Kolumne

«Papa & Papi»-Kolumne: Dann werden Sie jetzt Mutter oder was?

Michael Braunschweig musste um die Vaterschafts-Anerkennung kämpfen.

Michael Braunschweig musste um die Vaterschafts-Anerkennung kämpfen.

In seiner Kolumne «Papa & Papi» schreibt Ethiker Michael Braunschweig über das Elternsein mit seinem Mann und seinen Kindern. Diese Woche über die rechtlichen Schwierigkeiten, mit denen werdende Eltern konfrontiert sind.

Vor ziemlich genau zwei Jahren, als der Geburtstermin unserer Kinder näher rückte, mussten wir selbstredend eine Schweizer Krankenversicherung abschliessen. In der Schweiz sind Frischgeborene üblicherweise über die Mutter versichert. Das war bei uns natürlich nicht möglich, weil die Leihmutter, wir sagen Bauchmami, in den USA lebt.

Also bestellten wir einen Versicherungsvertreter, um die Verträge korrekt vorzubereiten. Unvergessen bleibt mir seine Reaktion, als mein Mann und ich ihm erklärten, wie wir, zwei Männer, demnächst zwei Kinder bekommen würden. «Ah, gratuliere! Dann werden Sie jetzt Mutter oder was?» Die Situation hatte ihn offensichtlich überfordert – was wir durchaus nachvollziehen konnten.

Wäre jemand von uns Mutter geworden, wäre vieles anders verlaufen. Das wird uns immer bewusst, wenn wir uns mit heterosexuellen Elternpaaren austauschen. Auch in unserem Freundeskreis kennen wir wenige, die sich nicht den arbeitsrechtlich vorgespurten Bahnen fügen: Mama hängt mehrere Monate unbezahlt an den Mutterschaftsurlaub und steigt dann – wenn überhaupt – mit stark reduziertem Pensum wieder in ihren Beruf ein.

Papa bleibt vorerst auf seinem Pensum – dann schauen sie weiter. Was viele sich wünschen würden – die Betreuungszeit für den Nachwuchs in den ersten Lebensjahren gleichwertig aufzuteilen – ist aufgrund der arbeitsrechtlichen Situation oftmals höchst suboptimal: Solange der Gesetzgeber vorspurt, welches Geschlecht zu Hause zu bleiben und welches zu arbeiten hat, wird sich daran wenig ändern.

Es kommt mir vor wie vor hundert Jahren. Da war die Welt noch nach klaren Rollen geordnet: Frau Mutter war für Heim, Herd und Herzenswärme zuständig; Herr Vater für alles andere, sprich das Geld. Alles kalter Kaffee, aus dem letzten Jahrhundert? Vielleicht. Aber wie weit weg ist diese Familienvorstellungswelt tatsächlich? Wenn ich verfolge, wie mühsam sich das Parlament gerade dazu durchgerungen hat, vierzehn Tage Vaterschaftsurlaub als zeitgemässes Arrangement der Familienpolitik zu erkennen, bin ich nicht sicher.

Oft werden wir gefragt, wie wir das eigentlich alles gemacht haben, als unsere Zwillinge auf die Welt kamen, und wir staunen heute selber darüber, wie alles ohne ausgedehnten Vaterschaftsurlaub irgendwie funktioniert hat. Je zwei Wochen hatten mein Mann und ich von unseren Arbeitgebern her fortschrittlicherweise zugute. Mit gesparten Ferienguthaben und aufgestauter Überzeit kamen wir auf rund zwei Monate, in denen wir uns vollzeitlich abwechselnd um unsere beiden Kleinen kümmern konnten.

Und dann? Für uns war klar: Beide wollen wir beruflich weiterkommen, und beide wollen wir Zeit für die Familie haben, und alles muss irgendwie noch finanziert werden. Das klappt alles irgendwie – vor allem Dank viel Hilfe unserer Eltern.

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