Salzmann studiert
Was geht ab im Hirn?

In seiner Kolumne diskutiert Wissensredaktor Niklaus Salzmann Meldungen aus der Welt der Wissenschaft. Diesmal betrachtet er, was sich aus der Hirnaktivität ablesen lässt.

Niklaus Salzmann
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Mit diesen Sensoren lässt sich die elektrische Aktivität des Gehirns verfolgen.

Mit diesen Sensoren lässt sich die elektrische Aktivität des Gehirns verfolgen.

Bild: David Baillot / UC San Diego Jacobs School of Engineering

Was hat sich dieser Mensch bloss gedacht? Diese Frage stelle ich mir oft. So neulich, als ich mit dem Velo eine Vollbremsung hinlegen musste, weil ein Auto vor mir in den Kreisel drängte.

Gedanken lesen – ist das möglich? Im Grunde genommen handelt es sich um Signale zwischen Nervenzellen im Gehirn. Die Hirnströme lassen sich messen mit Sensoren, die auf der Kopfhaut oder operativ direkt auf der Hirnoberfläche platziert werden. Mit anderen Methoden können zudem Blutfluss und Sauerstoffgehalt in verschiedenen Regionen des Hirns gemessen werden.

Nun hat es ein Team der Universität Kalifornien geschafft, die Sensoren für Messungen der Hirnströme viel dichter beieinander zu platzieren, als das bisher möglich war. Statt einem Zentimeter haben ihre Sensoren nur rund einen Millimeter Abstand, die Auflösung wird so hundert Mal höher.

Doch lassen sich aus den Hirnaktivitäten auch Gedanken ablesen? Ja, behauptete vor einigen Jahren der Neurologe Niels Birbaumer: Er habe bei komplett gelähmten Menschen erkannt, ob sie «Ja» oder «Nein» dachten. Allerdings hatte Birbaumer die Daten nicht sauber dokumentiert – was die ganze Studie in Frage stellt.

Was hat er sich bloss dabei gedacht? Wir wissen es nicht. Und selbst ein Blick in sein Gehirn könnte uns keine Auskunft geben. Gedanken lassen sich nach aktuellem Stand nicht lesen, da hilft auch eine höhere Auflösung nicht weiter. Das ist ganz gut so. Hätte die Lenkerin des Autos im Kreisel gewusst, was ich über sie dachte, hätte sie mich möglicherweise vorsätzlich umgefahren.