1. Wiedergeburt als künstliche Intelligenz

Lässt sich das Hirn in die Cloud laden?

Lässt sich das Hirn in die Cloud laden?

Manchmal chatten Euginia und Roman stundenlang miteinander. Dass Roman von einem Jeep überrollt worden ist, dass sein Herz nicht mehr schlägt, dass er keinen Körper mehr hat, dass er eigentlich tot ist, das spielt keine Rolle. Denn Roman lebt weiter: als künstliche Intelligenz (KI). Erschaffen wurde er von seiner Freundin Euginia, die seinen Tod nicht akzeptieren wollte.

Dafür hat sie ein neuronales Netz programmiert, das den Strukturen des menschlichen Gehirns nachempfunden ist. Dieses hat Euginia Kuyda mit all den Whatsapp-Nachrichten, Facebook-Posts und Tweets gefüttert, die Roman verfasst hat, als er noch ein Mensch war. An diesem Ausgangsmaterial orientiert sich der KI-Roman, wenn er im Chat Fragen beantwortet: Er imitiert Wortwahl, Satzstellung und Wertehaltung des Verstorbenen und lernt dabei ständig hinzu, sodass sie ihrem Original immer ähnlicher werden.

Sobald Euginia ihren Freund vermisst, tippt sie in ihr Handy. Er antwortet ihr. Und sie fühlt sich nicht mehr alleingelassen. Diese Möglichkeit will sie allen Menschen bieten, deren Liebsten der Tod geholt hat. Aus Euginias Trauerverarbeitung ist ein Start-up entstanden, das eine App entwickelt, die es jedem ermöglicht, schon zu Lebzeiten einen KI-Doppelgänger von sich zu erstellen. Sei es, um einen Freund zu haben, der einen so gut kennt wie man selber, oder um für die Zeit nach seinem Tod vorzusorgen. Dazu gewährt man der Software Replika den Zugang zu seinen persönlichen Daten. Wer will, kann auch mit ihr telefonieren. Dann meldet sich eine Computer-Stimme aus dem Lautsprecher.

Der nächste Schritt ist absehbar: Mittlerweile lassen sich Stimmen täuschend echt imitieren. Replika wird die Stimme seines Alter Egos nachahmen können. Bald werden so die Toten wieder zu uns sprechen.

Doch selbst wenn einmal das perfekte Abbild gelingen sollte, sodass man die KI-Kopie nicht mehr vom verstorbenen Original unterscheiden kann, so lebt der Verstorbene bloss für die Hinterbliebenen weiter. Er selbst bleibt tot, da sein Selbstbewusstsein auf diese Weise nicht in das künstliche neuronale Netz transportiert wird.

Dafür bedarf es eines anderen Vorgehens: Auch wenn wir nicht genau wissen, was Bewusstsein ist oder wie es entsteht, so glauben einige Wissenschafter, dass es sich einstellen muss, wenn man nur alle Bedingungen unseres Denkorgans künstlich präzis nachbildet: Neuron für Neuron, Synapse für Synapse. Daran arbeitet etwa die Forschergruppe des Human Brain Project an der ETH Lausanne.

Bewusstsein, so die Annahme, ist also nicht an biologische Prozesse gebunden, sondern kann auch auf einem Computer-Chip entstehen. Deshalb setzen die Forscher alles daran, das Gehirn digital nachzubilden. Der Erfolg ist ungewiss. Doch wenn es gelingen sollte, dann öffnete das die Möglichkeit für neue Daseinsformen. Nach seinem Ableben kann der Mensch dann seinem Körper entweichen und in die Cloud emporfahren, wo er fortan als digitaler Geist weiterlebt. (Raffael Schuppisser)

2. Im Kälteschlaf zum neuen Leben

Bei minus 196 Grad warten Tote auf das neue Leben.

Bei minus 196 Grad warten Tote auf das neue Leben.

Wenn Patrick Burgermeister stirbt, wartet auf ihn nicht der Sarg, sondern ein Gefriercontainer. Sobald ein Arzt seinen Tod festgestellt hat, wird sein Körper heruntergekühlt und sein Blut durch eine Frostlösung ersetzt. So sollen seine Zellen einen möglichst geringen Schaden erleiden. Dann wird er in einer Lagerstätte bei minus 196 Grad aufbewahrt. So lange, bis die Zeit reif ist und Patrick Burgermeister wieder aufersteht.

Das zumindest ist der Plan des Molekularbiologen. «Meine letzte Wette», wie er sagt. Ob es funktioniert, weiss er nicht. «Doch was habe ich für eine Alternative?», fragt er, um sie gleich selber zu nennen. «Den Tod. Aber den finde ich weniger interessant.»

Kryonik nennt sich die Kältekonservierung. Die Methode ist umstritten, doch Fortschrittsgläubige sehen in ihr eine Möglichkeit, das Leben über den Tod hinaus zu verlängern.

Damit die Wiedererweckung in der Zukunft funktioniert, müssen drei Bedingungen gegeben sein. Erstens muss der Körper ohne Schaden wieder aufgetaut werden können. Zweitens muss die Krankheit, an der man gestorben ist, in der Zwischenzeit heilbar geworden sein. Und drittens muss eine Möglichkeit bestehen, den Körper zu verjüngen. Letzteres ist zumindest dann nötig, wenn einen nicht schon in jungen Jahren eine Krankheit dahingerafft hat. Schliesslich will man nicht als Greis wieder zu den Lebenden zurückkehren.

