Glosse
Salzkorn

Zu den tragischen Szenen vor den Schweizer Schulhäusern am ersten Schultag.

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

Gestern ist es vor den Schulhäusern dieses Landes zu herzzerreissenden Szenen gekommen. Familien wurden auseinandergerissen. Tiefe Bande, von langen Sommerferien frisch gestärkt, wurden jäh zerschnitten.

Väter – in wenigen Fällen Mütter – standen verloren auf Pausenplätzen und wussten nicht, wie ihnen geschah. Erwachsenentränen durchnässten Coronamasken.

Was war geschehen? Schulleitungen sahen sich da und dort veranlasst, zum Schulanfang nur noch einen Elternteil ins Klassenzimmer zu lassen.

Was bis vor wenigen Jahren der Normalfall war – nämlich, dass sich mit der Erstgixin einer (oder keiner) zum ersten Schultag aufmacht – gilt heute als Inbegriff des totalen Ausnahmezustands. Als füdliblutter Beweis, wie Grundrechte, Menschen und das Leben überhaupt vom Staat mit Füssen getreten werden.

Und es kommt noch dicker: Auch zu vielen Elternabenden ist nur Mama oder Papa erwünscht. Auf die Idee, dass der Erstgix es schätzen könnte, wenn einer von beiden bei ihm zu Hause ist, scheint niemand zu kommen.