"Als wir unseren privaten Samenspender gefunden hatten, gingen wir mit unserem Kinderwunsch und der Hoffnung auf Beratung zu einer Gynäkologin", erzählt Manuela Baumgartner im talktäglich auf TeleZüri. Die Ärztin wehrte ab. Bereits das Gespräch darüber sei illegal. "Ich ging total niedergeschlagen aus diesem Gespräch heraus", so Baumgartner weiter. Aufgeben kam aber nicht in Frage – und so erwarten Baumgartner und ihre Partnerin nächsten Frühling ein Kind.

Adoption ist nicht geregelt

Gemeinsam mit dem Samenspender diskutierten sie die Pflichten und Rechte aller Beteiligten. Rechtsanwältin Nadja Herz erörtert die Situation: "Der Wunsch aller Beteiligten wäre, dass die Co-Mutter das zweite Elternteil sein könnte." Eine solche Regelung rechtlich verbindlich zu gestalten, sei unter den jetzigen Bedingungen aber nicht möglich." Es besteht also ein rechtliches Vakuum.

Das Bedürfnis ist da

Es wird deutlich, auch nach Geburt des Kindes ist das Gröbste noch lange nicht ausgestanden. Maria von Känel, Geschäftsführerin des Dachverbandes Regenbogenfamilien, verzeichnet eine Zunahme an Beratungen zu den Themen Samenspende und Adoption. "Der Wunsch nach einem sicheren Zugang zu den Wurzeln ist gross. Das sehen wir in unseren Beratungen", ergänzt sie und wünscht sich von den Politikern einen gesicherten rechtlichen Rahmen. Energisch bringt Manuela Baumgartner ein, dass die Fortpflanzungsmedizin bereits existiere aber: "Man schliesst uns explizit aus!"

Die Politik hinkt hinterher

In der Neuauflage der Abstimmung "Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe" soll der Begriff der Ehe neu auch gleichgeschlechtliche Paare mit einschliessen. Lesbischen Paaren gleichzeitig den Zugang zu Samenspenden zu gewähren, geht der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates vorläufig zu weit. Sie begründet diesen Entscheid damit, dass die Vorlage mit diesem Zusatz nicht mehr mehrheitsfähig wäre. Als Folge bliebe Paaren wie Manuela Baumgartner und ihrer Partnerin weiterhin keine andere Wahl, als auf das ersehnte Kind zu verzichten oder sich, wie dieses Paar, anderweitig zu behelfen.