Loyalität mit Charme

Chat unter 13-Jährigen: Wie sag ich's meinen Fussballkollegen?

Susanne Holz
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Der Mensch ist ein widersprüchliches Wesen. So wünscht er sich beispielsweise Sicherheit, doch nicht ohne Freiheit. Ist ja auch gut so. Beides ist nötig. Treue und Loyalität sind unverzichtbar, will man nicht vollkommen empathielos durchs Leben gehen. Andererseits ist blinder Gehorsam nie eine gute Wahl.

Wie schön Loyalität klingen kann, das machte kürzlich Marco Reus klar. Der Borussia-Dortmund-Spieler sagte zum Bundesligastart nach der Winterpause gegenüber der FAZ: «Mich werden Sie nicht beim FC Bayern erleben, das verspreche ich.» Diese Treue muss belohnt werden, wie auch immer: Meine Tochter halte ich schon länger davon ab, ihre persönliche Marco-Reus-Autogrammkarte zu Geld zu machen. Das geht gar nicht.

Die goldene Mitte zwischen Loyalität und Treue bis zum Untergang ist vermutlich mit Charme gepflastert. Um beim Fussball zu bleiben: Mein Sohn und seine Kameraden bekommen das in einem Whatsapp-Chat ganz gut hin. Kann einer nicht ins Training kommen, warum auch immer, so klingen die Erklärungen meist sehr charmant, vor allem für 13-Jährige: «Meine Cousine hat Geburtstag.» «Die Zerrung im rechten Unterschenkel ist noch nicht gut.» «Ich kann aus privaten Gründen leider nicht kommen.» Herzerwärmend.