Getestet
Ohrhörer mit Loch als Statement für die Demokratie

Mit Kopfhörern im Ohr verpasst man die spannendsten Dinge, die um einen herum passieren. Sony hat jetzt aber einen Weg gefunden, den eigenen Sound und Small-Talk-Bereitschaft zu kombinieren.

Raffael Schuppisser
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Die löchrigen «Link Buds»-Kopfhörer von Sony

Die löchrigen «Link Buds»-Kopfhörer von Sony

Bild: zvg

Lukas Bärfuss, der auch schon mit dem neuen Max Frisch verwechselt wurde, sieht in Noise-Cancelling-Ohrhörern «eine Bedrohung für die Demokratie». Kopfhörer, die Geräusche unterdrücken, seien Kriegsmaterial wie Granaten. Sie wurden erfunden, um Kampfpiloten von der Umwelt abzuschirmen.

Wer will sich da noch solche Dinger in die Ohren quetschen? Ich habe mir deshalb die Link Buds von Sony geholt. Die kleinen Ohrhörer haben in der Mitte ein Loch, sodass Umweltgeräusche in den Gehörgang strömen können. Transparenz statt Abschottung.

Die Form ist verblüffend. Sie erinnert an eine Acht oder an die Unendlichkeit. Noch faszinierender: Die Hörer wiegen so gut wie nichts. Im Ohr halten sie bestens. Beim Telefonieren verstehen mich meine Gesprächspartner gut; in meinen Ohren klingen sie aber etwas weit weg. Exzellent höre ich hingegen meine Mitmenschen in der Umgebung, ohne die Hörer rauszunehmen. Loch sei Dank.

Der Sound stimmt auch, wobei ein bisschen mehr Druck auf den Bass toll wäre. Als ich aber zwischen Schnellstrasse und Bahnlinie spazierte und den Protestsong «Fight the Power» von Public Enemy höre, mischten sich in die satten Beats Strassenrauschen und Schienenlärm. Ob das hilft im Kampf für die Demokratie?

Sei’s drum. Bemerkenswert finde ich was anderes: Zuhause angekommen, setzte ich die Hörer gar nicht mehr ab. Ich hab sie schlicht vergessen, so leicht sind sie. Eine Studie sagt, dass 17 Prozent der Airpod-Nutzer die Apple-Hörer auch beim Sex tragen. Ich denke, bei den Link-Buds-Trägerinnen sind es noch mehr.

Montage: CHM
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