«Ihr kriegt das schon irgendwie hin» ist kein Beziehungstipp. Als Antwort auf die Frage, was man in seiner kriselnden Beziehung tun soll, taugt der Satz jedoch ganz gut. Wie oft weinte ich mich bei Freundinnen und Freunden aus, wenn ich mit meinem Liebes-Latein am Ende war und die Beziehung nur noch aus einer Aneinanderreihung unglücklicher Stunden bestand? Ich stiess fast immer auf Ratlosigkeit.

Ich werde nicht müde zu betonen, wie sehr ich mir mein Liebesleben lang an der Liebe die Zähne ausbiss, wie mich das Mann-Frau-Ding stets verunsicherte. Dass ich mich deswegen bemühe, heute möglichst viel über Liebesdinge zu lernen, darum ging es in meiner letzten Kolumne. Dass auch andere wissen wollen, wie gute Beziehungen gehen, zeigten die Rückmeldungen, die ich auf den Text erhielt. Maria, was braucht es denn nun für eine gute Beziehung? fragten Leserinnen und Leser.


Ja, was will eine da schon sagen, die vor allem darin gut ist, sich auf Online-Datingportalen die Wüstlinge vom Leib zu halten und die Sonntage bestmöglich allein zu verbringen? Eine, die jahrelang Single war und Beziehungen bisher als Schrecken mit Ende erlebte? Vielleicht mehr, als ich mir bis anhin zutraute.

Mittlerweile bin ich überzeugt, dass mir viele Dinge, die ich als Single lernte, heute zugutekommen. Drei Dinge bewähren sich in meiner jetzigen Beziehung besonders. Erstens: Ich lebe nach wie vor so, als wäre ich Single – zumindest, was meine emotionale Unabhängigkeit angeht. Zweitens: Ich sage öfter mal Nein. Drittens: Ich rede.

Ich halte es für die beste aller Voraussetzungen, wenn man seinen Partner/seine Partnerin nicht braucht für sein Glück – ich weiss, dass ich mir selbst genüge. Emotionale Unabhängigkeit macht weniger anfällig für unerfüllte Erwartungen. «Ich brauche dich nicht, aber ich will dich» finde ich das schönste Kompliment, das man jemandem machen kann.

«Man sollte halt wissen, was man will, dann klappts auch mit der Beziehung» – auch diese Art Reaktionen erhielt ich auf meine letzte Kolumne. Wissen Sie etwa zu jedem Zeitpunkt Ihres Lebens, was das Richtige für Sie ist? Eben. Verbindlichkeit in jeder Lebenslage nimmt dem Leben die Lust, die Freiheit. Darum:

Führen Sie eine Beziehung mit jemandem, der/die akzeptiert, dass Sie zwischendurch unentschlossen sind. Wenn Sie etwa lange nicht wissen, ob Sie den Abend mit Ihrem Liebsten/Ihrer Liebsten, mit Freunden oder allein verbringen wollen – und sich darum ab und zu umentscheiden.

Ich habe das Recht, auch spontan Nein zu meiner Beziehung und Ja zu einem Alleingang zu sagen. Auch mein Partner handelt nach diesem Prinzip. Zu wissen, dass kurzfristige Entscheidungen beim Gegenüber keinen Missmut auslösen, fühlt sich unglaublich gut an.

Zuletzt ein Tipp, auf den ich stolz bin. Weil ich jetzt schon weiss, dass er auch in Zukunft bombensicher funktionieren wird: Reden Sie miteinander! Und zwar weder zwischen Zmorge und Zähneputzen noch beim Znacht, beim Kochen oder beim gemeinsamen Sport. Dann natürlich auch, wenn Sie mögen. Nein, was ich meine, ist:

Reden Sie in regelmässigen Abständen ausschliesslich über Ihre Beziehung, und tun Sie nichts anderes währenddessen. Besprechen Sie alles, was Sie gut finden, was sich ändern sollte. Gutmütig und ohne zu streiten. Gönnen Sie sich danach etwas (in unserem Fall ist das eine Flasche Champagner), und gehen sie zum Alltag über.

Wie das gute Paar-Gespräch gelingt, lernte ich übrigens nicht als Single.