RomeroTage Luzern
«Gottes Mikrofon» – Óscar Romero war und ist eine Stimme der Hoffnung

Das geistige Vermächtnis und die Werte des hl. Óscar Romero, Erzbischof von San Salvador, prägen die jährlich in Luzern stattfindenden «RomeroTage». Diese stehen auch heuer im Zeichen brandaktueller Themengebiete.

Andreas Faessler
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Es ist das Motiv der Luzernern Romerotage 2022: der hl. Óscar Romero als Radioprediger.

Es ist das Motiv der Luzernern Romerotage 2022: der hl. Óscar Romero als Radioprediger.

Er war Freund der Armen und Unterdrückten, sein Wort erreichte die Menschen und liess sie hoffen. Óscar Romero (1917–1980), Erzbischof von San Salvador, hat sich als unerschrockener Gegner des unmenschlichen Regimes und als Stimme des Volkes am 14. Oktober 2018 einen Platz im Reigen der katholischen Heiligen gesichert. Seine Predigten sind legendär, Romero erreichte sein ihn tief verehrendes Publikum nicht nur von der Kanzel, sondern mittels moderner Kommunikationswege wie des Radios.

Als Radioprediger sieht man Óscar Romero denn auch aktuell im Zusammenhang mit den RomeroTagen 2022, die vom 24. bis 26. März in Luzern durchgeführt werden. Seit der Gründung des RomeroHauses an der Kreuzbuchstrasse 44 anno 1986 werden die aus mehreren thematischen Veranstaltungen bestehenden RomeroTage jährlich durchgeführt. Das Motto der diesjährigen Veranstaltungsreihe lautet «Stimmen der Hoffnung». Der unmittelbare Bezug zum hl. Óscar Romero liegt auf der Hand.

«Seine Predigten waren mehr als einfach nur Predigten. Óscar Romero galt als Gottes Mikrofon›»,

sagt Josef Estermann, Verantwortlicher für Grundlagen und Forschung bei Comundo, ab 2012 Leiter des RomeroHauses und inzwischen pensioniert. «Grundidee der RomeroTage war seit jeher, das geistige Vermächtnis von Erzbischof Romero weiterzutragen und von seiner Botschaft ausgehend Brücken zu schlagen zu Themen, welche die Menschen heute beschäftigen.» Der Klimawandel oder die Pandemie etwa sind aktuell besonders virulent und werden bei den heurigen Veranstaltungen unter anderem aufgegriffen.

Für eine gerechtere Welt

«Bei den Themenschwerpunkten im RomeroHaus ist der Blick jedoch stets besonders nach Lateinamerika gerichtet», sagt Estermann dazu. Zum einen, weil es das Hauptwirkungsgebiet Romeros war, zum anderen, weil Comundo, Organisation für Entwicklungszusammenarbeit und Besitzerin des RomeroHauses, in dieser Region tätig ist. «Comundo macht sich vor allem stark für Bildung, Gesundheit, Friede, Demokratie, Ökologie – allgemein für eine gerechtere Welt, die auf Dialog und gegenseitigem Respekt beruht», führt Josef Estermann aus.

Es ist die Quintessenz der RomeroTage, es findet eine Sensibilisierung mit politischen wie auch religiösen Inhalten statt. Um die Materie greif- und nahbar zu machen, sind an den Veranstaltungen immer wieder Menschen anwesend, die für Comundo oder eine der Partner-Netzwerkgruppen in den Krisengebieten im Einsatz sind. Aktuell sind in sieben Ländern jeweils zehn bis zwölf Fachleute aktiv. Von ihnen reisen Einzelne eigens für die RomeroTage oder andere Veranstaltungen an, um zu referieren – oder werden live aus ihrem Einsatzgebiet zugeschaltet. «Sie legen Zeugnis aus erster Hand ab, da sie die Situation vor Ort bestens kennen», sagt Josef Estermann.

«Das stösst beim Publikum immer auf besonders grosses Interesse.»

Die RomeroTage 2022 starten am Donnerstag mit dem sogenannten Politischen Nachtgebet. In den 1960er-Jahren von einer ökumenisch geprägten Gruppe um die Theologin Dorothee Sölle entstanden, galten die Politischen Nachtgebete als stiller Protest gegen den Grundsatz der strikten Trennung von Religion und Politik. Die Nachtgebete bestehen seit jeher aus Diskussionen zu politischen Themen sowie aus spirituellen Komponenten wie Meditation, Predigt oder Beten. Gestaltet wird das musikalisch umrahmte Nachtgebet von den beiden Luzerner Theologinnen Li Hangartner und Jacqueline Keune.

Fachreferate zum Hauptthema

Der Freitag steht im Zeichen eines Podiumsgespräches mit Fokus Kolumbien. Vier Fachleute unterschiedlichen Hintergrundes erörtern die Situation des Landes heute, fünf Jahre nach Ende des 50-jährigen Bürgerkrieges. Die grosse Tagung mit Brunch am Samstag gilt als Hauptveranstaltung der RomeroTage. Sämtliche Teilanlässe an diesem Tag stehen unter dem übergeordneten Motto «Stimmen der Hoffnung». Vier Referentinnen und Referenten zeigen auf, inwiefern es aus klimapolitischer, humanitärer, landwirtschaftlicher und entwicklungspolitischer Perspektive Grund zur Hoffnung gibt.

Details zu den RomeroTagen vom 24. bis 26. März und zur Anmeldung: www.comundo.org, (Aktuelles-Veranstaltungen)