Autonomes Fahren

Wie das Auto selber Lenken gelernt hat

Heute sind viele Autos teilautonom unterwegs: Ganz alleine können sie noch nicht fahren. In Zukunft wird die Mehrheit aber selber lenken und bremsen.

Heute sind viele Autos teilautonom unterwegs: Ganz alleine können sie noch nicht fahren. In Zukunft wird die Mehrheit aber selber lenken und bremsen.

Der Weg zum autonomen Fahren beginnt bereits in den 1960er-Jahren. Bald könnte er zu Ende sein.

Den Anfang machte das Automobil 1897 als komplexes mechanisches Konstrukt, das vom Fahrer einiges abverlangte, um überhaupt in Bewegung zu kommen. Von da an verfolgten die Ingenieure nicht nur das Ziel, die Autos schneller und zuverlässiger zu machen. Das Auto sollte auch leichter fahrbar werden.

Als erster grosser Schritt in diese Richtung kann der elektrische Anlasser gesehen werden: Statt mühsam und unter Einsatz von viel Muskelkraft per Handkurbel konnte das Auto nun aus eigener Kraft starten. Cadillac experimentierte ab 1911 mit einem elektrischen Anlasser; erster per Patent belegter Einsatz war ab 1913 im Lancia Theta.

Wenn wir das Fahren, wie wir es heute kennen, betrachten, stellt der Tempomat den ersten Schritt zum autonomen Fahren dar. Er wurde ab 1958 bei Chrysler und ab 1962 in Europa bei Mercedes eingeführt. Der Tempomat war damals in der Lage, zumindest auf ebenen Strecken, die Geschwindigkeit zu halten. Er entwickelte sich stetig weiter und konnte schliesslich auch auf Bremse und Automatikgetriebe Einfluss nehmen, um beispielsweise bergab die Geschwindigkeit zu kontrollieren.

Augen bekommen

Eine weitere Dimension erhielt der Tempomat mit der Erweiterung zum Abstandsregeltempomaten. Ab Ende der 1990er-Jahre bekam er mittels Radar- oder Infrarottechnik Augen – und konnte die Geschwindigkeit in Abhängigkeit zum Vorausfahrenden Fahrzeug anpassen, um einen programmierten Abstand zu halten.

Zu Beginn waren die Systeme in Sachen Bremskraft limitiert und konnten zudem nicht bis zum Stillstand eingreifen. Heutzutage kann der adaptive Tempomat im Notfall auch stark Bremsen und das Fahrzeug, beispielsweise im Stau, bis zum Stillstand abbremsen. Damit ist die Stufe eins auf der sechsstufigen Skala zur Einstufung autonomer Fahrsysteme erreicht; Stufe null steht für ein Auto, bei dem nur der Fahrer fährt, ein Auto der Stufe fünf soll in Zukunft komplett autonom zum programmierten Ziel fahren.

Aktueller Stand: Stufe zwei

Mittlerweile fahren viele neue Autos, vor allem ab der Mittelklasse, auf Stufe zwei. Sie sind also teilautonom unterwegs. Das heisst: Verantwortung und Kontrolle liegen nach wie vor beim Fahrer. Die Assistenzsysteme sind darauf ausgelegt, den Menschen zu unterstützen.

Dank intelligenter Steuerelektronik, grossen Fortschritten bei Kamera- und Sensortechnik und dem Einsatz von elektromechanischen anstelle von hydraulischen Lenksystemen sind die neuen Autos in der Lage, selbstständig einzuparken, die Spur zu halten und Gas und Bremse zu übernehmen. Solche Systeme sind in vielen Audi-Modellen, in der 5er- und 7er-Reihe von BMW, Mercedes C, E und S-Klasse, in den neuen Volvo-Modellen, bei VW aber auch bei Tesla oder Kia erhältlich. Viele dieser Autos können auf der Autobahn grösstenteils selbstständig Fahren.

Hände gehören ans Lenkrad

Der Fahrer muss jedoch aufmerksam bleiben und die Hände am Lenkrad behalten; sonst ertönt ein Warnton und das System wird deaktiviert – oder es bremst das Auto gar automatisch ab, aktiviert den Warnblinker, manövriert auf den Pannenstreifen und setzt einen Notruf ab. Mehr lässt das Gesetz derzeit nicht zu.

Stufe drei dürfte frühestens ab 2020 Realität werden: Der nächste Schritt soll es ermöglichen, dass der Fahrer die Systeme nicht mehr permanent Überwachen muss und die Kontrolle abgeben kann. Er muss aber binnen Sekunden bereit sein, das Steuer zu übernehmen, wenn der Computer nicht mehr in der Lage ist, das Auto zu lenken.

Dies wird auch mit Stufe vier noch so bleiben, auch wenn die Kontrolle durch den Fahrer nur noch in Ausnahmefällen nötig sein wird. Bei Stufe fünf sind schliesslich nur noch Passagiere vorgesehen. Bis es so weit sein wird, muss aber nicht nur die Technik, sondern auch die Gesetzgebung noch grosse Fortschritte machen. Eine verlässliche Prognose, wann es so weit sein wird, ist kaum möglich.

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