Cannabis ist nicht nur in Kanada wegen der Legalisierung gerade offenkundig sehr beliebt – auch hierzulande erlebt die Blüte als Heilpflanze einen regelrechten Boom. Die legale Variante CBD-Hanf ist inzwischen bereits in Shops erhältlich. Aber auch Cannabis mit dem eigentlich illegalen Inhaltsstoff wird in der Medizin immer häufiger zur Schmerzbehandlung eingesetzt. Der Regionalsender Tele M1 hat in der Sendung «CheckUp» eine Patientin besucht.

Rosina Fernandez Domingues leidet seit mehr als 20 Jahren unter Arthritis. Wegen dieser Autoimmunerkrankung, einer akuten Gelenksentzündung, ist die ehemalige Immobilienverwalterin im Leben und besonders in der Bewegung stark eingeschränkt – die Schmerzen sind selbst nach wenigen Schritten zu gross.

Dazu sagt die Spanierin: «Das ist keine Lebensqualität mehr.» Ohne den Glauben an Gott, so betont sie, hätte sie nicht die Kraft, am Leben zu bleiben.

Alle medikamentösen Therapien zeigten bezüglich der Schmerzen kaum einen Erfolg. Doch das hat sich geändert: Seit zweieinhalb Jahren nimmt sie THC-haltiges Cannabis-Öl zu sich, was die Schmerzen um 50 Prozent reduziert habe.

Konrad Maurer, Leider des interdiszipliniären Schmerzabmulatorium des Unispitals Zürich, wo das Öl verschrieben wurde, betont, dass Cannabis aber nicht einfach mit einem Schmerzmittel gleichzusetzen sei. Der Einsatz lohne sich nur bei gewissen, vor allem chronischen Schmerzen.

«Bei Kopfweh oder akuten Verletzungen hilft es nicht – es ist also kein Schmerzmittel im herkömmlichen Sinn. Aber es kann Schmerzen modulieren», führt Maurer aus. Dabei gehe es um das Schmerzempfinden einer Person – die Schmerzen seien zwar da, aber man könne besser damit umgehen.

Für den Einsatz des THC-haltigen und somit illegalen Cannabis als Medikament braucht es eine Ausnahmenbewilligung des Bundes, die in der Schweiz mittlerweile an rund 3000 Patienten vergeben wurde.

Konrad Maurer ist von der Wirksamkeit der Therapie mit THC-haltigem Cannabis allerdings etwas ernüchtert. Grund dafür sind zwei Zahlenwerte.

Nur bei jedem 40. Patienten zeigt die Therapie wirklich Erfolg. Demgegenüber treten aber schon bei jeder sechsten Behandlung wiederum Nebenwirkungen auf, die zu einem Abbruch der Therapie oder gar schlimmeren Folgen führen.

Konrad Maurer: «Im Kontrast besteht hier ein relativ grosses Ungleichgewicht, das einem schon zu denken geben muss.»