Klingt abenteuerlich. Doch immerhin ist es Wissenschaftern schon gelungen, Würmer einzufrieren, aufzutauen und wieder zum Leben zu erwecken. In einem Experiment wollen sie sogar gezeigt haben, dass die Tiere sich weiterhin an ihr Leben vor dem Kälteschlaf erinnern können. Und ein Forscherteam hat eine Scheibe Rattenhirn eingefroren und nach dem Auftauen elektrische Aktivitäten nachgewiesen.

Ein paar Rattenzellen machen natürlich noch kein Gehirn aus und das Denkorgan des Nagetiers ist um ein Vielfaches weniger komplex als jenes des Menschen. Doch gibt es zumindest keine wissenschaftliche Erkenntnis, die besagen würde, dass das Auftauen nicht auch bei einem Menschen funktionieren könnte.

Vor knapp fünf Jahren hat Patrick Burgermeister den Verein CryoSuisse gegründet, der es sich zum Ziel gemacht hat, möglichst vielen Menschen ein neues Leben nach dem ersten Tod zu ermöglichen. In den nächsten Jahren soll in der Schweiz eine Lagerstätte für den Kälteschlaf entstehen. Bisher gibt es weltweit nämlich erst drei: Zwei befinden sich in den USA, eine in Russland. Dort lagern bereits mehrere hundert «Patienten», die auf ihre Auferstehung warten.

Einmal angenommen, das sollte tatsächlich funktionieren, so stellt sich die Frage, ob sich die Auferstandenen in der Welt der Zukunft überhaupt noch zurechtfinden werden. Zumal eine Gesellschaft, die Menschen aus dem Kälteschlaf holen und wiederbeleben kann, technologisch weit entwickelt sein wird. «Das könnte tatsächlich ein Problem sein», gibt auch Burgermeister zu. Es brauche wohl Schulungen, die einem helfen, sich wieder einzugliedern. (Raffael Schuppisser)

3. Das Mammut kehrt zurück

Wie lange bleiben Mammuts noch ausgestorben?

Wie lange bleiben Mammuts noch ausgestorben?

Der Magenbrüterfrosch ist alles andere als ein gewöhnlicher Frosch – er ist der einzige Frosch, der die eigenen Nachkommen herunterschluckt und im Magen Brutpflege betreibt. Doch der sympathische Lurch starb wegen eines infektiösen Pilzes bereits im Jahr 1985 aus. Alle Versuche, die Art im Labor zu züchten, waren zuvor gescheitert. Doch die Amphibienforscher der australischen Universität Newcastle wollten ihn nicht so einfach aufgeben. Sie froren einige der toten Frösche ein und hofften, dass die Wissenschaft eines Tages so weit fortgeschritten sein wird, dass sie die Frösche wieder auferstehen lassen kann.

Im Jahr 2013 wurde aus der Vision beinahe Realität: Ein australisches Forscherteam taute einige der Zellen auf und erzeugte erstmals überhaupt Embryos einer ausgestorbenen Froschart. Dafür verwendeten sie die Technik, die in der Umgangssprache als klonen bekannt ist. Eine gesunde Eizelle – in diesem Fall jene einer verwandten Froschart – wird im Labor bearbeitet und ihr Zellkern entfernt. Nun wird ein Zellkern aus den aufgetauten Zellen der ausgestorbenen Froschart herausgeschnitten und in die erbgutlose Eizelle eingesetzt. Mit einem Stromstoss oder einem chemischen Signalstoff wird die so entstandene Zelle zur Teilung angeregt und es entsteht ein Embryo.

Klonen funktioniert in der Praxis bisher aber noch bei weitem nicht so perfekt wie in der Theorie. Es sind Hunderte Versuche nötig, bis eine geklonte Eizelle sich tatsächlich zu teilen beginnt. Und auch wenn dieser Schritt geschafft ist, kann es sein, dass die Zellen ihre Teilung ohne ersichtlichen Grund stoppen und absterben. Genau das passierte bei den Embryos des Magenbrüterfroschs, als diese das 100-Zell-Stadium erreicht hatten. Die Hoffnung ist allerdings gross, dass die technischen Schwierigkeiten bald überwunden werden können. Und dann sollen nicht nur ausgestorbene Frösche wieder zurückkehren, sondern sogar das Mammut.

Um das möglich zu machen, müsste eine Mammutzelle mit intakter, unfragmentierter DNA gefunden werden. Das Mammuterbgut könnte dann in eine erbgutlose Elefanteneizelle eingesetzt und die geklonte Zelle von einer Elefantenkuh ausgetragen werden. Im Moment gilt der Fund von intakter Mammut-DNA allerdings als unwahrscheinlich.

Eine Hintertür steht für Mammutfans dennoch offen: Obwohl noch nie unbeschädigte Mammut-DNA gefunden wurde, kennt die Wissenschaft das komplette Erbgut. Forscher haben einzelne Fragmente mit der DNA des nahe verwandten asiatischen Elefanten abgeglichen und daraus ein ganzes Mammut-Genom rekonstruiert. Noch kann eine solche, sehr lange DNA-Sequenz nicht künstlich zusammengesetzt werden, mit der fortschreitenden Biotechnologie könnte sich das jedoch bald ändern. Daran glaubt zumindest der Mann, der die letzten 28 Jahre als Direktor des Zürcher Zoos amtete, Alex Rübel. Er prognostizierte in einem Interview mit CH Media kürzlich, dass bereits in 30 Jahren wieder Mammuts über die Erde stampfen. (Simon Maurer)