Organtransplantation
Leber in einer externen Maschine behandeln – das könnte künftig auch bei Krebskranken funktionieren

Dass es dem Universitätsspital Zürich gelang, eine Leber in einer Maschine vor der Transplantation drei Tage zu verbessern, hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Operateur Pierre-Alain Clavien sagt, was auch noch möglich wäre.

Sabine Kuster
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Weltpremiere am Universitätsspital Zürich: Spenderleber wurde in Maschine behandelt und dann erfolgreich transplantiert. Patient war nach einem Jahr wohlauf.

Weltpremiere am Universitätsspital Zürich: Spenderleber wurde in Maschine behandelt und dann erfolgreich transplantiert. Patient war nach einem Jahr wohlauf.

Zvg/Usz

Nicht immer klappt eine Transplantation rechtzeitig - gerade bei der Leber, jenem Organ wegen dem am meisten Patienten sterben, weil sie zu lange warten müssen. Denn ein Organ muss gesund sein, damit es verpflanzt werden kann. Für diese Anforderung hat ein 14-köpfiges Team des Universitätsspitals, der Uni und der ETH Zürich mit der Unterstützung des Wyss Zürich Translational Centers nun eine Lösung für die zwischenzeitliche Heilung während dreier Tage in einer Maschine gefunden - etwas, was lange für unmöglich gehalten wurde. Wir berichteten bereits darüber.

Die Methode, welche im Wissenschaftsmagazin Nature erschienen ist, weckt Hoffnungen auf noch revolutionärere Möglichkeiten, denn sie bietet einen grossen Vorteil: Nur ein Organ wird in der Maschine behandelt, nicht der ganze Körper. So kann die Leber mit einer hohen Dosis Antibiotika therapiert werden, wie das vor dieser Leber-Transplantation der Fall war: Das Organ wäre ohne die Zwischenbehandlung nicht tauglich gewesen und auch ein Tumor hatte herausgeschnitten werden müssen.

So könnte Krebs gezielt und aggressiv behandelt werden

Doch was, wenn die Leber bereits voller Metastasen gewesen wäre? Eine starke Chemotherapie in der Maschine würde ebenfalls nur das eine Organ belasten: «Es wäre fantastisch, wenn wir künftig eine von Krebs befallene Leber so behandeln und einen Teil geheilt dem selben Patienten wieder einsetzen könnten», sagt dazu Operateur Pierre-Alain Clavien von Unispital Zürich.

Operateur Pierre-Alain Clavien.

Operateur Pierre-Alain Clavien.

Zvg/Usz

Anders als bei der Niere kann ein Mensch nicht ohne Leber überleben. Bei Leberkrebs könnte also nur ein Teil der Leber entnommen werden. Wäre dieser Teil dann aber geheilt, könnte er wieder eingesetzt und der verbliebene kranke definitiv entfernt werden. «Es reicht eine Leberfunktion von nur 30 Prozent zum Leben», sagt Clavien, «deshalb kann man auch nur mit einem Teil der Leber auskommen.» Dies wird auch bei Leber-Lebendspenden genutzt, bei denen ein gesunder Mensch ein Teil seiner Leber spendet.

Dass die Methode mit der Maschine am USZ funktionierte und der Patient auch ein Jahr später noch lebt, hat aber auch mit dem Organ Leber an sich zu tun: Sie bleibt bei gesunden Menschen bis ins hohe Alter relativ gut erhalten. So hat eine Studie der Technischen Universität Dresden diese Woche gezeigt, dass viele Zellen in der Leber nur knapp drei Jahre alt sind - egal ob die Person 20 oder 84 Jahre alt ist.

Clavien sagt zwar: «Bei Operationen sehen wir das Alter der Leber sehr wohl und auch das Risiko für ein Leberversagen ist viel höher...

... aber wir transplantieren in der Tat auch Lebern von 90-jährigen Verstorbenen in 30-jährige Patienten. Und wir sehen, dass diese teilweise mit jungen Zellen ersetzt werden.»

Die Leber regeneriert sich ausserordentlich gut und dies, obwohl sie täglich den Giftstoffen ausgesetzt ist, die den Körper passieren. Das heute akuteste Problem bei Leberkrankheiten sind denn auch nicht die Gifte - und auch nicht mehr ein übermässiger Alkoholkonsum, sondern die Fette, wie Clavien sagt. Immer mehr Verstorbene kommen als Spender nicht infrage, wegen Leberverfettungen, beziehungsweise zu hohem Konsum von Zucker.