Pandemie
Der neue Job des Schwedischen Mr. Corona, Anders Tegnells, existiert bei der WHO gar nicht

Der Staatsepidemiologe werde als internationaler Corona-Impfkoordinator zur Weltgesundheitsorganisation wechseln, hatte die schwedische Gesundheitsbehörde behauptet. Doch in Genf ist man erstaunt.

Niels Anner, Kopenhagen
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Epidemiologe Anders Tegnell führte Schweden durch die Pandemie. Das war offenbar doch kein direktes Ticket zur WHO.

Epidemiologe Anders Tegnell führte Schweden durch die Pandemie. Das war offenbar doch kein direktes Ticket zur WHO.

Anders Wiklund / NEWS AGENCY

Jetzt, wo sich die Pandemie dem (vorläufigen) Ende zuneigt, schien es für Schwedens «Mister Corona» der richtige Zeitpunkt, um abzutreten. Anders Tegnell war während zwei Jahren weltbekannt geworden als – umstrittener und gefeierter – Architekt einer Corona-Strategie, die auf Eigenverantwortung setzte und auf einen eigentlichen Lockdown verzichtete. Vor zwei Wochen teilte nun die schwedische Gesundheitsbehörde, Tegnells Arbeitgeber, überraschend mit, der 65-jährige Staatsepidemiologe gehe nicht in Pension, sondern werde ab sofort für die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf als Impfexperte arbeiten. Er werde die Koordination zwischen verschiedenen Unterorganisationen übernehmen, um die Verteilung von Corona-Impfstoffen zu verbessern, insbesondere auch an ärmere Länder.

WHO: «Es gibt interne Verwirrung»

Doch einen solchen Job gibt es gar nicht bei der WHO, wie nun schwedische Medien herausgefunden haben. Entsprechend erstaunt hat man in Genf auf die weltweiten Schlagzeilen über den Wechsel Tegnells in die Schweiz reagiert. «Es gibt interne Verwirrung», erklärte eine WHO-Sprecherin der Zeitung «Svenska Dagbladet». Die WHO habe ein «Angebot aus Schweden erhalten, das nun diskutiert wird. Es gibt keinen unterschriebenen Vertrag», so die Sprecherin.

Schweden: «Es gab ein Missverständnis»

Mittlerweile hat die schwedische Gesundheitsbehörde ihren peinlichen Fehler zugegeben. «Es gab ein Missverständnis», erklärte Sprecher Christer Janson zerknirscht. Man habe geglaubt, der Job-Prozess sei abgeschlossen, doch dies dauere nun viel länger als gedacht. Laut Janson habe die WHO Schweden um Unterstützung für diese Aufgabe angefragt, worauf Tegnell als passende Besetzung ausgewählt worden sei. Irgendwo in der Kommunikation zwischen internationaler Diplomatie, schwedischer Regierung und der Gesundheitsbehörde müssen dann aber offensichtlich Probleme entstanden sein.

Dass Anders Tegnell das nötige Expertenwissen für einen solchen Job – sollte er denn geschaffen werden – mitbringt, bezweifeln wenige. Der Infektiologe hat jahrzehntelange Erfahrung in internationaler Zusammenarbeit. Er sehe die Aufgabe bei der WHO als sehr interessant an, erklärte Tegnell vor zwei Wochen, da er sich seit 30 Jahren mit Impfungen und internationalen Gesundheitsproblemen beschäftige.

Laut Janson gilt es nun abzuwarten: Die Gesundheitsbehörde sei mit der WHO im Gespräch, um das Problem zu lösen. Tegnell selber ist bereits nicht mehr Staatsepidemiologe; er hat den Dienst am 14. März quittiert und ist nun in den Ferien.

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