben im Sommer alle durchgeatmet. Es gab dann warnende Stimmen aus der Wissenschaftstaskforce, die zu wenig gehört wurden. Und ich muss sagen, ich habe wenige Medien gelesen, die Verschärfungen angeregt hätten, als die Welle noch eher klein war. Jetzt müssen wir umso genauer hinschauen. Zum Beispiel, wie die Wintersportorte die Vorgaben umsetzen.

Sie haben selbst Corona durchgemacht. Wie war das?

Es fühlte sich an wie eine starke Erkältung. Das schlimmste war, dass ich zwar zuhause war, aber meine Familie nicht sehen, meine Kinder nicht umarmen konnte. Nur im Garten konnten wir uns mit Abstand begegnen. Es ist uns so gelungen, dass sich weder die Kinder noch meine Frau ansteckte. Ich hatte viel Glück. Es ist mir klar, dass es nicht bei allen so glimpflich verläuft. Wenn ich unsere Reportagen sehe aus den Intensivstationen und von den Toten lese, dann beschäftigt mich das sehr.

Wie denken Sie über die aktuelle Situation?

Mich beschäftigt im Moment die Frage sehr, wie viele Menschen wir opfern für unsere Wirtschaft. Das sagt auch etwas über unser Land aus. Im Moment zahlen wir einen sehr hohen Preis für das Offenhalten der Wirtschaft. Zu lange waren die Opfer in der Schweiz zu wenig im Zentrum. Es hiess lange, das sind Alte, die sowieso gestorben wären. Ich finde es gut, wenn wir das nun genauer anschauen und diskutieren. Ich habe mit Bundesrat Berset im TalkTäglich auch deshalb intensiv über den Preis der Corona-Strategie diskutiert.

Wie haben sich die Politiker verändert während der Krise?

Das Denken in politischen Lagern rückte eine Zeit lang in den Hintergrund. Es war nicht mehr vorhersehbar, wer sich wie positioniert. Nun erlebe ich aber, wie das Lagerdenken zurückkehrt.

Wie geht es eigentlich Ihrem Vorgänger, Markus Gilli, der wegen Krankheit ausgefallen ist?

Es geht im stetig besser, was mich sehr freut. Ursprünglich war eine Rückkehr auf Ende Jahr angedacht, aber es braucht jetzt aber etwas mehr Geduld, bis er wieder vor der Kamera stehen kann.

Was für Akzente wollen Sie setzen?

Ich will neue Formate entwickeln und digitaler werden. Sehr am Herzen liegt mir das Reportage-Magazin «+41». Dann haben wir neue Gesichter. Vanessa Meier in Zürich zum Beispiel oder Patricia Zuber im TalkTäglich. Was ich aber vor allem will, ist mehr Dynamik. Kritiker sagen, das Regionalfernsehen habe sich in den letzten 10 Jahren nicht verändert und diese Kritik stimmt zum Teil. Das will ich ändern.

Ihr wollt digitaler werden. Sie selbst sind aber auf den sozialen Medien eher zurückhaltend. Andere inszenieren sich auf Twitter und rufen dazu auf, Fragen für Talk-Shows einzusenden. Sie machen das nicht, warum?

Ich finde es toll, wenn man Zeit für all das hat (lacht). Aber ernsthaft: Ich bin nicht der Typ, der sich auf den sozialen Medien stark exponiert. Vor allem sehe ich es nicht als meine Aufgabe, auf Twitter meine Meinung hinauszuposaunen. Als Journalist präsentiere ich in der Talk-Sendung beide Standpunkte und der Zuschauer soll sich seine Meinung bilden.

Es gibt ein Video mit Perlen aus 25 Jahren Tele Züri. Was ist Ihre Lieblingssequenz?

Die mit dem Mann, der einen Fuchs-Angriff nachstellt. Er fasziniert mich, wie es unseren Reportern gelingt, so nahe an die Menschen zu kommen, dass sie lebhaft und engagiert eine Szene nachstellen, die sie erlebt haben.

