Ständig drinnen
Genug von den immer gleichen vier Wänden? Das sind die drei spannendsten Wohnstile fürs neue Jahr

Es ist Zeit, die eigenen vier Wände für das kommende Jahr aufzumöbeln. Wir zeigen drei Einrichtungsstile, die uns besonders gefallen, bei denen es sich lohnt, zu investieren – und die das Potenzial haben, im 2022 zum grossen Hit zu werden.

Silvia Schaub
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Japandi:

Essenz von Fernost und dem hohen Norden

Natürliche Materialien, allen voran helles Holz, sind bei Japandi Trumpf.

Natürliche Materialien, allen voran helles Holz, sind bei Japandi Trumpf.

Bild: Getty Images

Einfach war es noch nie, sich für einen Einrichtungsstil zu entscheiden. Sollen die eigenen vier Wände minimalistisch oder lieber im Landhausstil eingerichtet werden? Oder doch etwas verrückt im Pop-Art-Stil – oder gleich ganz glamourös? Und wie bringt man darin auch noch alle persönlichen Lieblingsstücke unter? Wie gut, dass es nun einen Einrichtungsstil gibt, der besonders Entscheidungszögerer erfreuen wird: Japandi.

Dahinter stecken auf den ersten Blick zwei ziemlich unterschiedliche Stilrichtungen, nämlich das schlichte, eher strenge japanische Design im Wabi-Sabi-Stil und die hyggelige, gemütliche skandinavische Wohnkultur – Scandi genannt. Doch aus der Nähe und ganz mathematisch betrachtet, bildet sich eine grosse Schnittmenge. Beide Richtungen sind geprägt von der Einfachheit und einem hohen Designanspruch.

Mit der Wortschöpfung Japandi hat hier die Verschmelzung der beiden Stile einen Namen erhalten. Er ist sozusagen die Essenz dieser zwei Kulturen. «Die Verknüpfung führt zu einer Wohnatmosphäre, welche grosse Ruhe und Entspannung vermittelt», erklärt Isabelle Schwalbe, Category-Managerin beim Einrichtungsspezialisten Pfister. Was für Jürg Brawand, Leiter Innenarchitektur bei der Teo Jakob AG, besonders für Japandi spricht:

«Durchdachtes, kluges Design, die Unaufdringlichkeit und die Liebe zum traditionellen Handwerk.»

Es sind zweifellos die Gegensätze, die bei Japandi so anziehend wirken – aber auch die Parallelen. Von denen gibt es einige. Die beiden Kulturen protzen nicht mit Üppigkeit oder Verspieltheit. Gerade Linien und sanfte Bögen prägen den jeweiligen Stil. Die Möbelstücke sind zurückhaltend und filigran. Auch die Farbpalette wird sparsam eingesetzt. Während die Skandinavier eher auf liebliche Pastell- und Naturtöne mit hellem Holz von Birke, Ahorn oder Buche setzen, bevorzugen die Japaner dunkle Hölzer von Nussbaum, Palisander oder schwarz lackierte Oberflächen. Genau der Mix dieser beiden Kolorite erzeugt die interessante Spannung.

Es dominieren natürliche Materialien wie Holz, Baumwolle, Jute oder Leinen. Gerade die Skandinavier können mit ihren Designklassikern von Arne Jacobsen oder Alvar Aalto sowie jungen Labels wie Muuto, Hay oder Normann Copenhagen aus dem Vollen schöpfen. Ein wichtiges Element, um den Japandi-Stil umzusetzen, ist die Wahl von niedrigen Möbeln. Ein Futonbett im Schlafzimmer, niedrige Polstermöbel oder gemütliche Lounge-Sessel erzeugen gerade in kleinen Räumen ein Gefühl von Weite.

Weshalb kommt die Fusion von Nord und Ost so gut an? Einerseits lässt sie sich mit jedem Budget umsetzen, andererseits zeigt der Stil, «dass weniger mehr ist», betont Brawand. Bei Japandi bekommt jedes Stück seinen Raum. Freiflächen werden bewusst eingeplant. Und da wären wir beim wohl wesentlichsten Punkt: In die Wohnung kommen nur funktionale Möbelstücke, die mit Bedacht ausgesucht sind. Alles andere braucht es nicht.

Couchtische:

Unterschätzter Nebendarsteller

Aus mundgeblasenem Murano-Glas: Couchtisch von Miniforms. Ab 1060 Franken, zum Beispiel bei www.valeriagunz.ch.

Aus mundgeblasenem Murano-Glas: Couchtisch von Miniforms. Ab 1060 Franken, zum Beispiel bei www.valeriagunz.ch.

Bild: zvg

Erst wenn er fehlt, merkt man, wie wichtig er ist: der Couchtisch. Eine Sofaecke ohne ihn ist wie ein Bier ohne Schaum. Geniessbar, aber eben nicht perfekt. Der Couchtisch ist ein wertvoller Verbündeter, wenn man Besuch empfängt. Aber auch sonst dient er als praktische Ablagefläche für Bücher oder Zeitschriften, die Fernbedienung oder eine Blumenvase.

