Leben

Nicht nur für Superhelden: Capes sind der grosse Herbsttrend

Das Label Céline macht’s vor: So soll ein tolles Cape aussehen. Bild: Getty

Das Label Céline macht’s vor: So soll ein tolles Cape aussehen. Bild: Getty

Der Umhang-Look erobert die Laufstege und lässt Frau auch im Alltag wie eine Heldin aussehen.

Edna Modus ist eine Designerin mit messerscharfer Frisur. Die stets schwarz gekleidete Exzentrikerin ist eine fiktive Figur aus dem Animationsfilm «The Incredibles» (2004), zuständig für die Kostüme der zahlreichen Superhelden, die im Film für das Gute kämpfen. Berühmt geworden ist Edna Modus’ Ausspruch «No Capes» – keine Umhänge. Diese haben angeblich aufgrund ihrer Sperrigkeit zum Tod ihrer Kundschaft beigetragen.

Man kann es nicht leugnen, es gibt praktischere Kleidungsstücke als Capes. Doch nun kehren die dramatischen Teile auf die Strasse zurück und werden, richtig getragen, sogar alltagstauglich.

Etwa beim Label Céline, wo Hedi Slimane Capes in Camel mit Rollkragenpullover und Jeans kombiniert. Ein eigentlich simpler Look, wären da nicht die Overknee-Stiefel, die das ganze Outfit doch noch zu einem Mantel- und Degendrama machen.

Bollwerk gegen Zweifel

Ein Blick in die Filmgeschichte macht deutlich: Die berühmtesten Cape-Träger sind Männer. Doch lassen wir die Musketiere, Ben Hur, Batman, Superman und Dracula links liegen und schauen stattdessen, wie Frau den Umhang trägt und als Superheldin des Alltags abhebt. Eine solche Heroine findet man etwa im Film «An Unmarried Woman» aus dem Jahr 1978.

Erica (Jill Clayburgh) wird nach langjähriger Ehe von ihrem Partner verlassen. Sie muss erst merken: Sie braucht keinen Mann, sondern ein Cape! Das fast bodenlange Teil trägt sie wie ein Bollwerk gegen Zweifel und Einsamkeit.

Ein ähnliches Statement-Stück, wie es in Paul Mazurskys Emanzipationsdrama getragen wird, kommt in den Herbstkollektionen zahlreicher Designer vor. Bei Marc Jacobs wird Frau mit einem bis zu den Knöcheln reichenden blauen Mantel zur Schutzmantelmadonna. Bei Lanvin umhüllt ein Umhang mit Karomuster die Trägerin wie eine wohlig warme Sofadecke.

Insgesamt sind Capes in Naturtönen aus feiner Wolle im Stil der Siebzigerjahre en vogue, wie man eben bei Céline sehen konnte. Bei Chanel entfaltet der Look mit schwarzen Capes aus Tweed seine dramatische Seite. Er lässt an die dunkle Fee aus dem Fantasyfilm «Maleficient» (2014) denken. Sie ist zwar keine Sympathieträgerin, aber eine starke Frau, wie übrigens die meisten Filmheldinnen, die Capes tragen.

Ganz entgegen der Warnung von Comicdesignerin Edna Modus verleihen Capes ihren Trägerinnen also durchaus Macht. So trug Liz Taylor als Cleopatra im gleichnamigen Film von 1963 bei ihrem pompösen Empfang ein goldenes Cape. Das Stück aus Leder, das in die Kostümgeschichte einging, sollte an die Flügel des mythischen Vogels Phönix erinnern. Dieser wird bekanntlich aus seiner eigenen Asche wiedergeboren, um in neuem Glanz zu erscheinen. Wer also gerade neu anfangen möchte: Cape überwerfen und abheben!

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