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Im Netz kursieren Verschwörungstheorien über das 5G-Netz – das sollten Sie wissen

Nicht mehr gebrauchte Frequenzen für das Antennenfernsehen werden für das 5G-Netz umgenutzt.

Nicht mehr gebrauchte Frequenzen für das Antennenfernsehen werden für das 5G-Netz umgenutzt.

Die Schweizer Mobilfunkanbieter rühren die Trommel für das Mobilfunknetz der 5. Generation. Bei Sunrise geht es Ende März los, Swisscom und Salt ziehen bis Ende Jahr nach.

Doch was die einen freut, verunsichert andere: Wie viele neue Antennen braucht es? Steigt mit 5G die Strahlenbelastung? Kann das neue Netz gar Krebs verursachen?

Nebst Warnrufen von seriösen Ärzten kursieren im Internet auch abstruse Verschwörungstheorien, die nur ein Ziel haben: Angst schüren. In einem Video wird etwa behauptet, das 5G-Netz habe bei einem Test in den Niederlanden dazu geführt, dass Hunderte gesunder Vögel plötzlich tot vom Himmel gefallen seien. Das ist Blödsinn.

Im Folgenden beantworten wir die drängendsten Fragen zum neuen Mobilfunkstandard 5G.

Was ist 5G?

5G ist der neue Mobilfunkstandard der fünften Generation, der das 3G- und 4G-Netz ergänzen wird. Konsumenten können nur mit neuen, 5G-fähigen Geräten von schnellerem Internet profitieren (zunächst zehn bis 20 Mal schneller als LTE). So lassen sich im besten Fall ganze Filme in wenigen Sekunden herunterladen oder Videos und Games in 4K- oder gar 8K-Auflösung streamen.

So schnell ist 5G im Alltag (Download einer 300 MB grossen Datei. Theoretisch wären bis zu 3000 Mbit/s möglich). gif: t-online

Im 5G-Netz können sich bis zu 1 Million Geräte pro Quadratkilometer ins Mobilfunknetz einloggen. Das sind 100 Mal mehr als heute. Die spürbarsten Vorteile dürfte 5G privaten Nutzern daher überall dort bringen, wo viele Menschen zusammenkommen und gleichzeitig online sein wollen.

Weit wichtiger als für Private ist das 5G-Netz für die Wirtschaft, da es für mehrere Zukunftstechnologien relevant werden dürfte. Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) erwähnt unter anderen folgende Anwendungen:

  • Internet der Dinge (IoT)
  • medizinische Anwendungen (eHealth)
  • selbstfahrende Fahrzeuge
  • Virtual Reality, Augmented Reality

Beispiel einer künftigen 5G-Anwendung: Augmented-Reality-Brillen zeigen Infos zum Verkehr, Gebäuden etc. in Echtzeit an. Video: Youtube/Sunrisespots

Diese neuen Technologien brauchen nicht zwingend ultraschnelles Internet, aber sehr stabile Verbindungen – und das 5G-Netz soll zwei bis drei Mal resistenter gegen Störungen sein als das 4G-LTE-Netz. Selbstfahrende Autos zum Beispiel wären auch ohne 5G möglich, aber ein Autopilot, der sich nur auf lokale Sensoren verlassen müsste, wäre weniger sicher als ein Autopilot, der zusätzlich in Echtzeit Verkehrsinformationen erhält. 

Was am Ende die «Killeranwendung» für 5G sein wird, muss sich erst noch weisen.

Welche Vorteile bringt 5G?

Der zentrale Vorteil des 5G-Netzes ist, dass es sich intelligent an den jeweiligen Erfordernissen der Geräte bzw. Anwendungen im Netz ausrichten kann.

Ein Netflix-Stream in sehr hoher Bildqualität verlangt zum Beispiel eine schnelle Datenübertragung, bei der Steuerung von Drohnen, Robotern in Fabriken oder der Vernetzung selbstfahrender Fahrzeuge werden hingegen nur kleine Datenmengen übertragen, die aber mit möglichst geringer zeitlicher Verzögerung ankommen müssen.

In einer Fertigungshalle wiederum kann 5G besonders viele Dinge und Maschinen gleichzeitig verbinden und in der Warenlogistik ist eine stromsparende Anbindung sehr vieler Elemente (z.B. Container) an das 5G-Netz zentral.

