Gesundheit

Schweizer Forscher entdecken die Schwachstellen des Malaria-Parasiten

Malaria-Überträger.

Malaria-Überträger.

Jedes Jahr stirbt eine halbe Million Menschen an Malaria. Schweizer Forschern gelingt ein Durchbruch in der Malariaforschung.

Die Dimension der Malaria ist riesig. Etwa 210 Millionen Menschen sind von der Krankheit betroffen und etwa 435'000 Menschen, so viel wie in der ganzen Agglomeration Zürich wohnen, sterben jedes Jahr an Malaria. Deutlich am meisten betroffen ist Afrika. Südlich der Sahara werden heute über 90 Prozent der Malaria-Fälle verzeichnet.

Der Parasit macht krank

Übertragen wird die Infektionskrankheit durch den Stich von Moskitos. Doch eigentlich ist nicht die Mücke schuld, sondern der Parasit Plasmodium, den die Insekten in sich tragen. Dementsprechend wird nach Mitteln gesucht, um den Parasiten zu bekämpfen und nicht nur die Moskitos. Dabei ist unter Leitung von Volker Heussler vom Institut für Zellbiologie der Universität Bern ein Durchbruch in der Malariaforschung gelungen.

Ziel der Forschung war der Parasit, dessen Genom, also das gesamte Erbgut, mit etwa 5000 Genen relativ klein ist. Im Gegensatz zu menschlichen Zellen verfügen Plasmodium-Parasiten von jedem Gen nur über eine einzelne Kopie. Da reicht es schon, aus dem ganzen Erbgut ein Gen zu entfernen, um eine Veränderung zu erreichen.

Das haben sich die Berner Forscher zusammen mit Wissenschaftern des Sanger-Instituts in Grossbritannien zu Nutze gemacht. Sie haben nach Schwachstellen des Erregers gesucht und sie auch gefunden. Professor Heussler erklärt:

Um diese Schwachstellen zu finden, haben die Forscher erstmals eine sogenannte Gendeletionsstudie beim Malaria-Parasiten für das gesamte Erbgut gemacht. «So konnten wir über 1300 Proteine testen und schauen ob und in welcher Lebensphase des Parasiten, also im menschlichen Körper oder im Moskito, diese Proteine wichtig sind.»

Erstmals konnten die Forscher auf einmal so viele Gene miteinander untersuchen. Bisher war das nur für einzelne Gene möglich, was zeitraubend ist.

Hundert Schwachstellen

Nach dreijähriger Forschung gelang es dem Konsortium dank diesem Deletionsexperiment hundert Schwachstellen zu finden. Vor allem im Stoffwechsel des Parasiten. «Für die von uns neu entdeckten Proteine, die für den Parasiten lebenswichtig sind, kann man nun Medikamente entwickeln und diese gegen den Parasiten einsetzen», erklärt Volker Heussler.

Malariaforscher wissen nun dank der neuen Datenbank, auf welche Moleküle sie sich konzentrieren müssen. Das spart insgesamt viele Jahre an Grundlagenforschung. Die Reaktion der Forscher-Kollegen auf die Studie sei weltweit dementsprechend enthusiastisch ausgefallen.

Parasiten in Blut und Leber bekämpfen

Nun sollen die Parasiten in verschiedenen Lebensstadien bekämpft werden. In erster Linie dann, wenn sie sich in der Leber oder dem Blut des Menschen befinden. Möglich wäre es auch, aufgrund dieser Studienresultate Impfstoffe zu entwickeln.

«Indem man Gene entfernt, die der Parasit während seiner Entwicklung in der Leberphase benötigt, kann man Parasiten herstellen, die abgeschwächt sind, also nach einer gewissen Zeit absterben. Sie rufen aber eine sehr starke Immunantwort hervor und können als Lebendimpfstoff eingesetzt werden, ähnlich wie wir das von Virenimpfstoffen mit abgeschwächten Viren kennen», erklärt Heussler.

Noch einige Jahre bis zu einem Medikament

Geeignete Kandidaten von Proteinen, die zu einem Medikament führen könnten, seien relativ rasch zu finden. Trotzdem werde die Entwicklung von Medikamenten noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Weiterhin muss man sich also vorsorglich vor Malaria schützen. Für Infizierte gibt es Malaria-Medikamente, in Asien treten aber schon Resistenzen dagegen auf. Neue Wirkstoffe sind deshalb wichtig.

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