Die Strasse, die vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Süden führt, heisst Baseler Strasse. Einen Basler dürfe das eher befremden als anheimeln, und es wird ihm ein schwacher Trost sein, dass es in München eine Züricher Strasse gibt.

Mit-er werden aus Ortsnamen Adjektive abgeleitet, aber in der Praxis gibt es viele Abweichungen. Ich bin in Wohlen aufgewachsen, bin deswegen aber kein Wolener Biglener, sondern ein Woler Bigler. Ein Münchner müsste mich als Wolner bezeichnen, wenn es bei uns zuginge wie in Bayern. Der Unterschied: Wir sagen den entsprechenden Orten Wole und Bigle, ohne das n am Schluss.

Aus Muri entstünde Muri-er, aber das gibt es nicht: In Muri BE heisst es Muuriger, in Muri AG dagegen Muriaaner. Diese Endung lehnt sich scheinbar an den Insulaner (Inselbewohner) an, eine humanistische Bildung, die von lateinisch insula ausgeht.

Auch Badenser ist eine gelehrte Bildung (badensis, badisch), aber sie klingt veraltet und ist bei unsern Nachbarn nördlich des Rheins ausgesprochen verpönt. Was nun die Stadt Baden betrifft, so findet man neben Baadener seltener auch Baademer. In der nordöstlichen Schweiz wimmelt es von derartigen Endungen mit m: Böötstemer (Böttstein), Zuurzemer (älter, neben Zuurzacher), Meilemer. Das m kommt offenbar von den Namen auf -heim, etwa Veltheim (Välte): Die Bewohner von Veltheim bei Winterthur nennen sich Vältemer.

Davon unberührt nennt man sich in Veltheim AG Vältener, und die Gemeinde von Thalheim AG gibt ihre Thalner Dorfziitig heraus. Tatsächlich kann man solche Usanzen nicht restlos in Regeln fassen, man muss halt die Einheimischen fragen.