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Der Bund prüft den Nutzen von Eiseninfusionen

Das Bundesamt ist bereits seit 2015 daran, die Wirkungsqualität der Eiseninfusionen wissenschaftlich zu prüfen. (Symbolbild)

Das Bundesamt ist bereits seit 2015 daran, die Wirkungsqualität der Eiseninfusionen wissenschaftlich zu prüfen. (Symbolbild)

Eiseninfusionen sind in der Schweiz sehr gefragt. Der Umsatz stieg um 27 Prozent. Dies zeigen Zahlen, die dieser Zeitung exklusiv vorliegen.

Offiziell zugelassen sind in der Schweiz zwei Infusionen, beide Präparate stammen von der Schweizer Pharmafirma Vifor. Ihr Umsatz hat zwischen 2014 und 2018 um rund 27 Prozent zugenommen. Die letzten verfügbaren Zahlen stammen vom Juni dieses Jahres. In den letzten zwölf Monaten, also seit Juli 2018, setzte Vifor mit den beiden Infusionen rund 60,2 Millionen Franken um. Die Zahlen stammen von der Datenfirma Sasis. Sie wurden dieser Zeitung vom Krankenversicherungsverband Curafutura zur Verfügung gestellt.

Den Krankenkassen ist diese Entwicklung ebenfalls aufgefallen. «Wir sehen, dass Eiseninfusionen in der Tendenz eher zu viel abgeben werden», sagt eine Sprecherin der Luzerner Krankenversicherung CSS. «Beobachten wir Auffälligkeiten, so schreiten wir ein.» Andere Krankenkassen wollen sich aus Angst vor negativen Reaktionen seitens betroffener Patienten nicht namentlich äussern.

Gewisse Ärzte sind auf dem Radar der Krankenkassen

Dennoch sagen auch diese, dass sich auffällige Ärzte aus dem Umfeld des Netzwerks «Swiss Iron System» auf dem Radar der Versicherer befänden. Diese würde zwar kleinere Dosen verabreichen, allerdings dies viel häufiger als andere Ärzte. In gewissen Fällen holen die Kassen sogenannte Kostengutsprachen ein. Dies zwingt die Ärzte dazu, beim Vertrauensarzt der zuständigen Krankenversicherung ein Gesuch einzuholen. Nur bei einem positiven Entscheid vergütet die Kasse die Therapie zulasten der Grundversicherung. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass das Bundesamt für Gesundheit bei den Eiseninfusionen keine Kostengutsprache vorschreibt. Dies ist unter anderem bei teureren Krebsmedikamenten oft der Fall.

Versicherer hoffen, dass die Arzneimittelkommission einschreitet

Dennoch ist das Bundesamt bereits seit 2015 daran, die Wirkungsqualität der Eiseninfusionen wissenschaftlich zu prüfen. Es handelt sich dabei neudeutsch um ein «Health Technology Assessment». Im Herbst soll es vorliegen, wie das Amt auf Anfrage bestätigt. Betrachtet der Bund den Einsatz der Eiseninfusionen kritisch, so kann er das Thema in die Arzneimittelkommission einbringen. Diese könnte in der Folge die Verwendung der Infusionen einschränken, indem etwa Eisen-Grenzwerte gesenkt werden. Die Versicherer hoffen darauf, dass die Arzneimittelkommission einschreitet und die Anwendung beschränkt.

Zwar seien bereits viele Leute mit Eiseninfusionen behandelt worden, sagt Andreas Schiesser, Tarifexperte beim Verband Curafutura. Dennoch sei bis heute nie nach streng wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet worden, was der Nutzen dieser Infusionen sei. Zwar gibt es Studien vom Netzwerk «Swiss Iron System», jedoch wurden diese nicht in anerkannten wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht. 

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