Der Ort einer Anwendung im Dreieck zeigt, welche 5G-Eigenschaft wie wichtig ist.

Der Ort einer Anwendung im Dreieck zeigt, welche 5G-Eigenschaft wie wichtig ist.

Konkret bietet das 5G-Netz folgende Vorteile:

  • Network Slicing: Jede Anwendung nutzt nur das Stück des 5G-Netzes, das sie braucht (zum Beispiel: Geschwindigkeit, Reaktionszeit oder Kapazität). Telekomfirmen können zudem Netzkapazitäten für Polizei, Ambulanz oder Feuerwehr reservieren, damit sie erreichbar bleiben, wenn das Handynetz in Krisenfällen zusammenbricht.
  • Kapazität: Es können massiv mehr Geräte gleichzeitig Daten übertragen. Waren 3G und 4G vor allem für Smartphones ausgelegt, kommen bei 5G gewaltige Mengen vernetzter Geräte hinzu – beispielsweise Industrie-Roboter, smarte Verkehrsampeln, die sich automatisch dem Verkehrsaufkommen anpassen oder autonom fahrende Autos. So kann ein 5G-Netz zum Beispiel in einer Fertigungshalle besonders viele Maschinen miteinander vernetzen.
  • Reaktionszeit: Mit 5G sinkt die Reaktionszeit auf einige wenige Millisekunden, sprich die Datenübertragung findet praktisch in Echtzeit statt. Die Sensoren und Assistenzsysteme in Autos sind beispielsweise darauf angewiesen, dass die Reaktionszeit gegen null tendiert, wenn Autos über das Mobilfunknetz direkt untereinander kommunizieren, um sich etwa vor Gefahren zu warnen. Auch die Medizin könnte profitieren: Denkbar wäre, dass eine spezialisierte Chirurgin von Kanada aus einen Roboter in einem Schweizer Spital in Echtzeit steuert, um an einem Patienten eine Operation durchzuführen.
  • Geschwindigkeit: Mit 5G sind bei uns zunächst Download-Geschwindigkeiten von 1 bis 3 Gbit/s (3000 Mbit/s) möglich. Dies ermöglicht im besten Fall hochaufgelöste 4K-Videostreams, selbst wenn sich andere Nutzer in der gleichen Funkzelle befinden. Mit zusätzlichen, höheren Frequenzbändern, die in der Schweiz erst in rund zehn Jahren zum Thema werden, wären nochmals deutlich höhere Downloadraten möglich.
  • Effizienz: Mit 5G kann der Energieverbrauch laut Swisscom «je übertragenem Bit um den Faktor Tausend gesenkt werden». Ein wichtiger Vorteil, da immer mehr Geräte via Mobilfunk direkt untereinander kommunizieren.

Wann / wie schnell bekommt die Schweiz 5G?

Die Schweiz gehört nach den USA, Südkorea und Chinaweltweit zu den ersten Ländern, die 5G lancieren. Swisscom betont, man wolle das neue Netz ähnlich schnell wie das 4G-Netz aufbauen und damit 99 Prozent der Bevölkerung erreichen. Stand heute gibt es allerdings nur vereinzelte Testnetze für wenige Nutzer. Eigentlich könnte es nun aber sehr schnell gehen: Swisscom, Sunrise und Salt haben die notwendigen 5G-Frequenzen bereits relativ günstig ersteigert und sind mit dem Resultat zufrieden, sprich es drohen keine langwierigen juristischen Auseinandersetzungen.

Aufgrund der strengen Strahlenschutzgrenzwerte in der «Verordnung über nichtionisierende Strahlung» wird der Bau eines flächendeckenden 5G-Netzes trotzdem mehrere Jahre dauern. Zudem wird es nicht so schnell sein, wie dies technisch möglich wäre. Denn in der Praxis bremst ein ungelöstes Dilemma den Ausbau.

Was Swisscom und Co. nur ungern sagen: Für ein leistungsfähiges 5G-Netz müssen die Sendeleistungen der bisherigen Mobilfunkstandorte erhöht (Strahlungsschutzgrenzwert gelockert) oder neue Antennen gebaut werden. Swisscom allein erstellt rund 300 Antennen pro Jahr. Die Telekomfirmen möchten aber auch die Sendeleistung erhöhen, da dies viel schneller und günstiger geht, als neue Antennenstandorte zu realisieren, die durch absehbare Einsprachen jahrelang verzögert würden. 

