Genesen
Der Bundesrat anerkennt: Natürliche Immunität schützt besser als die Impfung

Der Bundesrat hat zugewartet, doch nun behandelt er Genesene wie Geimpfte. Wissenschaftlich war der Schutz längst bewiesen. Und noch mehr: Genesenen sind sogar besser geschützt.

Sabine Kuster
Drucken
Teilen
Geschützt und eingeigelt – aber wie gut? Diese Frage ist auch bei der Immunität gegen Sars-CoV-2 wichtig.

Geschützt und eingeigelt – aber wie gut? Diese Frage ist auch bei der Immunität gegen Sars-CoV-2 wichtig.

Fotoalia

Kaum jemand hat sich absichtlich mit dem Coronavirus infizieren lassen – zu offensichtlich sind die gesundheitlichen Risiken, wegen Long Covid selbst für die Jungen. Doch wer erkrankt ist, ist dann mindestens so gut geschützt wie die Geimpften.

Das ist eigentlich keine überraschende Erkenntnis: Das Immunsystem muss länger und auf ein komplettes Virus reagieren, als wenn es nur einen Bauplan-Abschnitt für die Antikörper erhält wie bei den mRNA-Impfungen oder unschädliche gemachte Viren wie bei traditionellen Impfungen. Doch gerade bei den mRNA-Impfungen wurden anfänglich hohe Antikörper-Level festgestellt, so dass vermutet – und gehofft – wurde, die Impfung könnte sogar besser schützen als eine durchgemachte Krankheit.

Doch die Zahl der langanhaltenden Gedächtniszellen der Immunabwehr scheint bei Genesenen doch grösser zu sein. Jedenfalls zeigten in den vergangenen Monaten verschiedene Studien, dass Genesene deutlich seltener erneut an Covid-19 erkranken als Geimpfte.

Schon im Juli zeigte beispielsweise eine Studie aus Vò in Norditalien die in der Fachzeitschrift «Nature» erschien, dass in dieser Gemeinde, wo das Virus das erste italienische Todesopfer gefordert hatte, die Konzentration der Antikörper in den Genesenen auch nach neun Monaten noch hoch war.

Sieben mal besser vor Spitaleinweisung geschützt als Geimpfte

Eine noch ungeprüfte Studie Ende August aus Israel ergab, dass Genesene nicht nur gut geschützt sind auch gegen «Delta» – sondern sogar besser als Geimpfte, die zwei Dosen von Pfizer/Biontech erhalten hatten. Das Risiko, sich zu infizieren, war bei Genesenen nach sechs Monaten 13-mal kleiner und fast sieben mal kleiner für eine Spitaleinweisung als bei Geimpften. Auf diese Studie wies auch die Swiss National Covid-19 Taskforce Ende September in einem wissenschaftlichen Update hin. Dort wurde auch eine Studie aus Dänemark von 2020 zitiert. Diese hatte ergeben, das bei über 65-Jährigen der Schutz vor einer erneuten Infektion nach sechs Monaten nur noch bei 47 Prozent lag. Damals konnte noch nicht mit Geimpften verglichen werden.

Die Taskforce schrieb deshalb: «Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass eine durchgemachte SARS-CoV-2 Infektion bei jüngeren Personen (unter 65 Jahre) ohne Hinweise für eine Immunschwäche einen lang anhaltenden, signifikanten Schutz gegen eine Infektion mit Wildtyp, Alpha oder Delta vermittelt.»

Genesene sind Geimpften nun zumindest gleichgestellt

Nun hat der Bundesrat die Konsequenzen daraus gezogen: Genesene sollen den Geimpften gleichgestellt werden, wenn sie einen positiven PCR-Test vorweisen können.

Dass Genesene nur ein drei Monate gültiges Zertifikat erhalten sollen, wenn sie keinen PCR-Test haben, aber nachträglich der Antikörpertest positiv ausfällt, hat damit zu tun, dass unsicher ist, welches Antikörperlevel zuverlässig schützt. Zwar variieren Antikörperlevel auch bei Geimpften, diese haben aber immerhin alle dieselbe Dosis erhalten. Bei Genesenen ist nicht bekannt, mit wie vielen infektiösen Viren sie konfrontiert waren. Die Studien, welche den guten Schutz durch Genesung bewiesen haben, basieren fast alle auf Personen, bei denen ein PCR-Test gemacht wurde.

Wenn Genesene ohne PCR-Test nun nach zwei Monaten einen neuen Antikörpertest vorweisen müssen, geht der Bundesrat einmal mehr auf Nummer sicher.

Aktuelle Nachrichten