Pilgern

Tausend Jahre alte Klöster und einsame Kapellen: Das sind die schönsten Pilgerpfade der Schweiz

Es muss nicht immer der Jakobsweg sein. Pilgern kann man auch hierzulande gut.

Es muss nicht immer der Jakobsweg sein. Pilgern kann man auch hierzulande gut.

Pilgern geht auch abseits des Jakobsweges. Durch die Schweiz führt eine Vielzahl sakraler Pfade, die Ruhe versprechen. Manche bestehen aus mehreren Etappen, andere eignen sich wiederum zu einer Tageswanderung.

Das Pilgern boomt nicht erst seit den Büchern von Hape Kerkeling oder Paulo Coelho. Aber seither noch ein bisschen mehr. Denn das Pilgern fasziniert auch Menschen, die religiös ungebunden sind.

Wer sich den Zeichen der Jakobsmuschel folgend auf den Weg Richtung Santiago de Compostela aufmacht, vermisst, jedenfalls in der Hochsaison, manchmal die Besinnlichkeit, die Ruhe und die innere Einkehr. Denn allein ist man, vor allem auf den Schlussetappen, bestimmt nicht.

Dabei kann das beseelte Unterwegssein schon vor der Haustür beginnen, das Wort Pilger geht auf das lateinische Wort «Peregrinus» zurück, es setzt sich aus «per» (über, durch) und «ager» (Acker) zusammen, sagt demnach, wortwörtlich genommen, «über den Acker» laufen.

Wieso also in die Ferne schweifen? Sakrale Wege gibt es auch in der Schweiz, darunter Etappen des Jakobswegs. Schon früher begaben sich Pilger nicht nur auf Wege in die Fremde, sondern suchten auch Orte in der Nähe auf, um Heilung zu suchen oder um zu sich zu finden. Wir stellen einige der schönsten kulturell bedeutsamen Pfade vor.

Auf den Spuren von Marguerite Bays: Von Siviriez nach Romont

Die Marguerite-Bays-Kapelle in Siviriez.

Die Marguerite-Bays-Kapelle in Siviriez.

Sie ist die dritte Heilige der Schweiz: Marguerite Bays (1815–1879). Nach Niklaus von Flüe und Maria Bernarda Bütler wurde die Näherin und Bauersfrau aus dem freiburgischen Siviriez im vergangenen Jahr von Papst Franziskus heiliggesprochen.

Es gibt einen Pfad zu ihren Ehren, der in ihrem einstigen Wohnort bei der Pfarrkirche mit der Marguerite-Bays-Kapelle startet. Das Grab der Heiligen, der man zwei Wunder zuschreibt, befindet sich auf dem Friedhof neben der Kirche. Der Weg führt nach La Pierra zu ihrem Elternhaus, das besucht werden kann, und weiter zur Kapelle Notre-Dame du Bois Richtung Romont.

Der letzte Punkt auf dem dreistündigen, neun Kilometer langen Pfad ist die Zisterzienserabtei Notre-Dame de la Fille-Dieu in Romont. Das Hügelstädtchen sieht man schon von fern. Es ist wohl kein Zufall, dass auch der Jakobsweg durch Romont führt.

www.marguerite-bays.ch

Weitwandern: vom Kloster Disentis zur Abtei St-Maurice

Vor St-Maurice: das Beinhaus in Leuk.

Vor St-Maurice: das Beinhaus in Leuk.

Die Geschichte der Klöster von Disentis und St-Maurice ist über 1000 Jahre alt. Der Pilgerweg Rhein–Reuss–Rhone verbindet sie. Er führt erst vom bewaldeten Vorderrheintal über den Oberalppass ins karge Urserental und weiter über den Furkapass ins Goms und das ganze Wallis hinunter bis St-Maurice. So vielfältig der 241 Kilometer lange Pilgerweg topografisch ist, so interessant sind die sakralen Schönheiten und Kuriositäten, denen man auf den 13 Etappen begegnet.

Unterwegs trifft man etwa auf Wände, die mit Zehntausenden Schädeln gefüllt sind, oder auf einen Ledigenfriedhof. Man erfährt von Bischöfen, die ihre Seele beim Teufel verwettet haben. Als Höhepunkte können die Ausgrabungsstätte und der Klosterschatz von St-Maurice bestaunt werden.

Wer noch mehr will, der folgt dann dem Jakobsweg via Lausanne und Genf nach Santiago de Compostela oder wandert auf der Via Francigena bis nach Rom.

www.jakobsweg.ch

Appenzeller Kapellenweg: Elf Kapellen an einem Tag besuchen

Die Kapelle St. Karl Borromäus nahe Appenzell.

Die Kapelle St. Karl Borromäus nahe Appenzell.