Eines der beliebtesten TeleZüri-Videos zeigt Buben, die am 1. Mai vor der Kamera mit ihren zum Teil verbotenen Aktionen prahlen. Müsste man solche Minderjährigen nicht vor sich selbst schützen? Die werden es vielleicht schwer haben später eine Lehrstelle zu finden, weil sie sich dazu hinreissen liessen, bei TeleZüri einen skurrilen Auftritt hinzulegen. Das Video ist ein paar Jahre alt. Würden Sie so etwas wieder machen?

Mir ist nicht bekannt, dass diese Buben wegen des Videos Nachteile gehabt hätten. Aber natürlich müssen wir bei Minderjährigen vorsichtig sein. Es ist ein Grenzfall. Ich denke aber, dass sie in diesem Moment Teil des Geschehens waren und etwas zur Situation zu sagen hatten.

Die Videos zeigen: Ihr macht nicht nur trockene News sondern, wollt auch unterhalten. Wie viele Unterhaltung darf es haben in einer Informationssendung?

Wir müssen vor allem glaubwürdig sein und wahrheitsgemäss berichten. Das steht über allem. Dann achten wir aber auf eine Dramaturgie. Wir fangen mit relevanten Dingen an und enden mit einem lockeren Stoff zum Schmunzeln. Das ist ein Erfolgsrezept. Aber dieser letzte Beitrag ist der erste, der rausfällt, wenn etwas mit höherem News-Wert passiert.

Beim neuen Reportage-Magazin «+41» habt ihr eine eindrückliche Reportage aus dem Kantonsspital Schwyz gesendet. Aber es überwiegt auch hier der lockere Stoff. Angefangen hat es mit Tieren und zuletzt habt ihr über Swingerclubs und Sexpuppen berichtet. Was ist das Ziel dieser Reportage-Sendung?

In «+41» wollen wir Menschen ins Zentrum rücken, die man noch nicht 100 Mal in den Medien gesehen hat, die aber etwas Spezielles machen. Angefangen haben wir mit einem Monat mit Tieren, was wir wohl nicht mehr machen würden. Es braucht mehr Abwechslung. Die Bandbreite ist gross zwischen einem Sexkinobetreiber und der Intensivstation im Spital Schwyz, alles rund um die Zollkontrolle oder der Durchleuchtung von Zürichs Multikultiquartieren. Ich glaube es verträgt diese Spannweite. Im Kern ist es eine Redaktion von drei Leuten, die intensiv spannende Menschen sucht. Wir planen übrigens das Format weiterzuentwickeln. Wir wollen +41 zumindest an ein paar Abenden auf eine Stunde verlängern und Livereportagen zeigen.

Zählt ihr eigentlich nach, welche Partei, wie oft eingeladen wird in Talk-Sendungen?

Unser Ziel ist, die Parteien entsprechend ihrer Vertretung im Parlament im SonnTalk zu Wort kommen zu lassen. Im Talk Täglich bestimmen die Themen, wen wir einladen. Wir versuchen auch dort möglichst alle Parteien einzuladen. Für eine gute Talksendung braucht es aber Gegensätze, darum werden wir wohl nie drei Vertreter von Mitteparteien miteinander diskutieren lassen. Am Schluss zählt, dass wir spannende Sendungen haben und sich die Zuschauer eine Meinung bilden können.

Wie läuft es mit dem Gäste einladen. Reissen sich die Politiker darum oder muss man sie überreden?

Für den SonnTalk melden sich immer wieder Politiker und fragen, wann sie wieder einmal kommen dürfen. Und in diesem Corona-Jahr war es auch für das Talk-Täglich einfacher. Wir hatten noch nie so viele Bundesräte. Ausser Ueli Maurer und Guy Parmelin waren alle schon im Studio. Wir spüren, dass das Regionalfernsehen in der Krise an Bedeutung gewinnt. Die Politiker realisieren das auch und wollen ins Studio kommen.

