Verdrängung
Wenn der Markt wegbricht: Smartphones knipsen den Kameras das Licht aus

Weil Handys immer bessere Fotos machen, sind die Verkäufe von Kameras stark eingebrochen. Die klassische Kompaktkamera könnte dereinst überflüssig werden. Für Produkte von hoher Qualität wird jedoch der Markt bestehen bleiben.

Thomas Schlittler
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Das Smartphone (vorne) macht Kompaktkameras mit geringer Qualität überflüssig.Alex Spichale

Das Smartphone (vorne) macht Kompaktkameras mit geringer Qualität überflüssig.Alex Spichale

Im Weihnachtsgeschäft haben so gut wie alle grossen Kamerahersteller mit grossen Cashback-Aktionen geworben. Wer sich mit einer neuen Kamera eindeckte, bekam einen Teil des Kaufpreises zurückerstattet. Mit Generosität haben solche Angebote wenig zu tun. Vielmehr zeigen sie, wie verzweifelt die Kameraindustrie um die Gunst der Konsumenten buhlt.

Spiegelreflex: Ist die Zeit abgelaufen?

Konnte man sich früher nur zwischen einer Kompakt- und Spiegelreflexkamera entscheiden, heisst es heute eher: Will man Objektive wechseln oder nicht? Wenn ja, hat man die Wahl zwischen einer Spiegelreflexkamera und einer Systemkamera ohne Spiegel. Grösster Vorteil der Systemkamera gegenüber der Spiegelreflex ist das Gewicht und das Volumen. Da eine Systemkamera auf den Spiegel im Inneren verzichtet, ist sie bedeutend leichter. Durch die gleichen Sensoren ist die Bildqualität der Systemkameras ebenfalls sehr gut. Des Weiteren kann auch genauso mit der Schärfeniefe gespielt werden. Ein Nachteil der Systemkamera ist jedoch, dass sie eine grosse und schnell aufeinanderfolgende Bildanzahl oftmals weniger schnell verarbeiten kann als eine Spiegelreflex. Viele Experten sagen der Systemkamera eine goldene Zukunft voraus. (TSC)

Die Hersteller stehen unter Druck. Die Verkäufe sind in den letzten Jahren drastisch eingebrochen – auch in der Schweiz. Gemäss Zahlen des Interessenverbands der japanischen Fotoindustrie (CIPA) wurden im letzten Jahr nur noch halb so viele Kameras produziert wie im Rekordjahr 2010. Alleine gegenüber 2012 brach die Produktion 2013 um beinahe 40 Prozent ein. Mit Herstellern wie Canon, Fujifilm, Nikon, Olympus, Panasonic oder Sony ist die japanische Kameraindustrie nach wie vor das Mass aller Dinge.

An Berechtigung verloren

Am stärksten zurückgegangen sind die Verkäufe von Kompaktkameras. Diese sind klein, leicht zu transportieren und einfach bedienbar. Jahrelang waren Kompaktkameras damit perfekt für Hobbyfotografen ohne allzu grosse Ansprüche an die Bildqualität. Jederzeit griffbereit erfüllten sie ihren Zweck und hatten ihre Berechtigung – bis die Smartphones ihren grossen Siegeszug antraten.

«Seit sich die Bildqualität der Handy-Kameras verbessert hat, ist der Verkauf von Kompaktkameras im unteren Preissegment sehr stark eingebrochen», sagt Urs Tillmanns, Herausgeber von fotointern.ch, einem Schweizer Online-Magazin für Fotografie.

Der Fachmann geht nicht davon aus, dass dieser Trend wieder abflachen wird. Im Gegenteil: «Der Markt für billige Kompaktkameras dürfte auch dieses Jahr weiter zurückgehen.

Für diese hat es neben den immer besser werdenden Smartphones kaum noch Platz.» Weniger pessimistisch ist Tillmanns für qualitativ hochstehende Kompaktkameras sowie für Kameras mit Wechselobjektiven: «Diese haben nach wie vor ihre Berechtigung. Die Kompaktmodelle der oberen Leistungsklasse legen sogar deutlich zu, während es im Bereich der Spiegelreflex- und Systemkameras an innovativen Modellen fehlt, um vor allem auch junge Leute wieder für die Fotografie zu begeistern.»

Mangelnde Innovationskraft?

Betreffend Haptik und Bedienungsfreundlichkeit habe sich in der Kameraindustrie zu wenig getan, bemängelt Tillmanns: «Die Fotoapparate sehen immer noch gleich aus wie vor zehn Jahren. Zudem sind die Menüs bei vielen Kameras recht kompliziert.»

Im Moment würden die Anbieter ihre Produkte vorwiegend über den Preis verkaufen, echte Neuheiten seien Mangelware. «Neben der Smartphone-Konkurrenz und dem gesättigten Markt ist diese Trägheit sicher auch ein Grund für den Einbruch», so der Experte.

Die Hersteller sehen das naturgemäss anders. Sie betonen unisono, dass sie sich sehr wohl weiterentwickelt hätten. Ein Beispiel sei die Konnektivität: «Die meisten unserer Produkte verfügen mittlerweile über eine Funktion, die mithilfe des Smartphone-Netzes den Upload von Bildern ins Netz ermöglicht», schreibt Olympus.

Betreffend Kompaktkameras sind die Anbieter mit Tillmanns hingegen einer Meinung: Diese hätten nur eine Zukunft, wenn sie deutlich bessere Bilder liefern würden als Smartphones. Lukas Jufer, General Manager von Nikon Schweiz, sagt dazu: «Eine Marke braucht klar positionierte Geräte. Wir sind diesbezüglich sicher gut aufgestellt. Nikon stand schon immer fürs Fotografieren und nicht bloss fürs Dokumentieren.»

Wer Produkte von hoher Qualität anbietet – für die auch ein entsprechender Preis verlangt werden kann –, wird auch in Zukunft bestehen können. Für die Anbieter von Massenware dürfte es hingegen eng werden.