Fernsehen

Das Filmprogramm für die Weihnachtstage ist bekannt: Wir geben einen Überblick

Der ultimative Weihnachtsfilm 2019 kommt aus Island. In «Echo» erzählt Regisseur Rúnar Rúnarsson , wie die Isländer die Feiertage begehen und was sie beschäftigt.

Der ultimative Weihnachtsfilm 2019 kommt aus Island. In «Echo» erzählt Regisseur Rúnar Rúnarsson , wie die Isländer die Feiertage begehen und was sie beschäftigt.

Nicht nur Weihnachtsbeleuchtung, Glühwein und warme Wollsocken versetzen uns in weihnachtliche ­Stimmung, sondern auch Filme. Ein aktueller und prospektiver Filmadventskalender.

Ted Mosby, einer der fünf aus der Fernsehsitcom «How I Met Your Mother», steht mit einem Lebkuchenhäuschen – Weihnachtsfilmfutter – vor dem Kino und wartet auf seine Freunde. Sie wollen sich «Ist das Leben nicht schön?» («It’s a Wonderful Life») ansehen. Für viele ist das Melodrama, in dem ein Engel vom Himmel herabsteigt, um einem anständigen, verzweifelten Kerl (James Stewart) den Lebensmut zurückzugeben, der Weihnachtsfilm schlechthin. Bei uns laufen die Weihnachtsklassiker nicht im Kino – wir sind nicht in New York. Man muss also mit neuen ­Kinoproduktionen vorliebnehmen oder aufs Fernsehen ausweichen.

Auch dort sucht man «It’s a Wonderful Life» vergeblich – es gibt ihn aber auf der guten alten DVD. «Charles Dickens – Eine Weihnachtsgeschichte» läuft auch nicht am TV, nur Robert Zemeckis’ Disney-Version von 2009, mit Jim Carrey als Miesepeter Scrooge (ab 11.12. 4-mal).

«Der kleine Lord» mit Alec Guinness (ab 20. 12. 5-mal), «Kevin – Allein zu Haus» (24. 12.) oder «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» (22.–25. 12. täglich) hingegen sind aus dem deutschsprachigen Fernsehprogramm nicht wegzudenken.

Blockbuster gehören ­ zum Festtagskalender

Dazu gehört die britische Tragikomödie «Love Actually» («Tatsächlich… Liebe») (25./26. 12.), an deren Erfolg «Last Christmas» anzuknüpfen versucht. Die konstruierte romantische Komödie nach dem Drehbuch von Emma Thompson hat viel Herz – im wortwörtlichen Sinn –, gipfelt aber im etwas abrupt Brimborium: Die familiären Differenzen sind beigelegt, alle finden sich zur Weihnachtsfeier ein im Obdachlosenheim.

Ein richtiger Weihnachtsknüller fürs breite Publikum findet sich zurzeit nicht im Kino und kündigt sich auch nicht an. «Echo» richtet sich eher an ein cine­philes Nischenpublikum, sei aber jedem ans Herz gelegt. Wie auch «Kommissar Gordon & Buffy», den man getrost mit Kleinkindern besuchen kann. Er spielt zwar nicht an Weihnachten, es gibt aber viel Schnee und liebevoll gestaltete Waldtiere, die gegenseitig auf sich Acht geben.

Natürlich rühren Netflix und Co. mit der Weihnachtskelle an, aber vom Hocker reisst einen all das nicht. Weihnachten ist Geschäft. Für manchen aber ist der neue «Star Wars» oder «Cats» das grösste Geschenk. Dazu ein Lebkuchenhäuschen hineinzuschmuggeln, gar nicht so einfach. Denn auch der Kioskverkauf gehört zum Kinogeschäft.

Diese Filme laufen an Weihnachten in den Kinos:

Für Kinder – und alle andern

Gute Kinokinderfilme sind Mangelware. Wenn man sich etwas anderes für die Kleinsten wünscht als Animationsfilme nach Hollywoodstrickmuster, muss man jeweils lange warten. Am nächsten Donnerstag kommt mit «Kommissar Gordon & Buffy» eine Kinderbuchverfilmung aus Schweden ins Kino, die so ruhig und schön anzusehen ist wie der verschneite Wald, in der sie spielt. Eine alte Kröte und eine junge Maus ermitteln in einem Nüssediebstahl. Zusammen sind sie nicht mehr einsam, und die Arbeit ist viel einfacher und schöner. Das höchste aller Gefühle für Buffy ist, als sie das erste Mal einen Polizeibericht alleine stempeln darf (was ist kindgerechter als das?). Werte wie Toleranz, Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft, alles völlig unaufgeregt verpackt und freigegeben ohne Altersbeschränkung.

Und natürlich ist da noch «Frozen II». Der ist fast so gut wie der erste, und, man muss schon sagen, dieser Olaf ist einfach so richtig, richtig süss.

Frauen unter sich

In den Vorstellungen von «Last Christmas» und «Hustlers» – beide aktuell im Kino – sassen ausschliesslich Frauen. Man kann über die Gründe nur mutmassen: Eine sympathische, biertrinkende Engländerin (Emilia Clarke), die in jedes Fettnäpfchen tritt und noch dazu in einem Laden mit Weihnachtszubehör arbeitet. Und zwei ehemalige Lapdancerinnen (Constance Wu, Jennifer Lopez), die, ganz in Robin-Hood-Manier, von den Reichen nehmen und den Armen (sie selber) geben. Das macht Spass! Ein grosser Wurf ist weder der eine noch der andere. Weihnachtlich an «Hustlers» ist eigentlich nur die eine Szene, in der sich die kleinkriminellen Tänzerinnen gegenseitig mit äusserst kostspieligen Geschenken erfreuen: Louboutin-Schuhe, eine Perlenkette, ein Chinchilla-Pelzmantel. Dieser Luxusfetischismus wurde allenthalben von Kritikern beklagt. Wie war das noch mal mit Carrie Bradshaw in der Fernsehserie «Sex and the City»?

Auf Weihnachten getimt

Feiertage bedeuten freie Zeit, die man gerne im Familien- oder Freundeskreis verbringt. Die grossen Hollywoodstudios wissen schon lange um diesen Markt. Was «Star Wars» betrifft, kurbelt der Start der neunten Episode und Abschluss der Trilogie «The Rise of Skywalker» am 18. Dezember auch gleich noch das Weihnachtsgeschäft an – das Universum dreht sich schon lange nicht mehr nur um Filme. Nichtsdestotrotz, die Gerüchteküche brodelt schon seit Monaten – wie gross ist die Rolle von Leia, kehrt Palpatine tatsächlich zurück? Auch die Filmjournalisten werden so lange wie möglich kurzgehalten.

Mit «Cats» kommt eine weitere grosse Kiste ins Kino, just am Weihnachtstag. Auch hier werden die Presseinformationen spärlich, aber regelmässig gestreut. Das Musical brach alle Rekorde, das will jetzt auch der Film – mit reichlich Starpower. Ob’s gelingt? Der Trailer – Taylor Swift mit digitalem Pelz und weiblichen Rundungen – spaltete jedenfalls die Fangemeinde.

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