Wer für eine Pilgertour nur einen Tag zur Verfügung hat, dem sei der Appenzeller Kapellenweg ans Herz gelegt. Der aussichtsreiche, 16 Kilometer lange Rundweg führt an elf Kapellen vorbei, die alle um das Dorf Appenzell liegen.

Zuerst geht es durch die belebte Hauptgasse vorbei an der Kreuzkapelle und der St.-Antonius-Kapelle, dann in einem weiten Bogen zur Dreifaltigkeitskapelle an der Sitter. Via Lank gelangt man zur Kapelle St. Verena, und nach einem kurzen, steilen Aufstieg zur St.-Karl-Borromäus-Kapelle. Nun wartet der schönste Aussichtspunkt des Rundwegs: auf der Burgruine Clanx.

Via Lehnkapelle geht es zum Dorf Sammelplatz, wo sich in der Nähe die romantische Waldkapelle St. Ottilia befindet. Bis man nach Appenzell zurückkehrt, kommt man unter anderem an der St.-Anna-Kapelle vorbei, die als die schönste Rokoko-Kapelle Innerrhodens gilt.

www.appenzell.ch

Ein- oder Mehrtagestouren: Himmlische Pfade in der Innerschweiz

Die Obere Ranftkapelle bei Flüeli-Ranft.

Die Obere Ranftkapelle bei Flüeli-Ranft.

Die Zentralschweiz punktet nicht nur mit dem Wallfahrtsort Einsiedeln, sie bietet auch ein besonders dichtes Netz an Pilger- und Wanderwegen, die verschiedene Orte der Sakrallandschaft Innerschweiz verbinden. Seit 2014 besteht das Wegnetz «Himmlische Pfade», das auf drei längeren Teilstrecken zu Kraftorten führt, die so manche Legende und Geschichte erzählen.

Insgesamt 338 Kilometer lang ist die Route durch die Innerschweiz, die man als Einzeletappen oder Mehrtageswanderung in Angriff nehmen kann. Die erste Teilstrecke führt vom Klosterdorf St. Urban via Heiligkreuz nach Hergiswald, die zweite geht weiter via Flüeli-Ranft und Engelberg zum Kloster Ingenbohl, und die dritte verläuft via Einsiedeln und Muri zurück nach St. Urban.

Die Tourenvorschläge sind mit dem Kartenmaterial von Schweiz Mobil verlinkt und werden ergänzt mit Tipps zur Umgebung.

www.sakrallandschaft-innerschweiz.ch

Auf den Spuren der Hugenotten: Von Genf nach Schaffhausen

Der Hugenottenweg führt durch Schaffhausen.

Der Hugenottenweg führt durch Schaffhausen.

Die Initianten des Hugenottenweges sehen ihre Route nicht als reformiertes Gegenstück zum katholischen Jakobsweg. Sie bezeichnen den Hugenottenweg vielmehr als eine Fluchtroute, weil auf ihr die französischen Protestanten, die Hugenotten, viele Entbehrungen haben hinnehmen müssen.

In Erinnerung an die Tausenden von Verfolgten im 17. Jahrhundert ist die Stiftung «Via – auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser» daran, einen über 300 Kilometer langen Wanderweg quer durch die Schweiz von Genf bis nach Schaffhausen aufzubauen.

Einige Teilstücke bestehen bereits und sind signalisiert, etwa in den Kantonen Genf und Waadt, im Berner Seeland und bei Lenzburg und Schafisheim. Die anderen können anhand einer Broschüre abgewandert werden. Der Weg endet nicht an der Grenze, sondern ist Teil eines 1800 Kilometer langen Kulturwanderwegs durch Frankreich, Deutschland und Italien.

www.via-huguenots.ch

Zu Fuss nach Rom: auf der Via Francigena oder der Via Francisca

Über den Lukmanierpass geht es nach Rom.

Über den Lukmanierpass geht es nach Rom.

Nicht alle Wege führen nach Santiago de Compostela. Vielmehr gibt es Pilgerwege, die von der Schweiz nach Rom führen. Im Westen ist dies die vor 2000 Jahren entstandene Via Francigena – im Mittelalter der wichtigste europäische Pilgerweg. Sigerich, Erzbischof von Canterbury, dokumentierte anno 990 seinen Weg von Rom zurück nach England, den schon die Römer gegangen waren.

Ein kleines Teilstück verläuft durch die Westschweiz – von Sainte-Croix via Lausanne bis zum Pass über den Grossen Sankt Bernhard. Eine weitere alte Route ist die Via Francisca Lukmanier, die von Konstanz in den Süden bis nach Ponte Tresa und noch weiter via Pavia nach Rom führt.

Die römisch-lombardische Strasse ist 510 Kilometer lang und kann dank der geringen Höhe des Lukmanier-Passes (1915 Meter) meist ganzjährig begangen werden.

www.laviafrancisca.org oder www.schweizmobil.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1