Freiwilligeneinsätze

Schwierige Suche nach Ärzten: Bombenangriffe erschweren Hilfsorganisationen die Arbeit

Im Oktober 2015 bombardierte ein US-Kampfjet im afghanischen Kunduz ein Spital von «Ärzte ohne Grenzen». Generaldirektor Christopher Stokes steht inmitten der Trümmer.

Im Oktober 2015 bombardierte ein US-Kampfjet im afghanischen Kunduz ein Spital von «Ärzte ohne Grenzen». Generaldirektor Christopher Stokes steht inmitten der Trümmer.

Der kürzlich verstorbene Beat Richner hinterlässt ein grosses Erbe. Es gibt aber auch heute Ärzte, die für Einsätze in Krisengebiete reisen, etwa mit «Ärzte ohne Grenzen». Allerdings ist die Rekrutierung für die Hilfsorganisation schwieriger geworden.

Beat Richner stellte seine Möbel ein, als er 1992 nach Kambodscha reiste. Der Einsatz würde nicht allzu lange dauern, dachte er. Doch es kam anders. Innert 25 Jahren baute der Schweizer Kinderarzt fünf Spitäler im südostasiatischen Land auf. 17 Millionen Kinder wurden darin behandelt.

Vor einer Woche ist Beat Richner im Alter von 71 Jahren gestorben. Es gibt nur wenige Menschen, die ein ähnliches Vermächtnis hinterlassen. Wie er reisen aber immer wieder Ärzte in mausarme oder gefährliche Gebiete. Sie leisten dort medizinische Hilfe, wo sie dringend nötig ist. Zum Beispiel mit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen: Pro Jahr nehmen bis zu 30 Schweizer Ärztinnen und Ärzte an einem der Einsätze teil. Allerdings ist es für die Organisation schwieriger geworden, Schweizer Fachleute anzuwerben, sagt die dafür zuständige Denise de Quervain. «Seit etwa fünf Jahren sind wiederholt Spitäler angegriffen worden. Die Bereitschaft der Helfer nimmt klar ab, wenn medizinische Einrichtungen zum Ziel von Bomben werden», sagt sie. Dabei bräuchte es auch in Ländern wie Syrien oder Irak dringend Gynäkologinnen, Hebammen, Notfallmediziner und klinische Psychologen. Was die Hilfsorganisation zudem vor Schwierigkeiten stellt, ist die hoch spezialisierte Ausbildung der Schweizer Ärzte. «Ein Handchirurg hat in seiner Karriere vielleicht an einer oder zwei Kaiserschnitt-Operationen teilgenommen. Obwohl er in seinem Fach top ausgebildet ist, fehlt die breite Erfahrung – genau das, was bei Kriseneinsätzen gefragt ist», sagt de Quervain.

Doch trotz widrigen Umständen gibt es Menschen, die aufbrechen. Nicht selten bauen sie aus eigener Kraft Projekte auf. Sie opfern ihre Freizeit oder ihre Karriere, um den Ärmsten zu helfen. Wir stellen hier sechs von ihnen vor.

Beat Richners Nachfolger: «Ich habe allen Mut, dass es weiter geht»:

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