Das Parlament hat die Erhöhung des im internationalen Vergleich tiefen Strahlenschutzgrenzwertes 2018 abgelehnt. Das 5G-Netz kann trotzdem gebaut werden, etwa mit vielen kleinen Antennen, gegen die keine Einsprache erhoben werden kann. Das neue Netz wird für absehbare Zeit aber nicht so schnell sein, wie es technisch möglich wäre.

Weil der 5G-Netzausbau so oder so nur schrittweise erfolgt, gibt es kurzfristig nur ein lückenhaftes 5G-Netz. Der Bund schreibt Swisscom, Sunrise und Salt lediglich vor, dass bis spätestens am 31. Dezember 2024 mindestens die Hälfte der Bevölkerung abgedeckt sein muss.

Welche Regionen profitieren zuerst vom neuen Netz?

Sunrise versorgt 150 meist kleinere Gemeinden per Ende März 2019 mit 5G.

Sunrise versorgt 150 meist kleinere Gemeinden per Ende März 2019 mit 5G.

Wie bei jeder Generation werden die Mobilfunknetze der drei Provider schrittweise aufgerüstet:

  • Swisscom will bis Ende Jahr 60 Orte punktuell mit 5G versorgen. 2020 erfolge der Ausbau in die Breite.
  • Sunrise plant schon bis Ende März 2019 schweizweit 150 kleine bis mittelgrosse Gemeinden teilweise mit dem neuen Mobilfunkstandard zu versorgen.
  • Salt will ebenfalls noch 2019 mit dem 5G-Netz starten.

Da die bestehenden Mobilfunk-Antennen insbesondere in stark besiedelten Regionen stark ausgelastet sind und die Leistung aufgrund der aktuellen Strahlenschutzverordnung vorerst nicht erhöht werden darf, erhalten ländliche Regionen den Vorrang.

Macht 5G den Internet-Anschluss zu Hause überflüssig?

Nein. Glasfaser ist und bleibt schneller als 5G. In Städten und Agglomerationen wird weiterhin das Glasfasernetz vorherrschen, nur in dünn besiedelten Gebieten machen Internet-Anschlüsse via 5G wirtschaftlich Sinn. So soll 5G laut Sunrise helfen, ländliche Orte mit langsamen Kupferkabelnetzen, sprich ohne Glasfasernetz, mit einer schnelleren Internetverbindung zu versorgen.

Sunrise hat bereits ein Abo angekündigt, das Internet für zu Hause via 5G-Netz offeriert. Der Werbeslogan «Glasfaser durch die Luft» ist allerdings eine Mogelpackung, da die maximale Bandbreite im Mobilfunknetz auf alle Nutzer einer Funkzelle verteilt wird, während Glasfaser-Kunden eine zugesicherte Bandbreite haben. Damit die Bandbreite mit weniger anderen Kunden geteilt werden muss, müssten viele kleine Funkzellen realisiert werden. Das wiederum ist teuer, zumal jede Antenne einen Glasfaseranschluss braucht.

Internet über 5G ist also nur in wenig dicht besiedelten Regionen ohne schnelle Glasfaser-Anbindung eine Option.

Ist an den Panik-Videos und -Schlagzeilen gegen 5G etwas dran?

Nein.

Das kommende 5G-Netz nutzt vorerst nur Frequenzen, die im Bereich der bisherigen Mobilfunk- und WLAN-Frequenzen liegen. Es wird also in den gleichen Frequenzbereichen betrieben wie die Vorgängertechnologien.

Diese Frequenzen wurden früher bereits jahrzehntelang für die Verbreitung von Radio- und Fernsehsignalen via Funktürme genutzt (Antennenfernsehen). Als sie im Zeitalter des Kabelfernsehens frei wurden, wurden sie dem Mobilfunk zugeteilt. Kommt hinzu: In den USA und Asien werden die gleichen Frequenzen seit vielen Jahren für das Handynetz eingesetzt, ohne dass Vögel vom Himmel gefallen oder die Krebsrate gestiegen wäre. «Mit allen diesen Frequenzen hat man weltweit bereits viele Jahre lang Erfahrung bezüglich der Strahlung gesammelt», schreibt das BAKOM.

