Ski-Saison
Zusammenfaltbar, aus Stein oder aus Kautschuk: Was taugen die Spezialskis der High Society?

Wenn es mit den Schönen und Reichen der Welt bergab geht, dann nur mit besonders auffälligen Ski an den Füssen. Doch sind die luxuriösen Modelle mehr als nur Blickfänger? Wir haben den Test gemacht.

Simon Maurer
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Der Schnee kam dieses Jahr schon früh – bald stellen Prominente und Ski-Enthusiasten wieder ihre avantgardistischen Ski zur Schau.

Der Schnee kam dieses Jahr schon früh – bald stellen Prominente und Ski-Enthusiasten wieder ihre avantgardistischen Ski zur Schau.

Bild: Shutterstock

Erster Tag der neuen Saison – wir stehen auf einer Bergspitze und schauen nach unten ins nebelverhangene Tal. Felsen und Steine hinter uns, und unter den Skischuhen, denn wir tragen Ski aus Stein. Der hohe Preis von 5900 Franken für das unversicherte Test­exemplar belastet ein wenig unsere Stimmung, doch wenigstens fühlen sich die Ski trotz der dicken Schieferschicht nicht schwerer an.

Diese Ski verliert man besser nicht auf der Piste.

Diese Ski verliert man besser nicht auf der Piste.

Bild: Simon Maurer

Bei der Herstellung von Ski kennt die Fantasie der Hersteller momentan keine Grenzen: Die Schweizer Marke Zai tüftelt neben den Schieferski an solchen aus Holz oder gummiartigem Kautschuk. Der slowenische Ausrüster Elan hat mit dem «Voyager» derweil den ersten modernen zusammenfaltbaren Ski der Welt präsentiert. Und unzählige kleinere Marken setzen auf Modifikationen bei der Dicke der Bauteile, die einen grossen Effekt auf den Fahrspass haben sollen.

Kein Wunder, dass altbekannte Luxusmarken ihre Chance wittern und mit den experimentierfreudigen Skiherstellern exklusive Kooperationen eingehen. Elan etwa spannt mit Porsche zusammen und hat auch einen mit Swarovski-Kristallen dekorierten Ski im Angebot. Die Bündner von Zai verbrüdern sich mit Moncler und Yves Saint Laurent. Bei solchen Namen ist klar, dass die Preise ähnliche Höhen erreichen müssen wie Skifahrer Höhenmeter.

Stars wie Madonna oder der russische Politiker Dmitri Medwedew haben damit kein Problem, sie zahlen mehrere tausend Franken für einen archaischen Luxus-Ski aus Stein oder Holz. Doch mindestens der Schweizer Ski-Enthusiast erwartet für diesen Preis schon auch ein Mehr an Qualität.

Die Marke Zai experimentiert schon seit fast 20 Jahren an neuer Ski-Technologie und verspricht, dass ihre Ski langlebiger sind als «normale» Modelle, bedingt durch die aufwendigere Herstellung und das teurere Material. Die grossen Produzenten fertigen ihre Bretter in einem standardisierten Prozess, pro Ski werden inklusive Klebezeit etwa 40 Minuten gebraucht. Kleinere Marken wie Zai schreinern die Einzelteile in Handarbeit und wenden beispielsweise die länger dauernde Kaltklebemethode an, so dauert die Herstellung eines einzigen Skis bis zu 18 Stunden.

Länger heisst aber nicht automatisch besser. Der Trumpf der individuell gebauten Ski ist viel mehr die Optimierung kleinster Details und die Möglichkeit, durch das Experimentieren der Hersteller zu einem tatsächlich besseren Modell zu kommen. Unvergessen, wie Skispringer Simon Ammann 2010 der Konkurrenz dank einer krummeren Bindung davonflog und sensationell Olympiasieger wurde. Die neue Bindung löste eine Revolution aus, bis heute wird daran getüftelt.

Das Gleiche gilt bei Ski für Otto Normalstemmbögler, nur geht es dabei nicht um höhere Geschwindigkeiten, sondern ums Schonen der Gelenke und ein möglichst kraftsparendes Fahrerlebnis. Mehrere Schweizer Skibauer sind hier besonders innovativ. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass der diesjährige Prix Montagne der Schweizer Berggebiete zwei Appenzeller Skischreinern verliehen wurde.

Der Stein dämpft den Ski, Kautschuk macht ihn schneller

Den «Zai Stone» können sich Pazifisten statt des Gewehrs über den Kamin hängen.

Den «Zai Stone» können sich Pazifisten statt des Gewehrs über den Kamin hängen.

Bild: zai

Merkt man denn beim Fahren eines solchen Hightech-Stein-Superskis tatsächlich einen Unterschied zu normalen Brettern?

Wir tauchen ab in den Nebel und siehe da: Die «Zai Stone» flattern viel weniger als unsere Dynastar aus Massenproduktion. Das ist besonders bei schlechter Sicht angenehm. Weil auf Höhe der Zehenspitzen zudem ein Keil verbaut wurde, steht man aufrechter, und die Knie sind weniger belastet. Wir fragen uns, ob der Orthopäde mit dem Kniepatienten schimpfen würde, wenn er sich trotz Abratens mit so einem Ski auf die Piste stellte. Erst beim Kurzschwingen fühlen wir uns etwas eingeschränkt, weil der Ski nicht so leicht dreht und einen grösseren, sichereren Bogen machen will als wir.

Beim Testen drehte unser Autor jeden Stein um.

Beim Testen drehte unser Autor jeden Stein um.

Bild: Sven Jonscher

Wir haben aber gerade Lust auf Abenteuer und greifen deshalb zum «Zai Disruptor», dem Kautschuk-Ski, der trotz der fast klebrigen Oberfläche ein höheres Tempo verspricht. Wir merken, dass wir mit dem 1950 Franken teuren Ski schon mehr geerdet sind, denn Unebenheiten auf der Piste machen sich nun mit Vibrationen bemerkbar. Dafür ist der Ski drehfreudiger, wir liegen leichter in die Kurven und schwingen uns mit weniger Kraft zwischen Schneebuckeln hindurch.

Wer auf die trendigen Spezialski steht, spürt einen Effekt, doch machen sie allein aus dem Durchschnittsfahrer halt doch keinen Didier Cuche. Schönwetterfahrer werden die Technologie und den detailversessenen Aufwand nicht zu schätzen wissen. Ski-Enthu­siastinnen und vermögende Knie-Patienten werden hingegen ihre Freude haben, obschon sie sich für die Ski vom Gegenwert eines halben Goldbarrens trennen müssen. Dafür ist ihnen der anerkennende Blick Madonnas sicher, wenn der Popstar sich das nächste Mal in Gstaad neben sie in die Gondel setzt.