Seit viele Aktivitäten saisonbedingt vermehrt in den eigenen Wänden stattfinden, ist der Blick auf das unerlässliche Deko-Element mit dem praktischen Nutzen angebracht. Sollte man doch endlich ein solches Stück anschaffen, damit die Gäste das Glas Wein und die Häppchen nicht umständlich in den Händen halten müssen? Braucht die Sofaecke wieder einmal eine Auffrischung? Statt gleich die Sitzgelegenheit auszuwechseln, reicht oft ein neuer Salontisch, um eine frische Optik ins Wohnzimmer zu bringen. Dabei kann man ruhig etwas Mut zeigen und der Polsterecke im Nu von rustikal auf modern, von puristisch auf 50er-Stil ein Upgrade verpassen.

Die Auswahl kann jedes Bedürfnis abdecken: rund, oval oder eckig, aus Glas, Holz oder Marmor, höhenverstellbar oder mit Stauraum. So unscheinbar das Möbel auch ist, die Designer widmen sich ihm gleichwohl und bringen regelmässig neue Modelle auf den Markt. Klar, es gibt ein paar Klassiker wie den Wogg 17 Liva, einen schlichten Ellipsenturm, oder Eileen Grays Adjustable Table bei Classicon.

Mit diesen macht man nichts falsch. Elegant ist die Serie Story der dänischen Designerinnen Anna Karnov & Clara Mahler mit den feinen Holzsäulen. Praktisch sind die Metall-Couchtische Tor von Montis, die dank Henkel schnell umplatziert werden können, oder die Levels-Satztische von Peruse in unterschiedlicher Höhe.

Wichtig ist, dass man die richtige Höhe wählt. Eine hilfreiche Faustregel: Je niedriger man den Couchtisch wählt, desto mehr Lounge-Feeling erzeugt er. Auf jeden Fall sollte die Tischfläche nicht über der Sitzfläche des Sofas liegen. Das wirkt etwas altmodisch – ausser man will bewusst eine gewisse Retro-Optik ins Wohnzimmer bringen.

Vasen:

Sie sind auch ohne Blumen ein Blickfang

Die Porzellanvase von Hay wurde im 3D-Drucker modelliert. Ab 80 Franken, zum Beispiel www.connox.ch.

Die Porzellanvase von Hay wurde im 3D-Drucker modelliert. Ab 80 Franken, zum Beispiel www.connox.ch.

Bild: zvg

Es scheint fast, als hätte Instagram ein neues Lieblingskind. Wer sich durch die Posts klickt, findet sie haufenweise: Bilder mit Vasen. Nicht solche, die wie früher vor allem eines zu sein hatten: zurückhaltend, damit sie die Blumen möglichst gut zur Geltung bringen. Das war einmal. Heute sind kunstvolle Vasen gefragt, die als Dekorationsmittel einem Raum erst die richtige Wirkung geben.

In der Tat braucht es manchmal nicht viel, um die eigenen vier Wände aufzupeppen. Ein paar neue Kissenbezüge, ein anderes Bild – oder eben eine neue Vase. Sie ist nämlich schon lange nicht mehr nur als Gefäss für Blumen gedacht, sondern bereichert den Raum vielmehr als Deko-Element oder als Kunstobjekt. Denn die Palette reicht von klumpigen Keramikvasen bis zu verrückten geometrischen Formen. Wie etwa die sogenannten Donut-Vasen von Yunshao mit ihrer kreisrunden Form und einem Loch in der Mitte. Organische Formen sind derzeit jedoch das Must-have. So etwa die Balloon-Vasen von Louise Roe. Manche dieser geschwungenen Vasen haben auch gleich zwei Öffnungen, wie etwa die Kink-Vase von Muuto oder die Chamber-Vase von Hay.

Oft lassen sich die Designer auch von der Natur inspirieren. Die Vase Shell Pot von Ferm Living bezaubert mit ihrer Muschelform. Wie Pilze sehen die Vasen aus der Kollektion ­Cooee von Nordic Nest aus. Die Kreationen aus der Linie Vulca-Vase (ebenfalls von Ferm Living) aus Steingut wirken mit ihrer strukturierten, fliessenden Form wie handgemacht. Für die Vasen von Stories of Italy Nougat werden Scherben von zuvor mundgeblasenem Glas verwendet und mit weissem Glas verschmolzen, sodass ein terrazzoartiges Muster entsteht.

Skulptural und filigran zugleich wirken die Vasen des Labels Sheyn mit ihrer Faltenoptik. Die Kreationen des österreichischen Designers Nicolas Gold sind nicht nur schön anzuschauen, sie werden auch sehr nachhaltig produziert und sind dazu federleicht. Sie bestehen nicht etwa aus Porzellan oder Keramik, sondern aus einer Plastikalternative aus Maisstärke und wurden im 3D-Drucker hergestellt. Mit ihrem minimalistischen Design werden diese neuen Vasen in jeder Wohnung zum Blickfang – auch ohne Blumen.

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