Aufsehen erregte jüngst auch eine Studie, bei der 7000 Ratten und Mäuse lebenslang täglich über neun Stunden der Mobilfunkstrahlung ausgesetzt wurden. Die Tiere entwickelten signifikant mehr bösartige Tumore. Da die Strahlungsintensität deutlich höher war, als dies im Alltag beim Menschen der Fall ist, lässt sich daraus nicht folgern, dass Handystrahlung das Krebsrisiko beim Menschen erhöht.

Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Die eigentlich kritisierten und für Menschen potenziell gefährlichen Frequenzen stehen in der Schweiz für den Mobilfunk in den nächsten Jahren gar nicht zur Verfügung.

Ist 5G für Menschen gefährlicher als bisherige Mobilfunk-Netze?

Unbestritten ist, dass das Mobilfunknetz laufend verdichtet wird. Symptome wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen treten deswegen nicht häufiger auf. Einzige Ausnahme: Menschen, die sich selbst als empfindlich für elektromagnetische Strahlung beschreiben.

Laut BAKOM ist bislang nur ein für den Menschen schädlicher Effekt von Mobilfunkstrahlung zweifelsfrei nachgewiesen worden: Die Erwärmung des Körpergewebes. Dies betrifft die Strahlung des Handys, wenn es direkt am Körper gehalten wird. Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko gibt es keine, heisst es beim Bund mit Verweis auf Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation.

An dieser Einschätzung ändert sich vorerst nur wenig, weil Swisscom, Salt und Sunrise für das 5G-Netz nur Frequenzen ersteigern durften, die seit Jahren als unbedenklich gelten. Ärzte warnen jedoch davor, dass das 5G-Netz in einer zweiten Phase zusätzlich mit hochfrequenten Millimeterwellen betrieben werden soll, deren Folgen für Menschen noch unklar seien. 

Wird der Strahlenschutz für das 5G-Netz aufgeweicht?

Aktivisten demonstrierten Anfang März vor dem Bundeshaus gegen das 5G-Netz.

Aktivisten demonstrierten Anfang März vor dem Bundeshaus gegen das 5G-Netz.

Der Schweizer Strahlenschutzgrenzwert ist rund zehn Mal strenger als im umliegenden Europa, bzw. als der von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgegebene Wert. Das gilt laut BAFU allerdings «nur für Orte, an denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit aufhalten. Hier soll die Langzeitbelastung möglichst niedrig gehalten werden.» Gemeint sind Wohnungen, Büros, Schulen, Kinderspielplätze etc. Vorerst ändert sich daran auch nichts. Der bislang für 3G und 4G geltende Grenzwert gilt auch für 5G.

Derzeit prüft aber eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des BAKOM, der Telekombranche und Ärzten, wie gross der Spielraum ist, den Grenzwert zu erhöhen. Die entscheidende Frage ist, ob der erwartete Nutzen des 5G-Netzes eine Lockerung rechtfertigt. Der Bericht soll bis Mitte 2019 vorliegen. Danach liegt der Ball bei Bundesrat und Parlament.

Das Eidgenössische Parlament hat bereits vor einem Jahr einen Antrag zur Lockerung hauchdünn abgelehnt, aber die Mobilfunkanbieter drängen weiter darauf. Sie argumentieren, zwei Drittel ihrer Antennen hätten keine ausreichenden Reserven für 5G, in Städten seien gar 90 Prozent der Sendeanlagen am Limit.

Da der Bund zugleich vorschreibt, dass Antennenstandorte möglichst von allen drei Netzbetreibern gemeinsam genutzt werden müssen, um einen Antennenwald zu verhindern, läuft vieles auf eine Erhöhung des bislang strengen Strahlenschutzgrenzwertes hinaus. Die Alternative wären mehr Antennen oder kein ausgebautes 5G-Netz, was im Volk und Parlament ebenfalls chancenlos ist.

Wie viele neue Antennen werden für das 5G-Netz benötigt?

