Salzkorn
Wir können Corona – und uns kann es auch mal

Eigenverantwortung ist im Umgang mit der Seuche zentral. Ein Abend in einem Hotel zeigt: So geht das!

Pascal Hollenstein
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Illustration: Corinne Bromundt

Neulich nächtigten wir in einem nahe dem Zürcher Flughafen gelegenen Hotel. Die Herberge kann sich derzeit nicht über zu viele Touristen beklagen, weshalb die Zimmer günstig auch für längere Zeit zu mieten sind. Die einquartierte Population reichte vom melancholischen polnischen Elektriker bis zum noch melancholischeren frischgetrennten Mittelalterlichen – keine besonders heitere Mischung.

War es Mitleid, das die Hoteldirektion auf die Idee verfallen liess, am Abend im Aufenthaltsraum ein Fass Glühwein zur freien Konsumation aufzustellen? Oder ein Beitrag zur vom Bund propagierten Strategie gegen die Coronadepression, Erfüllung der gesundheitspolitischen Bürgerpflicht eines jeden Hoteliers quasi?

Erfüllt waren nach dem Genuss des Gesöffs polnischer Elektriker und getrennter Mittelalterlicher gleichermassen.

Zusammen mit einem guten Dutzend weiterer Gäste torkelten sie alsbald durch den Raum. Man war sich einig: Wir können Corona – und Corona uns auch. Der Kater tags darauf war höchst verdient.