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Aggressiver Pilz: Gibt es bald keine Bananen mehr?

Ein aggressiver Pilz bedroht den weltweiten Bananenanbau. Wissenschafter arbeiten fieberhaftan neuen, widerstandsfähigen Sorten – bislang aber ohne Erfolg

Bananen gehören heute so selbstverständlich ins Supermarktregal wie Äpfel und Kartoffeln. Die Früchte sind so beliebt, dass sie den achten Platz der am häufigsten angebauten Nahrungsmittel belegen. Die weltweite Nachfrage hat ihren Preis: Exportbananen werden in Monokultur angebaut, was sie hochgradig anfällig macht für Krankheiten.

Der derzeitige Schrecken aller Plantagenbesitzer heisst Tropical Race 4 (TR4). Der bodenlebende Pilz löst die sogenannte Panamakrankheit aus: Er befällt die Pflanzen über die Wurzeln und verstopft die Leitbahnen. Der Wasser- und Nährstofftransport versiegt, die Pflanze vertrocknet. Das Fatale an TR4: Es gibt kein wirksames Mittel gegen den Pilz. Einmal im Boden, bleibt er dort, denn TR4 bildet sogenannte Sporen, die mehrere Jahrzehnte in der Erde überleben.

In Asien brach die Panamakrankheit Ende der 1990er-Jahre aus. Seit Jahren schon warnen Agrarexperten vor der Ausbreitung des Pilzes, seit einigen Monaten immer dringlicher: TR4 hat den Sprung aus Asien heraus geschafft und wurde in Afrika und vor ein paar Wochen in Nordaustralien nachgewiesen.

Bananen haben keinen Sex

Die Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation der Vereinten Nationen (FAO) ist alarmiert und hat Anfang des Jahres einen Massnahmenkatalog zur Rettung der Banane verabschiedet. «Wenn wir keine Vorkehrungen treffen, ist die weitere Ausbreitung von TR4 unvermeidlich. Die Folgen wären verheerend», sagt Fazil Dusunceli, Pflanzenschutzexperte der FAO in Rom. Der Pilz vernichtet die Lebensgrundlage vieler Kleinbauern und ihrer Familien und Plantagenbesitzer verbuchen Ertragseinbussen in Millionenhöhe.

Gehandelt wird auch deswegen so entschlossen, weil sich die Geschichte zu wiederholen scheint: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts breitete sich die Panamakrankheit schon einmal in Lateinamerika aus. Dem Pilz fiel die damals vorherrschende Bananensorte Gros Michel zum Opfer. Noch heute schwärmen Kenner von ihrer Grösse und ihrem Aroma. Nach und nach mussten Plantagenbesitzer sie durch die Sorte Cavendish ersetzen: kleiner, weniger schmackhaft und wegen ihrer dünneren Schale empfindlicher beim Transport – aber resistent gegen den Pilz. 99 Prozent unserer Supermarkt-Bananen gehören der Cavendish-Sorte an.

Doch die einst widerstandsfähige Cavendish erliegt nun ebenfalls der Panamakrankheit, die nun der neue Pilzstamm TR4 auslöst. Ein Déjà-vu mit einem gravierenden Unterschied: Anders als damals existiert keine TR4-resistente Ersatzbanane, obwohl weltweit intensiv an neuen, krankheitsresistenten Bananensorten gearbeitet wird. Immerhin setzt der Bananenhandel jährlich 33 Milliarden Euro um.

Doch die Zucht der gelben Früchte ist eine Kunst für sich. Haben Sie sich etwa je gefragt, warum Bananen keine Samen haben? Selbstverständlich ist das nicht. Wildbananen haben Samen so gross wie Erbsen und so hart wie Stahl. Kulturbananen aber vermehren sich ohne Sex. Ihr Pollen ist steril. Ihre Blüten werden also nicht befruchtet und bilden deswegen keine Samen. Trotzdem erzeugen die Blüten Früchte – ein Phänomen, dass man Jungfernfrüchtigkeit nennt.

Bananen vermehren sich durch Schösslinge, sie klonen sich sozusagen. Das bedeutet: Alle Bananenpflanzen, egal, auf welchem Erdteil sie wachsen, sind genetisch identisch. «Das macht den Bananenanbau in höchstem Masse anfällig für Krankheiten wie TR4», sagt Altus Viljoen, Pflanzenpathologe und TR4-Experte an der Universität Stellenbosch in Südafrika.

Aufgrund ihrer Fortpflanzungsweise lassen sich neue Eigenschaften in Kulturbananen nur schwer erzeugen. «Kreuzt man andere Bananensorten ein, schmecken die Hybride nicht wie die gewohnte Cavendish – das schätzen Konsumenten nicht. Und krankheitsresistente Pflanzen bilden häufig weniger Früchte – das wiederum schätzen Züchter nicht», sagt Viljoen. Hinzu kommen Ansprüche an Lager- und Transportfähigkeit der Früchte. Entsprechend könne die Zucht einer perfekten Banane
20 Jahre beanspruchen.

Auch Gentechniker versuchen sich an der Bananenzucht. Doch bislang ohne zählbares Ergebnis. «Seitens der Gentechniker wurde seit den 1990er-Jahren viel versprochen. Aber die Entwicklung krankheitsresistenter Bananen ist offenbar auch mithilfe der Gentechnik nicht einfach», sagt Agustin Molina von Bioversity International, einer weltweit tätigen Agrarforschungseinrichtung. Für Schlagzeilen sorgt derweil eine genetisch veränderte Banane, die mit dem Provitamin A angereichert ist und in Kürze an Menschen getestet werden soll.

Die Debatte, die die Vitamin-Banane ausgelöst hat, zeigt einmal mehr, wie schwierig die Vermarktung genetisch veränderter Lebensmittel ist. «Würden Sie eine solche Banane essen? Das ist doch die eigentliche Frage», sagt Viljoen, «Cavendish-Bananen werden in Massen produziert, um Geld zu verdienen. Wenn Verbraucher sie nicht essen, hat eine resistente Pflanze keinerlei Wert.»

Neue Bananen braucht die Welt

Mithilfe der FAO sind nun global und lokal Aufklärungskampagnen über das TR4-Risiko geplant. Der Pilz überträgt sich nicht durch die Luft, sondern durch kontaminierte Erde oder Pflanzenmaterial. Ein paar Sporen, die an Schuhsohlen kleben, oder eine mit Erde verschmutzte Bananenkiste reichen aus, um den Pilz per Schiff oder Flugzeug über Kontinente hinweg zu verbreiten. «Erste Priorität hat die Verhinderung der weiteren Ausbreitung von TR4», sagt Dusunceli.

Um den Bananenanbau aber nachhaltig und weniger anfällig zu machen, müssen sich langfristig die Anbaumethoden ändern. Statt genetisch gleiche Bananen in Monokultur anzubauen, muss auf Artenvielfalt und genetische Variabilität gesetzt werden. Kleinbauern beherzigen das bereits: «Sie pflanzen verschiedene Bananensorten und Getreide an und sind nicht so stark von TR4 betroffen», so Dusunceli.

«Weltweit werden viele, sehr schmackhafte Bananen angebaut, die in keinem Supermarkt zu kaufen sind», sagt Viljoen, der hofft, dass sich das Bananenangebot in Zukunft erweitert. Dazu müssten Konsumenten aber gewillt sein, Bananen zu kaufen, die anders aussehen und anders schmecken, die nicht das ganze Jahr über verfügbar und die obendrein noch teurer sind.

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