Unabhängigkeit

Frauen, ran ans Geld – nur so ist Gleichberechtigung wirklich möglich!

Viele Frauen verwalten das Haushaltsbudget – aber Finanzanlagen scheuen sie. Dabei sind Frauen, wenn sie in Aktien investieren, erfolgreicher als Männer.

Viele Frauen verwalten das Haushaltsbudget – aber Finanzanlagen scheuen sie. Dabei sind Frauen, wenn sie in Aktien investieren, erfolgreicher als Männer.

Sie kümmern sich zu wenig um Geld und bekommen deshalb nicht, was ihnen zusteht. Das behaupten drei Finanzexpertinnen über Frauen und legen auch gleich Lösungen vor. Denn nur wer seine Finanzen im Griff hat, ist wirklich unabhängig.

Kürzlich ergab eine Umfrage der Deutschen Postbank, dass sich 29 Prozent der Frauen nicht um ihre Geldanlage kümmern, bei den Männern waren es nur 10 Prozent. Und laut einer Studie der UBS aus dem Jahr 2018, für welche 3700 wohlhabende verheiratete Frauen aus neun Ländern befragt wurden, übertragen mehr als die Hälfte der Frauen langfristige Finanzentscheide ihrem Partner.

Geld bedeutet Macht, seine Finanzen im Griff zu haben, Freiheit. Warum tun sich viele Frauen so schwer damit, ihre Geldangelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen?

, sagt die Wirtschaftsjournalistin Angela Slavik. Frauen seien vom Geld regelrecht ferngehalten worden. Bis 1976 brauchten verheiratete Frauen in der Schweiz noch die Erlaubnis ihres Ehemannes, um einem Beruf nachzugehen oder ein eigenes Bankkonto zu eröffnen – das ist erst 43 Jahre her. Wenig verwunderlich hat die Generation der über 50-jährigen Frauen oft das Gefühl, Finanzfragen seien eine Männerangelegenheit.

Nicht, dass Frauen generell nicht mit Geld umgehen könnten. Das Gegenteil ist oft der Fall. Viele Frauen zahlen im gemeinsam Haushalt die Rechnungen ein, verwalten das Haushaltsbudget, füllen die Steuererklärung aus. Frauen verschulden sich weniger oft als Männer. Doch: Nur 15 Prozent der Haushalte, in denen eine Frau für die Finanzen verantwortlich ist, legten Geld in Wertpapiere an – ist ein Mann verantwortlich, sind es 22 Prozent. Dies zeigte eine im Mai 2018 veröffentlichte Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.

Für Angelika Slavik ist klar:

Denn Frauen haben in jeder Lebensphase durchschnittlich 20 Prozent weniger finanzielle Mittel als Männer. Sie verdienen weniger, arbeiten mehr Teilzeit, investieren weniger und haben geringere Renten. «Höchste Zeit also, sich diese 20 Prozent mit klugen Anlagen zurückzuholen», sagt Slavik. Gemeinsam mit ihrer Arbeitskollegin Meike Schreiber hat die Journalistin der «Süddeutschen Zeitung» einen Finanzratgeber für Frauen verfasst. Er trägt den leichtfüssigen Titel «Money Queen – Der Geldplan für Chaos-Göttinnen» und soll jene Frauen, die bisher die Finger von Finanzplänen gelassen haben, helfen, Struktur ins Papierchaos zu bringen.

Angelika Slavik und Meike Schreiber sind die Autorinnen des neuen Buchs «Money Queen – der Geldplan für Chaos-Göttinen».

Angelika Slavik und Meike Schreiber sind die Autorinnen des neuen Buchs «Money Queen – der Geldplan für Chaos-Göttinen».

Frauen wählen den vermeintlich sicheren Weg

Der grösste Fehler, den die meisten Frauen machten, sei, dass sie nichts machen, aus Angst, etwas falsch zu machen. Will heissen, sie parken ihr Geld in vermeintlich sichere Investments wie ein Sparbuch oder Festgeld. «Das bedeutet bei den momentanen Zinsen einen garantierten Verlust», sagt die Wirtschaftsjournalistin.

