Coronavirus

Wie sieht der Superspreader eigentlich aus?

Draussen an der frischen Luft muss man sich vor Superspreadern weniger fürchten.

Draussen an der frischen Luft muss man sich vor Superspreadern weniger fürchten.

Alle reden vom Superspreader, der das Coronavirus unter die Leute bringt. Tatsächlich ist nicht jeder Mensch gleich ansteckend.

Wer sind denn nun diese Superspreader? Da stellt man sich einen lauten, grossspurigen Menschen vor, der seine Viren-getränkte Superspucke grosszügig im Raum verteilt, was zu einem Coronavirus-Ausbruch führt – einem Superspreader-Event. So wie letzthin in Frankfurt, als sich bei einem Gottesdienst 200 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Die Verbreitung der Coronaviren ist ungleich, weil wenige Leute viele andere infizieren können, die meisten Infizierten aber nur wenige bis gar keine Personen anstecken. Gemäss einem Forscher aus Hongkong sind nur 20 Prozent der Infizierten für 80 Prozent der weiteren Ansteckungen verantwortlich. Vielleicht sind es sogar noch weniger Superspreader, denn andere Wissenschafter rechnen nur mit einem bis zehn Prozent der Infizierten.

Die Reproduktionszahl R ist eine Durchschnittszahl

Das scheint der oft gehörten Reproduktionszahl R zu widersprechen, die bei Sars-CoV-2 ohne Distanzhaltung zwischen 2 und 4 liegt, was bedeutet dass ein Infizierter 2 oder 4 Personen ansteckt. Doch diese R-Zahl ist ein Durchschnittswert über alle Personen gerechnet, womit der Verlauf der Epidemie berechnet werden kann. Die ungleiche Virusverbreitung einer Person ist nicht der R- sondern der k-Wert. Dieser Dispersionsfaktor k liegt zwischen 0 und 1. Je kleiner k ist, desto mehr Ansteckungen gehen auf wenige Personen zurück, auf die Superspreader.

Ein epidemiologischer Vorteil, dass es wenig Superspreader gibt

Ein kleiner k-Wert hat einen epidemiologischen Vorteil: Werden die wenigen Superspreader nach einem Superspreading-Event erkannt, können diese und deren Kontakte isoliert und das Virus gestoppt werden. Über den aktuellen k-Wert gibt es keine Einigkeit, einige Forscher sagen 0,1 – andere zwischen 0,4 und 0,6. Superspreading-Events kommen vor, wo sich Menschen in geschlossenen Räumen ansammeln. Den Superspreader wird man von Auge nicht erkennen. Vielleicht sondert er eine grössere Virusmenge ab als andere, weil er mehr Rezeptoren für das Virus hat oder eine andere Immunantwort auf das Virus.

Autor

Bruno Knellwolf

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