Faktencheck
Tägliches Duschen ist ungesund – stimmt das? Ein St.Galler Dermatologe klärt auf

Will man Beiträgen in den sozialen Medien glauben, gibt es einen neuen Trend: Man verzichtet auf die tägliche Dusche. Unter anderem machen sich Hollywood-Stars wie Jennifer Aniston und Julia Roberts dafür stark. Welche Auswirkungen hat die tägliche Dusche auf den Körper? Marco Stieger ist Dermatologe und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Felicitas Markoff 2 Kommentare
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Welche Auswirkungen hat tägliches Duschen auf den Körper?

Welche Auswirkungen hat tägliches Duschen auf den Körper?

Bild: Getty Images

Die These: Es kursieren viele Theorien über das Thema Duschen. Der Wissenschaftsjournalist James Hamblin verzichtet zum Beispiel seit fünf Jahren auf die tägliche Dusche. Er ist der Ansicht, dass Wasser und Seife die natürliche Schutzschicht der Haut zerstören und somit der Gesundheit schaden. Auch viele Hollywood-Stars verzichten auf die tägliche Dusche, wie sie in den sozialen Medien preisgeben. Dazu zählen Jennifer Aniston, Julia Roberts oder Mila Kunis. Ist zu häufiges Duschen ungesund? Wir haben bei einem Fachmann nachgefragt.


Faktencheck mit Dermatologe Marco Stieger aus St.Gallen:

Dermatologe Marco Stieger.

Dermatologe Marco Stieger.

Bild: PD

Marco Stieger sagt:

«Aus dermatologischer Sicht ist tägliches Duschen in Ordnung, auch wenn es meistens nicht notwendig ist.»

In den allermeisten Fällen sei es aus hygienischen und sozialen Gründen auch in Ordnung zwei- bis dreimal in der Woche zu duschen. Und was passiert, wenn man sich zu häufig oder zu wenig duscht?

Wer zu häufig duscht, kann die oberste Schutzschicht, die aus abgestossenen Hautzellen sowie Fettzellen besteht, negativ beeinträchtigen. «Dadurch wird die Haut vermehrt äusseren Reizen ausgesetzt», erklärt Stieger. Das führt dazu, dass die Haut austrocknet und spröde wird. Zudem kann Juckreiz und die Entwicklung von Ekzemen begünstigt werden. Die Haut wird damit auch anfälliger für bakterielle Infekte. Wie schnell diese Schutzschicht durch das Duschen beeinflusst wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und abhängig von der Veranlagung. Stieger sagt:

«Obwohl es paradox erscheinen mag, trocknet Wasser die Haut aus.»

Die Schutzschicht kann sich aber wieder regenerieren. Sie braucht dafür meist die Unterstützung von aussen. Wie zum Beispiel der Rückfettungseffekt von Lotionen.

Wer zu wenig oder gar nicht duscht, wird nach einer gewissen Zeit wohl von seinen Mitmenschen gemieden, sagt Stieger. Die Reinigung der Haut von Schmutz, Bakterien oder Ungeziefer ist für ein angenehmes Sozialleben zu empfehlen.

Menschen mit Hauterkrankung sollten weniger duschen

Welche Rolle spielt der Hauttyp beim Duschen? Der Dermatologe sagt, dass der Hauttyp an sich keine Rolle spiele, sondern der anatomische Aufbau. Denn bei manchen Menschen sei dieser Aufbau der Hautbarriere aufgrund eines genetischen Fehlers gestört. Häufig handelt es sich bei diesen Menschen um Allergiker. Diese neigen zu einer trockenen Haut, welche auch Juckreiz oder Ekzeme entwickeln kann. Sie sollten wenn möglich weniger oft duschen. Insbesondere Menschen mit atopischer Dermatitis (früher auch Neurodermitis genannt) sollten auf zu häufiges Duschen verzichten.

Und wie lange sollte man sich überhaupt unter die Dusche stellen? Stieger sagt: «Fünf bis zehn Minuten reichen aus.» Dabei sollte man eine lauwarme Temperatur einstellen. Temperaturen ab 35 Grad lässt die Haut schneller austrocknen.


Fazit: Tägliches Duschen ist für die meisten Menschen nicht ungesund, aber auch nicht zwingend notwendig. Idealerweise duscht man sich zwei- bis dreimal in der Woche mit lauwarmem Wasser. Die Ausgangsthese von James Hamblin lässt sich also weder vollständig bestätigen noch widerlegen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Schreiben Sie es in die Kommentare.

Sie wollen eine These von uns überprüfen lassen? Schreiben Sie Ihren Vorschlag an online-tagblatt@chmedia.ch.

2 Kommentare
Elly Schickli

Ich bin 83 und dusche jeden Tag, gut warm ohne Chemi , danach dann kalt, richtig kalt. Den Kopf lasse ich. aber dabei aus!  Danach bin ich fitt für den Tag!!!

Susan Danuser

Ich glaube das Problem liegt vor allem bei den chemischen Duschmitteln; was da auf die Haut appliziert und nachher ins Wasser geschwemmt wird, ist für Mensch und Umwelt nicht förderlich - siehe Zutatenliste!. Ich wasche mir nur noch die Hände mit Seife (natürliche Seife, die abbaubar ist und nicht aus Plastikbehältern gedrückt wird!)

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