Die Welt des Geldes sei voller Codes und Intransparenz, es mache den Eindruck, als würde nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten das System wirklich verstehen, das wirke abschreckend, gerade für Frauen. «Unser Ratgeber teilt die Tour durch den Finanzdschungel in gut zu bewältigende Tagesstrecken ein – und die Übersicht am Schluss ist befreiend», sagt Slavik. Sie hätten die Erfahrung gemacht, dass Frauen sich sehr gerne um ihre Finanzen kümmern und auch Spass am Investieren haben, sobald eine Basis an Verständnis herrscht.

Männer würden grundsätzlich nicht mehr von Finanzgeschäften verstehen, so die Wirtschaftsjournalistin, aber, ­etwas pauschalisierend ausgedrückt, würden Männer mit einem anderen Selbstbewusstsein an finanzielle Themen herangehen. Frauen seien zu zögerlich, möchten die Sache zuerst ganz verstehen. Wenn aber Frauen anlegen und Aktien kaufen, sind sie laut Studien im Schnitt erfolgreicher als Männer. Das Problem ist, dass viel zu wenig Frauen Aktien kaufen.

Madame Moneypenny hilft bei Finanzfragen aller Art

Auch Natascha Wegelin machte sich wenig Gedanken um ihre finanzielle ­Situation, bis ihr eine Finanzberaterin einen aktiven Aktienfonds empfahl. Für die heute 34-Jährige hörte sich das gut an. Bis sie etwas zu recherchieren beginnt und schnell realisiert, dass sie keine Ahnung hat, wie ein aktiver Aktienfonds funktioniert und dass just jener, zu dem man ihr rät, extrem teuer und mit hohen Provisionen und Gebühren verbunden ist. Natascha Wegelin hat BWL studiert und ein Start-up gegründet. Sie weiss, wie man Businesspläne und Marketingkonzepte schreibt. Und doch hat sie bis zu diesem Zeitpunkt bei der Geldanlage blind Finanzmaklern und Bankern vertraut. Ein Fehler.

Rückblickend sei das ihr Weckruf gewesen, schreibt sie auf ihren Blog. Als «Madame Moneypenny» verfasst sie seit 2016 Artikel zum Thema Frauen und Finanzen. Ihre Mission: Frauen dazu bringen, sich selbst um ihre finanziellen Angelegenheiten zu kümmern und von Staat und Partner unabhängig zu machen. Ihr Buch dazu wurde zum Bestseller. Ihrer Moneypenny-Facebook-Gruppe sind über 59 000 Frauen beigetreten, jeden Monat kommen 3000 neue Mitglieder dazu. In der Gruppe wird täglich rege diskutiert, ohne Angst vor dummen Fragen.

Das habe sich nun geändert, schreibt Natascha Wegelin. Finanzinstitute hätten die Frauen als Zielgruppe erkannt und bieten Kurse und massgeschneiderte «eher ­weibliche» Investitionspakete an. Was nichts anderes bedeute als nachhaltige, längerfristige und zukunftsgerichtete Anlagemöglichkeiten, schreibt Wegelin. «Es kann Sinn spenden, wenn das eigene Kapital nicht in den Abgründen eines Finanzmolochs verschwindet, sondern etwa im Bereich Mikrofinanzierung Frauen in der Dritten Welt hilft, ihre Selbstständigkeit zu ermöglichen.»

Frauen wollen mehr Geld, sie besitzen auch immer mehr Geld. Laut der Bank of America Merrill Lynch ist rund ein Drittel des weltweiten Finanzvermögens in weiblicher Hand. Im Jahr 2020 dürften Frauen private Vermögen im Volumen von 72 Billionen Dollar halten – rund doppelt so viel wie 2010. Die Zeit der Money Queens ist längst angebrochen.

© CH Media

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