Forschung
Erkenntnis für den Alltag: Um als angenehm empfunden zu werden, sollte eine Umarmung nicht zu kurz sein

Aber aufgepasst: Männer und Frauen umarmen anders, je nachdem, welches Geschlecht ihr Gegenüber hat.

Joachim Czichos
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Wie lange drücken ist gut? Die Forschung gibt Antwort.

Wie lange drücken ist gut? Die Forschung gibt Antwort.

Bild: Getty

Umarmungen wirken sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus: Der Blutdruck sinkt, die Stimmung bessert sich und das Immunsystem wird stimuliert. Wie man den stärksten Wohlfühleffekt beim Umarmen erzeugt, haben britische Psychologen jetzt genauer untersucht. Demnach sollte der enge Körperkontakt mindestens fünf Sekunden anhalten, wobei die Position der Arme weniger wichtig ist, schreiben die Forscher im Fachblatt «Acta Psychologica».

Männer umarmen sich meist, indem sie einen Arm hinter der Schulter und den anderen hinter der Hüfte des anderen positionieren. Bei Frauen werden häufiger mit beiden Armen entweder die Schultern oder die Hüfte umfasst. Der optimale Umarmungsdruck ist noch ungeklärt. Der dürfte wohl von der persönlichen Beziehung zwischen den Umschlungenen abhängen.

Männer umarmen anders als Frauen

«Bisherige Forschungen haben ergeben, dass Umarmungen als emotionale Stütze dienen und beim Stressabbau helfen könnten», schreiben die Forscher um Michael Banissy von der University of London. Es sei aber nicht ausreichend untersucht, wie Dauer und Art der Umarmung die erzeugten Gefühle beeinflussen.

An einer ersten Laborstudie beteiligten sich 45 junge Frauen. Deren Aufgabe bestand darin, mit verbundenen Augen eine für sie fremde Frau einmal fünf und einmal zehn Sekunden lang auf zwei verschiedene Arten zu umarmen: Es zeigte sich, dass der Wohlfühl­effekt nach den beiden länger andauernden Umarmungen stärker war, die Position der Arme spielte dagegen kaum eine Rolle.

Im zweiten Teil der Studie forderten die Forscher meist junge männliche und weibliche Passanten auf dem Uni-Campus auf, sich zu umarmen. Dabei wurde die emotionale Beziehung zwischen den jeweiligen Paaren dokumentiert. Die Auswertung von hundert Umarmungen zeigte deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Mehr als 80 Prozent der Männer umarmten einen anderen Mann mit einem Arm um die Schulter und dem anderen um die Hüfte. Doch fast 50 Prozent der Frauen wählten die alternative Methode, wenn sie eine Frau oder einen Mann umarmten. Weder die emotionale Beziehung noch Unterschiede in der Körpergrösse der Testpaare hatten einen Einfluss auf die Armposition.

Anderen Untersuchungen zufolge dauert eine Umarmung im Schnitt drei Sekunden. Ab welcher Dauer sie als unangenehm empfunden wird und welche Bedeutung der mit den Armen ausgeübte Druck dabei hat, ist noch nicht untersucht.

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