Wo stehen Sie politisch?

Ich bin Wechselwähler. Ich entscheide mich je nach Vorlage und Thema. Das ist ja das Schöne an der Schweiz. Man muss sich nicht für ein Parteiprogramm entscheiden und kann von Fall zu Fall mitbestimmen. Ich habe mich auch schon umstimmen lassen im Verlaufe der Beschäftigung und der Diskussion über eine Vorlage. Ich glaube zudem, dass meine Meinung für meine Arbeit sekundär ist. Wenn ich mit Karin Keller-Suter über die Begrenzungsinitiative spreche, bringe ich die Argumente der SVP und wenn es um die Konzernverantwortung geht, argumentiere ich von links.

Schon vor Corona standen die Medien von gewissen Kreisen in der Kritik. Immer wieder ertönt der «Fakenews»-Vorwurf. Wie erlebten Sie das? Und hat Corona hier etwas verändert?

Corona hat das Problem verschärft. Weil das Virus neu ist, ist es einfacher, die Medien in Zweifel zu ziehen. Zum Beispiel hiess es am Anfang, Masken nützten nichts und nun sind sie plötzlich das Allerheilmittel. Die Experten änderten ihre Einschätzung. Wir können dem begegnen, in dem wir offen und transparent sind und darauf hinweisen, wenn sich die Experten in einer Sache nicht einig sind.

Wie sind die Rückmeldungen der Zuschauer?

Es gibt immer noch genauso viele E-Mails mit konstruktivem Input. Es häufen sich aber E-Mails mit teilweise aggressivem Inhalt. Auf der Strasse sind die Menschen freundlicher. Dort entstehen zum Teil spannende Diskussionen. Dies auch in der aktuellen Situation. Ich habe festgestellt, dass ich trotz Maske erkannt und angesprochen werde.

Was ist der Tenor in den Rückmeldungen?

Es kommt Kritik und Lob von allen Seiten. Meist ist es Ausdruck der persönlichen Präferenzen. Wenn die Zuschauer Sympathien haben für eine Politikerin, dann loben sie meist das Interview und wenn es umgekehrt ist, gibt es Kritik.

Die Zuschauer kritisieren nicht die Art des Journalismus, sondern äussern einfach ihre persönlichen Vorlieben für Politiker. Fehlt es an Medienkompetenz?

Der Zuschauer hat immer Recht. Die Medienkompetenz ist nicht das Problem. Mich beschäftigt aber, wie Social Media Blasen geschaffen hat. Die Menschen hören sich nicht mehr zu. Das Fernsehen bietet hier eine Chance. Es schalten auch Menschen ein, die sonst in ihrem Umfeld kaum mehr mit anderen Meinungen in Berührung kommen.

Das Schweizer Fernsehen versucht sich vom linearen Fernsehen zu lösen und plant Formate, die nur noch in den sozialen Medien ausgestrahlt werden. Wie sieht das bei den CH-Media-Regionalsendern aus?

Wir werden auf jeden Fall nicht mit unseren Sendern auf Tik-Tok wechseln. Da wir mit allem, was wir produzieren, auch Geld verdienen müssen, können wir nicht für Gratis-Plattformen wie Youtube produzieren, wo ein Video nur den Giganten aus den USA etwas nützt. Wir werden aber den Fokus weiter auf online ausweiten. Unter anderem über unsere konvergenten Today-Plattformen FM1Today, PilatusToday, und ab nächstem Sommer ArgoviaToday. Die steigenden Zuschauerzahlen zeigen aber, dass das lineare Fernsehen durchaus eine Zukunft hat. Und wir es nicht vernachlässigen dürfen.

Gibt es in 20 Jahren noch lineares Fernsehen?