Das hängt davon ab, ob und wie stark der bislang im internationalen Vergleich strenge Strahlenschutzgrenzwert gelockert wird. Das Parlament hat diesbezügliche Bestrebungen bislang blockiert. Die Telekommunikationsbranche rechnet daher damit, dass rund 15'000 neue leistungsstarke Antennen nötig sind, wenn der aktuelle Grenzwert bleibt. Zum Vergleich: Bislang gibt es in der Schweiz 18'823 leistungsstarke Antennen mit einer Sendeleistung von mindestens 50 mW.

Da leistungsstarke, gut sichtbare Antennen kaum ohne Einsprachen erstellt werden können, baut die Swisscom vermehrt kleine, schwächere Antennen, die etwa als Schachtdeckel im Boden gut getarnt sind. Gegen diese schwach strahlenden Antennen sind keine Einsprachen möglich. Strahlen-Experte Sven Kühn von der ETH erklärte den Grund dafür im «Tages-Anzeiger» mit einem simplen Vergleich: «Ein Handy mit Maximalleistung strahlt etwa genauso viel in den Körper, wie wenn man auf der Schachtantenne sitzt und diese auch bei Maximalleistung betrieben wird.»

Der Mobilfunkbranche ebenfalls zum Vorteil gereichen könnte, dass Sunrise vor zwei Jahren 2239 Antennenmasten an die spanische Firma Cellnex verkauft hat. Cellnex stellt diese Antennen nun auch Swisscom und Salt zur Verfügung. Auch weitere von Cellnex gebaute Antennen stehen künftig allen Mobilfunkanbietern zur Verfügung, was Doppelspurigkeiten reduziert.

Wie verändert sich die Strahlenbelastung mit 5G?

Das lässt sich aktuell noch nicht genau sagen, da die politische Diskussion um den Strahlenschutzgrenzwert längst nicht abgeschlossen ist. Wird der Grenzwert aufgeweicht, würde die Strahlenbelastung im Einflussbereich einer Antenne maximal um den Faktor 3,5 steigen.

Klar ist aber auch, dass die Strahlenbelastung aufgrund des steigenden Datenverkehrs auch unabhängig von 5G zunehmen kann. Auch die 3G- und 4G-Netze sind immer stärker ausgelastet, da unser mobiler Datenverbrauch stetig wächst. Swisscom beruft sich auf Studien in der Schweiz, die zeigen, dass die Belastung in den letzten Jahren trotzdem nicht messbar gestiegen ist. Das liege daran, dass neue Mobilfunk-Antennen und Smartphones gleichermassen effizienter arbeiten. Eine Antenne funkt ein modernes Smartphone nur dann gezielt an, wenn es effektiv genutzt wird. Die Strahlenbelastung nimmt zwar durch die gestiegene Handy-Nutzung zu, da die 5G-Technologie viel effizienter als das alte 2G-Netz arbeitet, bleibe die durchschnittliche Belastung aber etwa gleich.

Das Risiko ist also eher das Handy direkt am Körper (insbesondere alte, stark strahlende 2G-Geräte) und weniger die Mobilfunk-Antenne.

Theoretisch könnte ein gut ausgebautes und stabiles 5G-Netz in Verbindung mit modernen, effizienten Smartphones, die Strahlenbelastung für Menschen sogar wieder reduzieren. Denn je besser die Verbindung ist, desto weniger muss die Antenne im Handy strahlen. Das Problem: Dieser positive Effekt dürfte im Alltag durch die stetig steigende Datennutzung wieder ausgeglichen werden.

Ist es beim Handy-Kauf sinnvoll, auf einen tiefen Strahlungswert zu achten?

Der SAR-Wert gibt an, wie viel Strahlungsleistung (Watt) vom menschlichen Körper (Kilogramm) maximal aufgenommen wird, wenn es etwa beim Telefonieren direkt am Ohr gehalten wird. Wichtiger als das Maximum ist jedoch die gesamte Belastung und da gilt die Faustregel: Je moderner das Handy, desto besser.

«Bezüglich gesundheitlicher Auswirkungen bei langfristiger Belastung durch hochfrequente Strahlung von Mobiltelefonen bestehen noch Unsicherheiten», hält das Bundesamt für Gesundheit (BAG) fest. Kurzfristige negative gesundheitliche Auswirkungen seien keine zu erwarten. Wer auf Nummer sicher gehen will, schaut beim Handy-Kauf trotzdem auf den SAR-Wert.

