Raumfahrt

Wie vom Marsboden verschluckt: Wie geht es «Schiaparelli»?

Die Raumsonde Schiaparelli ist am Mittwoch auf dem Mars gelandet. (Illustration)

Die Raumsonde Schiaparelli ist am Mittwoch auf dem Mars gelandet. (Illustration)

Die Raumsonde Schiaparelli ist am Mittwoch auf dem Mars gelandet – mittlerweile hat man aber den Kontakt zu ihr verloren.

Jubel und Begeisterung sind unterdessen der grossen Ratlosigkeit gewichen. In
180 Millionen Kilometern Entfernung hätte am späten Mittwochnachmittag Geschichte geschrieben werden sollen – zum ersten Mal wollte die Europäische Weltraumorganisation eine Marssonde sicher auf dem Roten Planeten landen. Wie erfolgreich man dabei war, das weiss man aber auch zwei Tage nach der Landung noch nicht.

Im Film «Der Marsianer» dauert es nur wenige Sekunden, bis der erlösende Funkspruch auf der Erde ankommt und die ganze Welt weiss, dass Matt Damon gerettet, die Mars-Mission also erfolgreich ist. In der Realität funktioniert das anders: Nachdem die Raumsonde Schiaparelli sieben Monate lang durch den Weltraum flog und schliesslich vorgestern sechs Minuten ohne Kontrolle dem Mars entgegenstürzte, haben die Forscher auf der Erde den Kontakt zu ihr verloren.

Zwei Stunden lang haben sie gebannt auf einen Bildschirm gestarrt, bis kurz nach halb sieben endlich das erlösende Signal eintraf. Eine einfache Linie mit einer eindeutigen Botschaft: Der Patient lebt – Schiaparelli hat die Landung überstanden. Das bestätigten auch die Daten, welche wenig später von einem Satelliten an die Erde gesendet wurden. Die Freude war riesig; Medien auf der ganzen Welt sprachen von einem historischen Ereignis. Mittlerweile gab die ESA jedoch bekannt, dass der Kontakt zur Sonde wieder abgebrochen sei. Man hatte Schiaparelli auf dem Mars verloren.

Die Hoffnung bleibt

Eigentlich sei die Mission ja so oder so ein Erfolg, betonte ESA-Direktor Jan Wörner gestern bei einer viel beachteten Medienkonferenz: «Die Mars-Sonde hat uns inzwischen eine riesige Menge an Daten zu ihrem Landeflug übermittelt. Daraus werden wir in den kommenden Wochen und Monaten zahlreiche Erkenntnisse gewinnen können.» Was aber mit der eigentlichen Sonde passiert ist, das ist derzeit noch komplett offen. Zurzeit wisse man gemäss Wörner nicht mal, ob die Sonde überhaupt noch in einem Stück ist.

Erst nach dem Auswerten der Daten werde man endgültig Klarheit haben. Zusätzlich hoffen die Forscher noch immer darauf, dass in den kommenden Tagen ein Kontakt zu Schiaparelli hergestellt werden kann.

Zumindest aus wissenschaftlicher Sicht wäre der Verlust der Marssonde verkraftbar. Es handelt sich dabei vor allem um einen Test für die nächste europäische Mars-Mission im Jahr 2020. Dann soll nämlich ein Fahrzeug auf den Mars befördert werden, das unter anderem Bodenproben nehmen soll. Bedeutender – und bedeutend erfolgreicher – ist bei der aktuellen Mission der Trace Gas Orbiter. Der Satellit wurde zusammen mit Schiaparelli zum Mars transportiert und kreist inzwischen in dessen Umlaufbahn.

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Nasa-Video über die Mars-Mission des Curiosity-Rovers (12. Oktober 2016)

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