«Bitte einfach nichts in Hellblau oder Rosa, aber Kleider sind immer grossartig. Die Kleinen wachsen ja so schnell daraus heraus.» So antworten wir jeweils, wenn uns jemand fragt, ob sie den Kindern Kleider schenken dürften. Und so haben wir nun viel Rot, Grün, Blau, Braun, Orange, Gelb und Weiss. Wir haben nichts gegen Hellblau oder Rosa, aber als Eltern geben wir uns sehr Mühe, Töchterchen und Söhnchen nicht nach «Mädchen tragen dies, Buben tragen das» zu erziehen – jedenfalls im Grundsatz.

Die Kinderabteilungen im Kaufhaus mit den rosa Kleidchen und blauen Matrosenkostümchen sind für uns deshalb ein Graus. Wir sind froh, finden unsere Wünsche im Freundeskreis Gehör. Vielleicht wären wir sonst nicht zu den schicken Bodys der Stadtpolizei Zürich gekommen mit der Aufschrift: «Polizist/in» – in unverfänglichem Pink und Schwarz.

Natürlich hoffen wir, dass wir damit verhindern, dass unsere Kinder sich dereinst an stereotypen Rollenbildern orientieren werden. Aber ehrlicherweise fällt uns das nicht immer leicht. Mein Mann und ich haben in Fragen der Kindererziehung eigentlich wenig Differenzen, aber bei den Kleidern zeigen sich im Alltag Unterschiede: Während mein Mann offenbar keine Probleme hat, wenn Söhnchen auch mal Rüschen trägt, ist für mich hier eine Grenze erreicht. Die tendenziell rosa Kleider, von denen wir ja glücklicherweise nur wenige haben, sind Töchterchen vorbehalten.

Freilich geht das nicht immer ohne den einen oder anderen morgendlichen Schluchzer, weil Söhnchen eben doch den rosa Pulli mit dem kleinen Bärchen drauf tragen möchte und nicht den langweiligen weiss-grün gestreiften. Und schon kullern meine Prinzipien mit den Tränchen den Bach hinunter. Kaum trägt Söhnchen das Objekt seines Begehrens auf dem Leib, stapft er strahlend und mit Stolz geschwellter Brust davon.

Wir sind keine Extremisten: «No gender» ist für uns kein Ziel. Wir wollen nicht verhindern, dass unsere Kinder überhaupt eine Geschlechtsidentität ausbilden. Aber stereotype und binäre Rollen sollen sie dereinst als solche erkennen. Männer und Frauen betreuen unsere Kinder im Alltag denn auch sehr ausgewogen. So haben sie unterschiedliche Vorbilder. Ich weiss, Experimente zeigen, wie Erwachsene, wenn sie mit Kindern spielen, unbewusst Spielzeug auswählen, das sie als für Mädchen oder Knaben geeignet ansehen. Und damit ihr Rollenbild in der Praxis weitertragen. Aber ich möchte meine Hand ins Feuer legen, dass wir beide keine derartige Selektion vornehmen.

Im Gegenteil: Wir kehren beim Spielen immer wieder auch ignorierte Sachen hervor. Dennoch: Mittlerweile hat Söhnchen eine Vorliebe für Autos, während Töchterchen viel lieber auf dem Rössli reitet. Ein wenig ratlos fragen wir uns jeweils, ob das bereits Anzeichen der Stereotypisierung sind – aber vielleicht sollten wir uns nicht so viele Fragen stellen und einfach spielen.