Das ist schwierig zu sagen. Ich denke es wird auch dann noch einen grossen Bildschirm in den Wohnzimmern geben. Ob darauf dann noch lineares Fernsehen läuft, darüber mag ich nicht spekulieren. Bei mir selbst sehe ich, dass ich zwar gerne eine Serie schaue auf Netflix, wenn ich dann aber eine neue Serie suchen muss, bin ich überfordert. So geht es vielen, sie schätzen am linearen Fernsehen, dass sie einfach einschalten können. In 10 Jahren gibt es das noch, in 20 wahrscheinlich auch.

Wollt ihr eigentlich das bessere SRF sein oder die Nische daneben abdecken?

Unser Ziel ist es, dass wir in 5 Jahren die Menschen aus der Region auf all unseren Sendern und Plattformen durch den Tag begleiten können. Am Morgen stehen sie auf, haben auf den digitalen Plattformen oder im Radio unsere News und am Abend schauen sie unsere Sendungen. Das SRF können wir nicht konkurrenzieren, da sind die Budgets einfach zu unterschiedlich und sie haben auch einen viel umfassenderen Leistungsauftrag.

Ärgern Sie eigentlich diese ungleich langen Spiesse. Die SRG-Sender erhalten 1,25 Milliarden aus dem Gebührentopf und die «CH Media»-Regionalsender zusammen 14 Millionen.

In erster Linie fasziniert es mich, wie man mit viel weniger Geld auch gutes Fernsehen machen kann. Hier können andere Sender von uns lernen. Manchmal beelendet mich diese Ungleichheit aber schon. Ich sehe, wie bei uns im Corona-Jahr die Werbeinnahmen zurückgegangen sind, obwohl wir massiv mehr Zuschauer hatten. Und darum ist für mich das nächste Jahr schon entscheidend. Hoffentlich können wir die Werbeeinnahmen wieder erhöhen und hoffentlich wird unser Anteil aus dem Gebührentopf von 6 auf 8 Prozent erhöht. Bei beidem bin ich zuversichtlich. Ich glaube die Wertschätzung unseres Regionalfernsehens ist gestiegen.

Wie viel Anfragen von SRF haben Sie schon abgelehnt?

(Lacht). Natürlich gab es auch schon Avancen, aber mir gefällt die Rolle des Underdogs, der mit weniger Mitteln kämpft und sich freut, wenn die eigene Geschichte besser ist als die der grossen Sender.

Laut einer Umfrage beträgt der Medianlohn im Privatfernsehen 5‘526 Franken pro Monat, bei der SRG sind es 7‘900 Franken, bei gedruckten Zeitungen 7‘143 Franken. Warum ist das so?

Bei uns liegt der Medianlohn tendenziell höher als 5500. Aber es stimmt schon: Beim Privatfernsehen ist der Lohn nicht der höchste, auch weil es nie die goldenen Zeiten gab, welche die gedruckten Zeitungen erlebt haben. Wir versuchen faire Löhne zu bezahlen mit den Mitteln, die wir haben. Aber es ist kein Geheimnis, dass die Werbeeinnahmen seit Jahren sinken.

Wie bringen Sie Familie und Job unter einen Hut?

Ich arbeite schon mein Leben lang immer in Jobs mit unregelmässigen Arbeitszeiten. Seit ich Chefredaktor bin, habe ich nun zum ersten Mal eine gewisse Regelmässigkeit. Ich habe in der Regel am Montag- und am Freitagmorgen etwas Zeit für meine Familie. Ich kann mit ihnen Zmorge essen. Der Sonntag fällt wegen dem SonnTalk oft weg, aber ich finde, wir managen das gut. Meine Frau und ich leben ein sehr flexibles Modell und das Homeoffice hat das erleichtert. Das ist ein positiver Coronaeffekt.

Wie war die Zeit, als Schulen und Kindergärten zu waren?

Ich glaube, das war für alle Familien eine schwierige Zeit. Ich habe aber auch hier etwas positives beobachtet. Die Zeit hat Bruder und Schwester zusammengeschweisst.