Die fast schon eisigen Temperaturen am Morgen ermahnen uns: Die Zeit, wo wir uns vermehrt in den eigenen vier Wänden aufhalten, wird unweigerlich kommen. Und dann wollen wir uns ein Stück Natur ins Haus holen.

Wurden Zimmerpflanzen lange mit Spiessigkeit gleichgesetzt, sind sie mittlerweile zum unverzichtbaren Einrichtungsaccessoire geworden. Mit gutem Grund. Sie sind nachhaltiger als Schnittblumen und bringen Leben in die Räume. Und sie werden umsorgt wie kleine Kinder. «Das ist eine sinnerfüllte Tätigkeit, die belohnt wird», findet die Buchautorin Ursula Kopp. «Sich mit ihnen zu beschäftigen, gibt einem das Gefühl, mit der Umwelt in Einklang zu sein.»

Nicht weiter erstaunlich, dass auch Gudrun Ongania, Geschäftsführerin und Gründerin von VEGandthecity in Zürich und Winterthur vor allem in den Wintermonaten eine grosse Nachfrage nach Zimmerpflanzen feststellt. «Besonders kleinere Zimmerpflanzen und Sukkulenten sind sehr beliebt.»

Das Raumklima verbessern

Seit 2016 habe sich der Umsatz von Zimmerpflanzen jährlich verdoppelt. Obwohl die meisten Pflanzen als pflegeleicht gelten, gibt es für Gudrun Ongania doch drei wichtige Punkte zu beachten: Die Pflanze braucht einen genügend grossen Topf; es braucht die richtige Pflanze für den richtigen Standort; und die Pflanze muss regelmässig gegossen werden.

Sich Zimmerpflanzen als Zierde anzuschaffen, ist das eine. Das andere: Sie wirken auch wohltuend auf unseren Körper, fördern die Konzentration und Kreativität – und wirken sogar entgiftend. Das ist in geschlossenen Räumen besonders wichtig. Schliesslich atmen wir täglich zehn bis zwanzig Kubikmeter Luft ein.

Bei all den Anstrichen, Polstermöbeln und sonstigen giftigen Stoffen im Haus ist das nicht ohne. Es gibt ein paar Helden unter den Zimmerpflanzen (siehe Box), die das Raumklima genauso gut verbessern können wie Luftbefeuchter oder Klimageräte. Eine Studie der Nasa zeigt auf, dass Zimmerpflanzen die Konzentration von Formaldehyd, Benzol, Xylol, Trichlorethylen und anderen Schadstoffen in geschlossenen Räumen erheblich verringern können.

«Detox», entgiften, heisst das Schlagwort, und diese Arbeit kann man den Pflanzen überlassen. In ihrem kürzlich erschienenen Buch «Saubere Luft mit Zimmerpflanzen» erklärt Ursula Kopp, wie das funktioniert. Die Pflanzen erhöhen nämlich nicht nur die Luftfeuchtigkeit (90 Prozent des Giesswassers gehen wieder in die Luft) und die Sauerstoffkonzentration, indem sie Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln, sondern verringern auch den Anteil der schwebenden Staubpartikel.

Denn diese setzen sich auf den Pflanzenblättern fest, wenn die Raumluft über ausreichende Feuchtigkeit verfügt. Besonders effizient sind zum Beispiel Gerbera oder Usambaraveilchen mit ihren samtigen Blättern. Aber auch der Gummibaum oder die Birkenfeige wirken als Staubfilter.

Spannend zu erfahren, dass ein sogenannter Transpirationssog dafür sorgt, dass eine Pflanze über ihre Blätter ständig einen Wasserdampf abgibt, wodurch rund um die Pflanze eine Luftströmung entsteht. Der Dampf steigt nach oben, die Zimmerluft wird nach unten in die Erde gezogen, wo die Schadstoffe durch Mikroben unschädlich gemacht werden. Diese Effekte lassen sich optimieren, indem man Pflanzen mit dichtem oder grossem Blätterwerk wählt.

Die grünen Detox-Helden arbeiten aber auch direkt via ihre Blätter, über die sie Gase aufnehmen, verarbeiten und in die Wurzeln weiterleiten. Dort dienen sie den Mikroorganismen als Nahrung. Alleskönner sind die Pflanzen natürlich trotzdem nicht, deshalb ist ausreichendes, richtiges Lüften der Räume nach wie vor wichtig.

Prominent in Szene setzen

Für den Dschungel zu Hause sollten ausser der richtigen Pflanzenwahl – Ursula Kopp listet die 50 besten Pflanzen auf und kategorisiert sie – ein paar Kriterien beachtet werden. Allem voran der Standort. Er ist so wichtig wie draussen im Garten, auch wenn der Grossteil der Zimmerpflanzen einen hellen, warmen Platz und nicht zu trockene Luft bevorzugt. Einige brauchen auch halbschattige und feuchte Umgebung, andere sogar Schatten.

Was die Lichtverhältnisse angeht, sollte man sich nicht nur auf die eigenen Augen verlassen. Wir empfinden Licht oft schon als hell, wenn es den Pflanzen aber bereits zu dunkel ist.
Ein guter Rat noch zuletzt: Setzen Sie die Helden prominent in Szene und schieben Sie sie nicht irgendwo hinter ein Sofa oder auf ein verstecktes Fensterbrett. Man soll schliesslich sehen, wer uns so viel Gutes tut. Diese Beachtung haben unsere Zimmerpflanzen verdient.

«Saubere Luft mit Zimmerpflanzen», Ursula Kopp, Bassermann-Verlag, 112 S., Fr. 15.90.