Hirn

Nein, hier kommt kein Spruch, der Verstand des Mannes sei doch weiter unten zu finden. Dafür sollten sich heute selbst Frauen an einem Polterabend zu schade sein. Umgekehrt glaubt zum Glück heute auch keiner mehr, Männer seien klüger, weil ihr Gehirn grösser sei. Ein durchschnittliches Männergehirn wiegt 1,4 Liter, ein weibliches 1,2 Liter, was aber keinen Einfluss auf die Intelligenz hat, denn kleinere Gehirne sind anders vernetzt. Es gibt aber Gehirnregionen, die bei Männern ausgeprägter sind, darunter jene für den Orientierungssinn. Was heisst das nun für den neuen Mann? Er verlässt sich heute – wie Frauen auch – aufs Navi. (Fällt es aus, dann fragt er cool den nächsten Passanten um Rat.)

Nase

Männer, die an Kleidungsstücken von Frauen schnüffeln, finden jene Frauen attraktiver, welche gerade ihre fruchtbaren Tage haben. Solche wissenschaftlichen Studien sind beliebt, denn die Erkenntnisse sind so schön archaisch. Auch ist wissenschaftlich erwiesen, dass Frauen den besseren Riecher haben. Egal, ob sie Rosen oder Benzin erschnüffeln sollen. Da haben einmal mehr die Hormone einen Einfluss. Aber im Alltag kennen sich Männer bei Wein dann doch oft besser aus. Drum jetzt mal langsam für alle zum Mitschreiben: Wenn er will, kann Mann wie die Frau (und umgekehrt). Denn menschliches Training ist meist dominanter als die Biologie bzw. dominanter als die genetische Voraussetzung und hormonelle Wirkung.

Bizeps

Männer sind stark, jetzt mal rein muskulär gesprochen. Ein paar Meter weg vom Büroalltag beim Zügeln oder Konfiglasöffnen sind starke Muskeln nach wie vor ein Vorteil. Dass aber manche Männer ihre Muskeln auch gegen Schwächere einsetzen, hat noch keine Gesellschaft je gut gefunden. Langsam finden Opfer von häuslicher Gewalt nun mehr Gehör – hier sind wir auf dem Weg zur Besserung.

Hoden

Hier werden die männlichen Geschlechtshormone produziert. Und weibliche. Wird ein Mann Vater, dann sinken die Werte des männlichen Geschlechtshormons Testosteron und die weiblichen steigen leicht. Bei Vätern, die sich oft um die Kinder kümmern, ist dieser Anstieg auch nach der Geburt messbar. Sprich: Der Appetit kommt beim Essen und das Papi-Gefühl kommt ebenfalls beim Tun.

Dass der Fokus vieler Männer noch immer im Berufs- und weniger im Familienleben liegt, hat also mehr damit zu tun, dass es Image-mässig im Job einfach immer noch mehr zu holen gibt als beim Kinderhüten. Dabei verpassen Männer ihre Kinder, Kinder ihre Väter, Mütter ihre Karrieren. Profitieren tun ... tja … vielleicht jene, die eine Kita gründen wollen.

Knie

Der neue Mann schont die Kniescheiben und macht der Frau den Antrag auf Augenhöhe. Leider macht wahrscheinlich erst die Frau von überübermorgen den Antrag selbst. 

Haare

Der heutige Mann trägt öfter Glatze. Ja, denn die letzten Haare rasiert er lieber ab, als die Lichtung peinlich zu kaschieren. Also keine Problemzone mehr. (Ausserdem sind Glatzen ein Zeichen von viel Testosteron und dafür muss sich Mann trotz Genderdebatte nicht schämen.)

Hände

Heutige Männerhände sind mal grob und rau, mal sorgfältig weich gepflegt – und ja, warum nicht ab und zu auch mit lackierten Nägeln? Da darf Mann alles. Das gilt aber nicht dafür, was Hände tun dürfen. Insbesondere nicht, wenn ein Machtgefälle besteht. Aber mehr müssen wir dazu nach der MeToo-Debatte wirklich nicht schreiben. Ungeklärt ist: Soll die männliche Hand der Frau noch die Tür aufhalten oder in den Mantel helfen? Da sind sich selbst Frauen uneinig.

Augen

Ihr schaut zu viel Pornos, liebe Männer von heute. Nicht das das euren Augen schaden würde, nein, aber wir wollten keinen Strich zum Penis anbringen. Anatomische Defekte sind es meist nicht, die Probleme entstehen wegen dem, was die Augen schon alles sahen.

Lächeln

Der Humor des Mannes ist keine Problemzone. Naja, früher (heute doch nicht mehr!), da waren die Witze manchmal noch sexistisch und wenn die Frauen nicht lachten, galten sie als humorlos. Und dann sollen wieder Hormone alles erklären, weil das Testosteron Männer zu aggressiv-lustigen statt mitfühlenden Sprüchen verleitet? Fakt ist: Bezüglich Humor herrscht Geschlechtergleichheit. Das Psychologische Institut der Uni Zürich hat Probanden Satzanfänge vervollständigen lassen und die Sätze von einer Jury von Comedians und Laien auf den Humorgehalt beurteilen lassen. Beide Geschlechter waren gleich witzig. Bloss trauen es sich die Männer eher, ihren Witz auch zu zeigen.

Bauch

Der Mann von heute steht zwar zur Glatze, arbeitet dann aber an seinem Sixpack, um den Gesamteindruck aufzubessern. Der Fitnesswahn hat auch die Männer erfasst. Und dass sie nicht selten länger im Bad stehen als die Partnerin, ist bekannt. Sie sollten drum öfter mal beim Regal mit der Ratgeberliteratur vorbeischauen: Stichwort «body-positivity» und «liebe deine Kurven» – Papa-Bäuchlein inklusive.

Fuss

Auf Datingplattformen haben Männer, die auf grossem Fuss leben, die Nase vorn. In zweierlei Hinsicht: Frauen ziehen laut diversen Umfragen (gerne gemacht von Datingplattformen selbst) offenbar immer noch Partner vor, die grösser sind als sie. Männer wirken zusätzlich attraktiv, wenn sie im übertragenen Sinne auf grossem Fuss leben können. Nur: Bei genauerem Hinsehen sind die grossen Füsse ziemlich rot. Denn schon lange, laaange müssen die Frauen darauf rumtrampeln mit ihrer Forderung zur Lohngleichheit.