Bereits beim Flug über die australische Ostküste zeigt sich das wilde Gesicht dieser Gegend. Wer auf der Sandinsel Fraser Island Ferien macht, dem wird oberhalb des Wassers einiges geboten. Für Taucher gibt es allerdings nicht sonderlich viel zu entdecken; das «Great Barrier Reef» beginnt erst rund 80 Kilometer weiter nördlich.

Dort liegt die kleine Insel Lady Elliot, die den Auftakt des rund 2300 Kilometer langen Weltnaturerbes bildet. Die Riffe rund um die Insel haben sie zu einem Taucher-Eldorado weit über die Grenzen Australiens hinaus bekannt gemacht.

Per Boot ist das Eiland nicht zu erreichen, Kleinflugzeuge transportieren die Gäste über die holperige Landebahn, die sich wie ein Geschenkband quer über die kreisförmige Insel zieht.

Dort gibt es nur eine einzige Unterkunft: das «Lady Elliot Island Eco Resort». Geführt wird es vom Österreicher Andreas Super, der jährlich rund 20 000 Besucher empfängt. In seinem Resort gibt es neben Ausstellungen zum Unterwasserleben auch das einzige Restaurant auf der Insel.

Ein Crash-Kurs nur für Mutige

Wer keine Taucherfahrung mitbringt, kann in Kleingruppen vormittags einen Einführungskurs im Pool des Resorts absolvieren – und sich bereits am Nachmittag einer Gruppe anschliessen, die im offenen Meer unter Wasser geht.

Das mag für erfahrene Taucher vorschnell klingen, fehlt bei diesem Vorgehen doch die Routine. Es lässt sich dazu sagen: Dieser Crash-Kurs ist nichts für Zartbesaitete. Wer nahe bei den imposanten Mantarochen schwimmen möchte, sollte zu Hause erst einige Tauchkurse belegen, bevor er sich ins offene Meer traut.

Für alle anderen empfiehlt sich das Korallenriff nahe beim Haupthaus des Resorts. Bei Ebbe lassen sich auf sandigen Wegen zwischen den Korallenriffen die bunten Fische beobachten, bei Flut schnorchelt man nur wenige Zentimeter über den Korallen.

Vorsicht ist geboten, denn bereits kleinste Berührungen können sie schädigen. Fische wie auch Korallen sollten grundsätzlich in Ruhe gelassen werden. «Einzig eine Schildkröte drängt sich den Gästen förmlich auf und will, dass man ihr den Panzer streichelt», sagt Super.

Zwischen Clownfisch und Hai

Auf Safari in Afrika macht man sich auf die Suche nach den «Big Five». Wer einen Elefanten, einen Löwen, ein Nashorn, einen Büffel und einen Leoparden erblickt hat, hat es geschafft. Im australischen Bundesstaat Queensland spricht man hingegen von den «Great Eight», erklärt Super.

Dabei handelt es sich um den Buckelwal, den Hai, den Zackenbarsch, den Mantarochen, den Clownfisch, die Riesenmuschel, die Schildkröte, den Maori-Lippfisch und den gefleckten Riesenzackenbarsch. «Nur nahe Lady Elliot Island kommen alle der ‹Great Eight› vor und lassen sich potenziell beobachten», sagt Super.

Naturschutz ist dem Hotelbetreiber auf der 45 Hektaren grossen Insel wichtig. So gewinnt er Energie mittels Sonnenkollektoren, in einem Tank werden Essensreste zu Dünger umgewandelt, und der Grossteil der Insel ist ein Vogelschutzreservat. Dies macht sich auf den Aussensitzplätzen des Restaurants bemerkbar.

Besucher müssen auf ihre Speisen aufpassen, sonst schnappen die Bindenrallen zu. Die Vögel haben ihr diebisches Handwerk perfektioniert. Wer kann es ihnen übel nehmen? Nicht nur ist das Essensangebot im Resort grossartig, es werden auch wunderbare vegetarische und vegane Alternativen geboten.

Pro Nacht dürfen maximal 150 Gäste auf der Insel bleiben – das Ökosystem soll nicht überlastet werden. Neben den regulären Bungalows lassen sich Zelte mieten, um zu «glampen». Diese Wortschöpfung setzt sich aus «campen» und «glamour» zusammen – und ist eine edle Variante des Zeltens.

Auf keinen Fall darf man es verpassen, in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang einen kleinen Spaziergang am Strand zu machen. Weil fast sämtliche Quellen von Lichtverschmutzung auf der Insel fehlen, lässt sich die Milchstrasse an klaren Tagen von scheinbar ganz nah bestaunen.