Leben

Nett zu sein ist gut für die eigene Gesundheit, aber weniger für die Karriere

Nette und lustige Menschen leben länger.

Nette und lustige Menschen leben länger.

Alle so schlecht gelaunt gerade. Wir sollten trotzdem netter sein. Es stärkt die Gesundheit und macht uns krisenresistenter.

Wenn zwei Dinge, die nicht zusammenpassen, auf einen Tag fallen, dann lohnt es sich, noch mit Verzögerung darüber zu schreiben. Am Freitag, dem 13. (November) traf das kalendarische Unglück auf den «Weltnettigkeitstag» nicht zu verwechseln mit dem «Tag der grundlosen Nettigkeit», der wäre erst am 17. Februar. Letzten Freitag hätten Sie nicht grundlos, sondern einfach nur nett sein sollen, also begründet nett, um sich so tapfer gegen das Unglück zu stemmen. Was gar nicht so einfach ist in diesen Zeiten, wo schon eine verrutschte Maske zu Gehässigkeiten führt und jeder Mitmensch nicht nur eine Nerv-, sondern eine Virenquelle darstellt.

Überhaupt hatte man zuletzt ja den Eindruck, das Konzept der Nettigkeit sei etwas aus der Mode gekommen, sein Image mindestens angekratzt. Vollkommen zu Unrecht, das sehen nicht nur Herr und Frau Knigge so, sondern auch die Wissenschaft.

Freundlichkeit stärkt das Immunsystem

Nett zu sein ist medizinisch evident: Freundlichkeit und altruistisches Verhalten löst im eigenen Körper Prozesse aus, die neben dem Hormon- und dem Herz-Kreislauf-System auch das Immunsystem stärken und so vor Infektionskrankheiten schützen. Diese Prozesse beschreibt der Arzt und Wissenschafter in seinem neuen Buch «Das Gesetz des Ausgleichs – Warum wir besser gute Menschen sind». Huber versteigert sich darin gar zur Aussage, dass Unfreundlichkeit das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, erhöhe. Nun, diese These müsste dringend wissenschaftlich bewiesen werden.

Schon bewiesen ist allerdings, dass sich unfreundliches, egoistisches Verhalten nicht erst im nächsten Leben rächt. Eine freundliche, humorvolle Lebenshaltung verlängert das Leben um bis zu 20 Prozent, besagt eine Studie der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie.

wird der Studienleiter Sven Svebak zitiert. Nette und lustige Menschen haben zudem weniger Suchtprobleme, sind weniger einsam, leiden weniger oft an Übergewicht. Ob sie deswegen netter sind oder umgekehrt, ist eine schwierig zu beantwortende Frage. Es kann dennoch nicht schaden, nett zu sein. Nicht nur an zwei Tagen im Jahr.

Wer nett ist, dem wird wenig zugetraut

Wobei, einen Haken hat die Sache schon. Nette Menschen gelten als harmlos. Wer nett ist, wird von seinem Gegenüber zwar gemocht, aber in Wirklichkeit traut man ihm nicht viel zu. Ein netter Kerl ist keine Konkurrenz, ein nettes Mädchen schon gar nicht. Ein Forscherteam um Nir Halevy von der Stanford University hat dazu ein Experiment veranstaltet. Die Teilnehmenden bekamen Jetons im Wert von insgesamt 20 Dollar, die sie behalten oder in einen gemeinsamen Topf einzahlen konnten.

Dominante Egoisten werden eher Chefs

Dabei hatten die Spielenden die Option, dass sie beim Teilen ihres Vermögens mit der eigenen Gruppe zugleich einer zweiten Gruppe schaden konnten. Bei einer nachfolgenden Befragung ergab sich, dass ein egoistisches Verhalten und die bewusste Schädigung der Parallelgruppe dazu führte, dass der oder die entsprechende Spielerin zwar als unangenehm, aber immerhin als dominant wahrgenommen wurde.

Dies bestätigte auch eine anschliessende Wahl, bei der die Studienteilnehmenden einen Chef oder eine Chefin bestimmen mussten, der sie in einem fiktiven Wettbewerb mit der anderen Gruppe führen sollte: Am meisten Erfolg hatten die dominanten Egoisten. «Die netten Kerle oder Frauen schaffen es nicht an die Spitze, wenn ihre Gruppe einen dominanten Führer braucht, der sie in Zeiten des Konflikts leiten soll», folgerten die Forscher.

Seien sie nett, dann leben sie länger als ihre Chefin oder ihr Chef

Und was folgern wir daraus? Nett zu sein ist gut für die eigene Gesundheit. Es braucht zudem nette Menschen, damit diese Gesellschaft nicht komplett vor die Hunde geht.

Es braucht aber scheinbar auch ein paar unangenehme Egoisten, ewige Miesepeter von denen sich die Netten abheben und an denen sie sich abarbeiten können. Zum Dank gibt es ein paar Lebensjahre und mehr Freunde dazu.

Autor

Katja Fischer De Santi

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