Studie

Nicht nur lästig, zu viel ist auch ungesund: Fluglärm in der Nacht kann tödlich sein

Fluglärm in der Nacht erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko.

Fluglärm in der Nacht erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko.

Das Risiko eines Herz-Kreislauf-Todes erhöht sich, wenn der Schlaf in der Nacht durch laute Flugzeuge gestört wird.

Lärm ist nicht nur lästig, zu viel davon ist auch ungesund. Dass langfristige Lärmbelastung an Verkehrswegen ein Risikofaktor für die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ist, haben schon frühere Studien aufgezeigt. In Europa können insgesamt rund 48'000 Fälle von Herzerkrankungen pro Jahr auf Lärmbelastung zurückgeführt werden, insbesondere auf Strassenverkehrslärm.

Nun zeigt eine Studie von Professor Martin Röösli vom Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) in Zusammenarbeit mit der Empa wie schädlich die Belastung durch Fluglärm ist. Demnach kann lauter Fluglärm in der Nacht innerhalb von zwei Stunden zum Herz-Kreislauf-Tod führen. Diese fatalen Auswirkungen haben die Basler Forscher in der Fachzeitschrift «European Heart Journal» veröffentlicht.

Bei ungefähr 800 Todesfällen war Lärm die Ursache

Gemäss der Studie steigt das Risiko eines Herz-Kreislauf-Todes bei einer nächtlichen Lärmbelastung zwischen 40 und 50 Dezibel um 33 Prozent und bei einer Belastung von 55 Dezibel um 44 Prozent. «Wir haben festgestellt, dass zwischen 2000 und 2015 bei ungefähr 800 von 25'000 Herz-Kreislauf-Todesfällen in der Nähe des Flughafens Zürich Fluglärm die Ursache war. Dies entspricht drei Prozent aller beobachteten Herz-Kreislauf-Todesfälle», sagt der Basler Forscher.

Auswirkungen wie Wut und Aufregung

Fluglärm hat ähnliche Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit wie Wut und Aufregung. Der Wirkmechanismus war aber nicht Teil der Studie. Tödlich ist allerdings nicht der physikalische Lärm an sich. «Grundsätzlich wird der Lärmeffekt mit einer Stresswirkung erklärt. Wegen Lärm wird das vegetative Nervensystem, also erhöhter Puls und Blutdruck aktiviert, wie auch das Hormonsystem – das Cortisol und das Adrenalin», sagt Röösli. Eine Lärmbelastung in der Nacht verursacht Stress, beeinträchtigt den Schlaf und beeinflusst den Stoffwechsel. Deshalb sagt der Studienleiter Röösli:

In ruhigen Gegenden mit wenig Eisenbahn- und Strassenverkehrslärm war die nächtliche Fluglärmwirkung stärker ausgeprägt. Dies war auch bei Menschen der Fall, die in älteren, weniger isolierten und lärmgeschützten Häusern wohnen. «Wir vermuten, dass in ruhigen Gegenden die Lärmereignisse besser wahrnehmbar sind und damit eine grössere Stresswirkung entfalten», sagt Röösli. Zudem sei die Schallisolation der Häuser in lärmigen Gebieten wahrscheinlich besser, so dass der gleiche Schallpegel dort weniger gut wahrgenommen werde. «Zu dieser Erklärung passt auch das Resultat, dass der Lärmeffekt bei Bewohner von neueren Häusern nicht beobachtet wurde. Neue Häuser sind im Durchschnitt besser schallisoliert.» Die Studienresultate zeigen, dass die Bewohner rund um den Flughafen Zürich vom Flugverbot zwischen 23.20 Uhr bis 6 Uhr profitieren. Das nächtliche Flugverbot verhindere zusätzliche Herz-Kreislauf-Todesfälle, sagt Martin Röösli.

Autor

Bruno Knellwolf

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