«Auf ein Wort»-Kolumne
Allerlei «Züüg» im Idiotikon – wofür es alles steht

In seiner aktuellen Mundartkolumne erklärt Niklaus Bigler, woher das Universalsubstantiv «Züüg» kommt. Und welche Worte davon abstammen.

Niklaus Bigler
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Weder bei Jung noch Alt gern gesehen: Eitrige Akne.

Weder bei Jung noch Alt gern gesehen: Eitrige Akne.

Altmeyer

Im Januar ist ein neues Heft des Schweizerischen Wörterbuchs erschienen. Es trägt die Nummer 227 und enthält fast nur Wörter, die zur etymologischen Gruppe von Züüg gehören.

Dieses Wort (althochdeutsch giziug, ziug) ist mit dem Verb zie, ziehen verwandt, und so bezeichnet es ursprünglich Sachen oder Personen, die gewissermassen zur Hilfe herangezogen werden. Dazu gehört eigentlich auch der Züüge (Zeuge), der sich aber grammatisch längst vom Züüg (Zeug) gelöst hat.

So ein Züüge kann auch stumm sein, nämlich in Form einer Scherbe, die beim Setzen eines Marchsteins mit eingegraben wird – als zusätzliche Beglaubigung.

Jeder Beruf braucht sein Züüg als Arbeitsgerät, sei es nun Wärchzüüg im engeren Sinne oder die Ausrüstung etwa eines Fischers (Fischzüüg) oder eines Soldaten (Militäär-, Manns-Züüg).

Die Kinder haben ihr Gvätter(li)- oder Spilzüüg. Als Züüg werden unter anderem auch Stoffe und Wäsche bezeichnet. Da gibt es Bauelezüüg (Baumwolle), Strichlizüüg, gstrichlets Züüg (gestreifte oder karierte Stoffe). Zum Haushalt gehört Chuch-, Tisch- und Bettzüüg; bschisses Züüg nannte man die Schmutzwäsche.

Den Arzneien im Allgemeinen sagte man Apiteegger-, Gütterli-, Tokterzüüg. Züüg (und Mateeri) war auch eine alte Benennung des Eiters. Wer imene Züüg isch, ist aufgeregt, wenn aber eine Frau s Züüg het, ist die Men­struation gemeint.

Dann noch das abwertende Zeug: Tumms cheibe Züüg! Dazu kommen Zusammensetzungen wie Fotzel-, Hudel-, Lumpe-, Lappi-, Laarifaarizüüg. Man kann bei Züüg ohne Übertreibung von einem Universalsubstantiv sprechen, sowie tue und mache Universalverben sind.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).