Pandemie

Nicht alle sind begeistert von der Corona-App – nun muss sie sich bewähren

© Gaetan Bally / Keystone

Die Tracing-App des Bundes ist für die Öffentlichkeit freigegeben. Damit «SwissCovid» erfolgreich wird, müssen die Behörden ums Vertrauen der Bevölkerung kämpfen.

Am Donnerstag um 0:00 Uhr wurde die offizielle Schweizer Covid-Tracing-App freigeschaltet. Eine Stunde später war «Swisscovid» bereits mehrere tausend Mal heruntergeladen worden. Und um 11 Uhr vormittags konnte die an der Entwicklung beteiligte Softwarefirma Ubique 150000 Neuinstallationen vermelden.

An der Pressekonferenz riefen die Verantwortlichen des Bundes dazu auf, Swisscovid aus den App Stores von Apple oder Google herunterzuladen. «Wenn bei 20 Prozent aller Smartphones die App aktiviert ist, wäre dies ein grosser Erfolg», sagt Sang-Il Kim, Leiter der App-Entwicklung. Man sei aber über jeden einzelnen froh.

Die App registriert, wenn sich zwei Smartphones während mehr als einer Viertelstunde nahekommen. Wer positiv auf Covid-19 getestet wird, kann einen Code eingeben. Daraufhin werden alle, die ihr oder ihm während der ansteckenden Phase nahegekommen sind, automatisch und anonym gewarnt.

Jeder zehnte Kontakt wird angesteckt

Laut dem Epidemiologen Marcel Salathé von der ETH Lausanne haben Infizierte derzeit im Schnitt ungefähr zehn derartige Kontakte. Von diesen steckt sich rund jeder Zehnte an. Wer durch die App gewarnt wird, muss also noch lange nicht infiziert sein. Empfohlen wird in einem solchen Fall, die Infoline des Bundes anzurufen.

In den sozialen Medien wird teils mit heftigen Worten über die App diskutiert. Die einen sind hocherfreut, dass die App nun da ist. Andere sind wütend, weil sie eine Überwachung befürchten. Angeheizt werden die Ängste, weil eine von Google und Apple bereitgestellte Schnittstelle verwendet wird – und gerade Google einen schlechten Ruf in Sachen Datenschutz hat.

Hacker könnten Fehlalarme auslösen

Wie erfolgreich Swisscovid wird, dürfte also stark davon abhängen, ob es dem Bund gelingt, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Die Entwickler haben denn auch grosses Gewicht auf Sicherheit und Datenschutz gelegt. Die App greift weder auf den Standort noch auf persönliche Daten zu. Zwischen den Geräten werden nur anonyme ID-Codes ausgetauscht. Ubique-CEO Mathias Wellig musste aber zugestehen, dass er Hackerangriffe nicht ausschliessen kann. Zum Beispiel wäre es theoretisch möglich, einen ID-Code abzugreifen und woanders wieder auszusenden. Auf diese Weise könnten Fehlalarme ausgelöst werden.

Sorgen machen sich Smartphone-User auch über die Akkulaufzeit, die durch die ständig laufende Bluetooth-Funktion verkürzt wird. Der Akkuverbrauch der App liege den Erfahrungen zufolge fast immer im einstelligen Prozentbereich des Telefons, sagt dazu Wellig. Zum Problem kann dies vor allem bei alten Geräten werden, deren Akku nicht mehr frisch ist. Allzu alt darf das Telefon ohnehin nicht sein – auf dem iPhone 6 lässt sich die notwendige Version des Betriebssystems nicht mehr installieren.

Diese Einschränkung gilt auch für die Tracing-Apps anderer Länder, welche dieselbe Schnittstelle verwenden. Trotzdem wurde Deutschlands Warn-App bis am Donnerstag – dem zehnten Tag nach der Lancierung – 13 Millionen Mal heruntergeladen. Das entspricht einem Sechstel der deutschen Bevölkerung.

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