Kommentar
Den Krieg der Gendersterne fechten andere aus

Die Bundesverwaltungen tun gut daran, sich (noch) aus dem Kampf der Gendersterne rauszuhalten. Zu unausgegoren, experimentell und ideologisch aufgeladen sind die geschlechtsneutralen Zeichen zur Zeit.

Katja Fischer De Santi
Katja Fischer De Santi
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Karikatur, Cartoon: Genderstern, Gendersternchen

Karikatur, Cartoon: Genderstern, Gendersternchen

Silvan Wegmann / Aargauer Zeitung

Die Bundeskanzlei schafft Fakten: Der Genderstern und ähnliche Schreibweisen dürfen in amtlichen Texten nicht verwendet werden, heisst es in einer sechseitigen Weisung, die nun öffentlich wurde. Keine Politiker:innen, keine Lehrer*innen, sondern Politikerinnen und Politiker und Lehrerschaft. Zwar will man eine möglichst inklusive Sprache anwenden, heisst es, nur die neuen sprachlichen Zeichen dafür seien noch zu wenig ausgereift.

Das kann man feige finden, diskriminierend gegenüber Personen mit einem nicht-binären Geschlecht. Man kann es aber auch besonnen finden.

Identitätspolitik in die Sprache verschoben

Denn der Kampf der Gender­sterne ist längst kein sprachlicher mehr, er ist ideologisch und politisch besetzt. Das konservative Lager betrauert noch das generische Maskulin – das die Bundesbehörden schon Jahre vor dem Duden verboten haben. Während das linke Lager Sternchen mit mehr identitätspolitischer als grammatikalischer Logik einsetzt. Die Verwaltungen tun also gut daran, sich aus diesem symbolischen Grabenkampf noch rauszuhalten. Zumal die Politik zuerst die rechtlichen Fakten für ein drittes Geschlecht verankern sollte, bevor sie Sterne dafür streut.

Es braucht ein sprachliches Experimentierfeld

Wer aber nun meint, damit hätte sich die Sache mit der geschlechterneutralen Sprache erledigt, der irrt. Es ist nicht an den Bundesbehörden, sprachliche Experimente zu wagen, aber sie finden anderorts längst statt. Das Schweizer Fernsehen überarbeitet gerade seine Sprachordnung, viele andere Institutionen tun es auch. Die Sterne, Doppelpunkte werden mehr. Denn die Sprache ist ein Spielplatz und kein Exerzierfeld. Der Bund hat mit dieser Weisung auch klargemacht, dass man darauf ein waches Auge haben wird.