Haustiere
Mehr Dosenfleisch, dafür weniger Vögel: Diese Diät hält Katzen vom Jagen ab

Eine Umstellung im Speiseplan schützt Vögel und Mäuse mehr als Spielzeuge und auffällige Halsbänder – hat aber einen anderen Nachteil.

Jörg Zittlau
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Auf der Jagd – als wäre der Napf zuhause nicht voll.

Auf der Jagd – als wäre der Napf zuhause nicht voll.

Bild: Getty

Naturschützer sehen es mit Entsetzen und auch die Halter sind nicht gerade glücklich darüber: Katzen lassen das Mausen nicht. Sie sind exzellente Jäger, und zeigen das auch, wenn sie es nicht mehr brauchen. Sie erlegen weltweit zig Millionen Vögel, Kleinsäuger und Reptilien pro Jahr.

Allein in Holland sollen es über 140 Millionen sein, weswegen Juristen dort bereits ein Ausgehverbot für den Schmusetiger fordern. Was freilich so gar nicht dessen Natur entspricht. Glücklicherweise kann man, so das Ergebnis einer Studie der University of Exeter, die Jagdgelüste katzenverträglicher dämpfen.

Das englische Forscherteam um Robbie McDonald über­prüfte an 355 Hauskatzen im Südwesten Englands, wie man am besten deren Jagderfolg bremsen kann. Zu den getesteten Methoden gehörte das Anlegen eines klingelnden oder eines optisch auffälligen Halsbandes sowie ein Intelligenzspielzeug mit versteckten Leckerbissen, das den Jagdinstinkt der Katzen nachhaltig befriedigen und dadurch in freier Wildbahn dämpfen soll. Eine weitere Strategie bestand aber auch darin, einfach das Futter auf eine proteinreich-tierische Kost umzustellen – und genau das sollte sich als erfolgreich herausstellen.

Denn Halsbänder mit akustischen oder optischen Signalen zum Warnen der potenziellen Beutetiere zeigten zwar eine Wirkung bei Vögeln, nicht aber bei Mäusen und anderen Bodentieren. Ganz zu schweigen davon, dass auffällige Kragen die Bewegungsfreiheit der Streuner einschränken.

Spielzeug steigert den Jagderfolg sogar

Das Intelligenzspielzeug steigerte sogar ihren Jagderfolg um mehr als 30 Prozent. «Vermutlich hat hier das Prinzip, die Tiere umständlich nach dem Lösen einer Aufgabe zu füttern, sie erst recht hungrig werden lassen», erläutert McDonald. Man sollte eben nicht auch noch den IQ der ohnehin schon intelligenten Räuber anregen.

Doch Katzen, deren Futter man auf tierische Eiweisse umgestellt hatte, brachten um 36 Prozent weniger Beute nach Hause. Und das galt gleichermassen für Vögel und Kleinsäugetiere, erläutert McDonald, der in Exeter am Institut für Umwelt und Nachhaltigkeit forscht.

Pflanzliches Katzenfutter schont aber das Klima

Er vermutet, dass nur tierische und proteinreiche Kost tatsächlich alle Nährstoffe liefert, die eine Katze als ausgesprochener Fleischfresser benötigt. Das heutzutage im Handel verbreitete Futter hingegen – mit Soja als Eiweissquelle oder auch Gemüse wie Katzenminze und Möhren – liesse viele physiologische Bedürfnisse des Tieres unbefriedigt. Mit der Folge, dass es im Freien weiterhin nach hochwertigen Eiweissquellen sucht.

Bleibt festzuhalten, dass auch eine Fleischdiät es nicht schafft, das Raubtier komplett zu zähmen. «Sie drinnen zu halten, ist der einzige wirklich sichere Weg, sie vom Jagen abzuhalten», betont McDonald. Und der Nachteil einer fleischlastigen Ernährung ist dieselbe wie beim Menschen: Sie verursacht deutlich mehr CO2.