Der empfohlene SAR-Wert der Weltgesundheitsorganisation liegt seit 1998 bei 2 Watt/kg. Dieser Grenzwert muss von allen Handys, die in der Schweiz verkauft werden, eingehalten werden. Neuere, strengere Grenzwerte stufen Smartphones allerdings meist erst ab einem Wert unter 0,6 als gesundheitlich weitgehend unbedenklich ein.

Gut zu wissen: Bei einer guten Verbindungsqualität strahlt das Handy weniger als bei einer schlechten. Die Strahlung tritt insbesondere dann auf, wenn das Mobiltelefon sendet, im Ruhezustand ist die Strahlenbelastung klein. Und die Strahlung nimmt mit der Distanz zum Gerät rasch ab.

Ein modernes Handy mit tiefem SAR-Wert zu nutzen bringt also mehr, als eine Wohnung möglichst weit weg von einer Mobilfunk-Antenne zu suchen. Letzteres kann gar kontraproduktiv sein: In der Nähe einer Antenne hat man eine ideale Verbindungsqualität und somit eher eine geringere Strahlenbelastung (massgebend ist das Handy, nicht die Antenne).

Welche Handys strahlen am meisten / wenigsten?

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann ein Smartphone kaufen, das einen SAR-Wert von unter 0.6 Watt/kg hat. Viele neue Modelle erfüllen diesen strengen Grenzwert bereits, wie die folgende Tabelle zeigt:

Das in der Schweiz beliebte iPhone XS kommt auf einen SAR-Wert von 0.99 W/kg, beim iPhone X sind es 0,92 W/kg. Das iPhone 8 mit 1,32 W/kg und das iPhone 7 mit 1,38 W/kg schneiden deutlich schlechter ab.

Auf der Webseite des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz kann man mit Hilfe der Suchfunktion nach Handy-Modellen suchen und bekommt den SAR-Wert angezeigt.

Gibt es schon 5G-Handys?

Die wichtigsten Smartphone-Hersteller haben Anfang Jahr an der Branchen-Messe Mobile World Congress Handys mit 5G-Chip angekündigt. Die ersten Modelle werden im Sommer erwartet. Dazu zählen die 5G-Version des Galaxy S10 von Samsung und das auffaltbare Mate X von Huawei.

Gegen Ende Jahr dürften weitere 5G-Handys auf den Markt kommen, zuerst allerdings nur im Premium-Segment.

Wirklich attraktiv wird ein teures 5G-Gerät bei uns erst, wenn das entsprechende Handy-Netz grossflächig ausgerollt wird (frühestens ab 2020) und das eigene Mobilfunk-Abo unbeschränktes Datenvolumen bietet.

Ob bzw. wie viel teurer die Abos werden, lässt sich heute noch nicht sagen. Swisscom verspricht, dass man kein zusätzliches 5G-Abo kaufen muss, um das 5G-Netz nutzen zu können. Geld verdienen werden die Mobilfunkanbieter mit 5G anfangs eher mit Firmenkunden, da für diese der neue Mobilfunkstandard zunächst weit mehr Vorteile bietet (siehe «Welche Vorteile bringt 5G»?).

Warum werben Swisscom und Co. schon jetzt mit 5G?

Sunrise wirbt in Zürich für das kommende 5G-Netz.

Sunrise wirbt in Zürich für das kommende 5G-Netz.

Swisscom sagt, man wolle «den Nutzen greifbar machen». Offenbar geht es aber auch darum, Druck auf die Politik auszuüben, den Strahlenschutzgrenzwert doch noch aufzuweichen und so den Weg für leistungsstärkere 5G-Antennen freizumachen.

Je intensiver 5G beworben, je mehr Menschen ein 5G-fähiges Gerät besitzen und je sichtbarer der Nutzen wird, desto eher findet sich im Parlament eine Mehrheit im Sinne von Swisscom und Co.

Die Mobilfunkfirmen werden (künftig) argumentieren, sie hätten schon viel ins 5G-Netz investiert, die Kunden könnten ohne raschen Ausbau ihre 5G-Smartphones nicht nutzen und neue Technologien wie selbstfahrende Autos seien ebenfalls auf das 5G-Netz angewiesen. Kurz: Ohne raschen Ausbau gerate die Schweizer Wirtschaft ins Hintertreffen.

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