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Job tauschen statt pendeln: Neue Website will lange Arbeitswege beseitigen

Pendler haben im Durchschnitt einen mehr als 50 Prozent längeren Arbeitsweg als noch im Jahr 2000.

Pendler haben im Durchschnitt einen mehr als 50 Prozent längeren Arbeitsweg als noch im Jahr 2000.

Die Website tausche-job.ch will Arbeitnehmer mit langen Wegen vernetzen, damit diese den Job tauschen können. Sogar ein Alt-Bundesrat unterstützt das Projekt.

Noch nie waren Schweizer für ihre Arbeit länger unterwegs als heute. Mehr als eine halbe Stunde verbringen vier Millionen Pendler durchschnittlich auf ihrem Arbeitsweg. Vor 20 Jahren waren es erst 20 Minuten, wie eine Auswertung des Bundesamts für Statistik zeigt. Auf das ganze Jahr gesehen gehen Arbeitnehmern so etwa 250 Stunden verloren.

Jetzt wollen zwei Solothurner allen Betroffenen mehr Zeit verschaffen – mit einer Online-Tauschbörse. «Stellen sie sich vor, ein Drogist wohnt in Thun und arbeitet in Bern. In Thun ist keine Stelle ausgeschrieben, da sie bereits von einer Drogistin besetzt ist, die in Bern wohnt. Wäre es nicht sinnvoll, wenn die beiden ihren Job tauschen könnten?», fragt Carola Graf, Mitgründerin von tausche-job.ch.

Seit einem Monat können sich interessierte auf der Website anmelden. Sobald man alle nötigen Daten hochgeladen hat, sucht ein Algorithmus nach anderen Nutzern, die in Wohnortnähe im gleichen Beruf arbeiten. Findet sich eine passende Person, schickt das Programm beiden die Kontaktdaten des jeweils anderen. Mithilfe einer Nachrichtenfunktion können sich die Tauschwilligen dann vernetzen.

«Wir werten die Daten unserer Nutzer nicht aus», sagt Carola Graf. Die Dienstleistungen der Website seien gratis, man finanziere sich über Werbeeinnahmen. Statistiken zu Erfolgsquoten hat die Solothurnerin deshalb nicht. Sie überlegt sich aber, in Zukunft einige Erfolgsgeschichten ihrer Jobtauschbörse bekannt zu machen.

Ein Alt-Bundesrat glaubt an das Projekt

Einer, der an den Erfolg des Projekts glaubt, ist Alt-Bundesrat Johann Scheider-Amman. In einem Brief an Graf und ihre Mitinitianten schreibt er: «Es ist unbestritten, dass ihre Internetseite einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie leisten wird.»

Finanzielle Unterstützung von seinem ehemaligen Departement gab es dann aber trotzdem nicht. Für die Projektunterstützung stünden keine Mittel zur Verfügung, schrieb der ehemalige Wirtschaftsminister. Er liess Graf allerdings eine Info auf einer Website seines Departements schalten.

Von dem Projekt profitieren sollen nicht nur Arbeitnehmer. Walter Dick, Mitinitiant der Website und selbst seit 20 Jahren Arbeitgeber, ist überzeugt, dass ein Jobtausch auch den Arbeitgebern nützt. Denn wenn ein Angestellter mit seiner Stelle oder seinem Arbeitsweg unzufrieden sei, werde er früher oder später sowieso kündigen. «Wenn mein Angestellter mir mithilfe der Website gleich einen Ersatz bieten kann, gewinnen beide Seiten», so Dick. Er und Carola Graf hoffen jetzt auf möglichst viele Anmeldungen, damit das Projekt funktioniert.

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