Leben

Er war der Vater von Copy and Paste: Larry Teslers Erfindung hat sich in unser Leben eingefügt

Am Montag ist der Computerpionier Larry Tesler gemäss seines Ex-Arbeitgebers Xerox gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

Am Montag ist der Computerpionier Larry Tesler gemäss seines Ex-Arbeitgebers Xerox gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

Die Tastenkombination «Copy and Paste» spart Zeit und sorgt für Ärger. Diese Woche ist ihr Erfinder Larry Tesler gestorben.

Larry Tesler hat «Copy and Paste» erfunden. Er hat mit «Ctrl-C» und «Ctrl-V» Klassiker der Tastaturkurzbefehle geschaffen – und unseren Alltag vereinfacht. «Copy and Paste» spart Zeit und Frust. Jener Frust, wenn etwa von Hand einzelne Buchstaben eines Links zu einer Website eingegeben werden müssen. Eine Wulst an Zahlen und Sonderzeichen einzutippen nervt. Das merkt man spätestens, wenn ein Café oder ein Hotel den Wlan-Zugang besonders gut schützen will – und das ellenlange Passwort auf einen Zettel druckt.

Larry Tesler hat «Copy and Paste» erfunden. Seither lassen sich Mitmenschen mit komplizierten Namen mühelos anschreiben. Man muss nicht gleich Familie Thirugnanasampanthamoorthy eine Nachricht schicken, um den Wert der Tastenkombination zu schätzen. Familie Thirugnanasampanthamoorthy hat, wie der Tages-Anzeiger vor einigen Jahren schrieb, «laut Onlinetelefonbuch Search.ch den längsten zusammenhängenden Nachnamen der Schweiz». (Auch um andere zu zitieren, ist «Copy and Paste» höchst praktisch.)

Larry Tesler hat «Copy and Paste» erfunden. Fortan brauchten wir nur die Tastenabfolge «Ctrl-C» und «Ctrl-V» drücken, um uns rhetorisch aufzuhübschen. Ein schmissiges Bewerbungsschreiben? Ein geschäftlicher Brief auf Französisch? Oder schlicht keine Idee für die Hundertste Geburtstagskarte? Das Internet bietet Hilfe. Wie in einem Baukasten lassen sich die gewünschten Texte aus einzelnen Passagen zusammenzimmern. Das macht zwar etwas denkfaul und die Schreiben unpersönlich. Aber was solls, wenn dafür Zeit bleibt für ein gutes Buch, ein Gespräch oder eine hübsch formulierte Karte an einen Lieblingsmenschen?

Es muss nicht immer ein Text sein. Mit «Copy and Paste» lässt sich selbst aus einem Schaf eine Herde erschaffen.

Es muss nicht immer ein Text sein. Mit «Copy and Paste» lässt sich selbst aus einem Schaf eine Herde erschaffen.

Larry Tesler hat «Copy and Paste» erfunden. Seither müssen Schülerinnen und Schüler in permanenter Versuchung leben. Um zu schummeln, braucht es keine Spickzettel mehr, die mühsam von Hand abgeschrieben werden. Also jene Papierfetzen, deren Inhalt man Wort für Wort kannte, da dieser mit grösster Konzentration und in Kleinstschrift notiert wurde. Heute braucht es dafür bloss ein paar Mausklicks. Ebenso für den nächsten Vortrag. Online findet sich für jedes Schulfach eine Fülle von fixfertig aufbereiteten Themen: von den Grundlagen der Genetik bis zur Interpreation von Goethes Faust. Powerpoint-Präsentationen inklusive.

Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler erliegen der Versuchung von «Copy and Paste». Selbst ein Jus-Doktorand, der später deutscher Verteidigungsminister wurde, fügte längere Passagen anderer Autoren wortgetreu in seine Dissertation ein. Dieses «Copy and Paste» hat Karl-Theodor zu Guttenberg sein Ministeramt gekostet. Oder um bei den Tastaturbefehlen zu bleiben: Er bekam den «Delete»-Knopf zu spüren. Für einmal hat das Abkupfern aber etwas Neues erschaffen: das Verb «guttenbergen».

Larry Tesler hat «Copy and Paste» erfunden. Das stellt die Schummler auch vor ein Problem. Ihre kopierten Passagen müssen nur kurz gegoogelt werden, um die ursprünglichen Autoren aufzuspüren. Aufgeflogen ist etwa Melania Trump. Im Wahlkampf ihres Mannes hatte sie Passagen aus einer acht Jahren alten Rede von Michelle Obama vorgetragen. Spot und Häme liessen in der Folge nicht lange auf sich warten.

Larry Tesler hat «Copy and Paste» erfunden. Am Montag ist der amerikanische Informatiker im Alter von 74 Jahren gestorben. Er hat mit «Ctrl-C» und «Ctrl-V» Klassiker der Tastaturkurzbefehle geschaffen – und unseren Alltag vereinfacht. Auch das Schreiben dieses Artikels.

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