Salzmann studiert
Wer ist klüger – Mann oder Frau?

Werden Menschen gefragt, für wie intelligent sie sich halten, gibt es ein klares Muster: Das eine Geschlecht ist schlauer. Vermeintlich.

Niklaus Salzmann
Niklaus Salzmann
Drucken
Der Bildungserfolg hängt nicht nur von der Hirnleistung ab, sondern auch von den Erwartungen der Eltern.

Der Bildungserfolg hängt nicht nur von der Hirnleistung ab, sondern auch von den Erwartungen der Eltern.

Bild: Shutterstock

Männer sind intelligenter als Frauen. Dieses Ergebnis kommt zumindest heraus, wenn Männer und Frauen sich jeweils selber einschätzen. Doch es ist falsch. Von Geburt aus sind Männer weder schlauer noch dümmer als Frauen. Beide Geschlechter sind im Durchschnitt gleich intelligent.

Der grosse Unterschied liegt nicht in der Intelligenz, sondern darin, wie sich Männer und Frauen selber einschätzen. Männer überschätzen ihre eigene Intelligenz tendenziell, während Frauen die ihre eher unterschätzen. Diesen bekannten Effekt bestätigte erst kürzlich wieder eine Studie der Griffith University in Australien.

Die Fehleinschätzungen beschränken sich nicht auf die eigene Person. Kinder halten ihre Väter für klüger als ihre Mütter. Und noch schlimmer: Eltern schätzen die Intelligenz der Söhne höher ein als diejenige der Töchter. Das beeinflusst den Bildungserfolg der Kinder, wie in anderen Studien gezeigt wurde. Wer in seine eigenen intellektuellen Fähigkeiten vertraut, ist motivierter und wagt sich an schwierigere Studiengebiete.

So deutlich solche Tendenzen in Studien hervortreten, es bleiben statistische Trends, von denen sich nicht auf Einzelpersonen schliessen lässt. Nicht jeder Mann ist dümmer, als er denkt, nicht jede Frau klüger, als sie denkt.

Und so kann sich jeder Mann der Illusion hingeben, dass gerade er die Ausnahme ist. Dass er tatsächlich so intelligent ist, wie er meint. Bestimmt findet der Mann auch Argumente, um sich in seiner Selbsteinschätzung zu stärken. Zum Beispiel, dass er wahnsinnig kluge Wissenschaftskolumnen schreibt.

Aktuelle Nachrichten