Märstetten
Keine Bochselnacht – trotzdem geschnitzte Rüben: Schüler gestalten ihre Bochsellichter

Die Bochselnacht ist abgesagt. Kein Singen, keinen Umzug. Deshalb haben sich die Märstetter Lehrer eine Alternative einfallen lassen. Die Rüben werden doch geschnitzt und zieren dann die Fenstersimse und laden zum Spaziergang durchs Dorf.

Werner Lenzin
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Mit voller Konzentration werden die Rüben geschnitzt.

Mit voller Konzentration werden die Rüben geschnitzt.

Bild: Werner Lenzin.

Gespannt erwarten die Märstetter Primarschüler am Montagmorgen die Ankunft von Landwirt Christoph Hess auf dem Schulhausplatz. Er bringt mit seinem Traktor und Anhänger die Bochsel-Rüben. «Diese Futterrüben habe ich Anfang April auf eine Fläche von acht Aaren mit einer Einzelkornsaat im Gebiet der Loowis ausgesät», sagt der 53-jährige Landwirt vom Sonnenberg. Ende Oktober haben die Schüler die Rüben geerntet.

Es fällt auf, dass sie dieses Jahr besonders gross sind. Dies hängt damit zusammen, dass es während des Wachstums immer wieder zum rechten Zeitpunkt regnete. Rasch sind die Rüben verteilt. Die Schüler der Unterstufe höhlen und verzieren sie daheim, diejenigen der Mittelstufe bringen sie am Mittwochmorgen ausgehöhlt wieder in die Schule.

Sterne und Wappen als Motive für das Bochsellicht

Im Schulzimmer von Lehrer Walter Bez im Schulhaus Regelwiesen herrscht eine aufgeräumte Stimmung. Im Nu sind alte Zeitungen auf den Tischen ausgebreitet und die 15 Mädchen und Buben nehmen ihre daheim angefertigten Entwürfe hervor und legen sie sorgfältig neben die ausgehöhlte Rübe. Konzentriert und begeistert beginnen sie sorgfältig mit dem Schnitzen.

«Ich habe als Sujet drei Stechpalmenblätter und ihre roten Beeren gewählt, die ich daheim auf dem Adventskranz entdeckt habe», sagt Felix strahlend. Er schnitzt sein Motiv mit einem speziellen Werkzeug auf die Rübe, nämlich mit dem Klauenmesser, das sein Vater üblicherweise als Landwirt für seine Tiere verwendet.

Irem hat die Weihnachtsguetzli-Formen ihrer Mutter mitgebracht: «Für mich gehören Mond und Sterne als weihnachtliche Sujets auf mein Bochsellicht», sagt sie. Ihr und andern Schüler dienen Küchenmesser und Linolwerkzeug als Schnitzwerkzeug. Ein Knabe wählt als Sujet die Silhouette eines Städtchens mit einem Sternenhimmel darüber und sein Klassenkamerad hat sich ein hohes Ziel gesetzt: «Mein Bochsellicht ziert das Märstetter Wappen.»

Es winken Preise für die schönsten Räbeliechtli

Die grosse Motivation hat noch einen Grund. Eine Jury bewertet die schönsten Exemplare und es winkt ein Geschenk für die drei ersten Podestplätze. Aber auch die anderen Kunstwerke werden belohnt und sorgen für eine schöne und festliche Stimmung im Dorf.

Michael Frischknecht, Schulleiter Primarschule Märstetten.

Michael Frischknecht, Schulleiter Primarschule Märstetten.

Bild: Werner Lenzin

«Schön, dass die Lehrpersonen nach der Absage des Umzugs mit Gesang spontan ein Alternativprogramm auf die Beine stellten und so diese stark verankerte Tradition auf eine andere Weise sicherstellten», sagt Schulleiter Michael Frischknecht. Am Donnerstagabend leuchten die kunstvoll geschnitzten Bochsellichter von den Fenstersimsen und Briefkästen herab und laden ein zu einem nächtlichen Spaziergang.