Datenspeicherung
Basler Forscher entwickeln Speichermedium für die Ewigkeit

Wissenschaftler der Uni Basel haben neue Archivierungsmethoden gegen den gegen Datenverlust auf elektronischen Medien entwickelt. Dabei greifen sie auf altbekannte Materialien zurück. Davon könnten auch Banken oder die Filmindustrie profitieren.

Michael Benzing
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Die Menge an Daten wächst weltweit rasant: Damit sie auch in Zukunft verfügbar sind, braucht es sichere Archivierungsmethoden.ho

Die Menge an Daten wächst weltweit rasant: Damit sie auch in Zukunft verfügbar sind, braucht es sichere Archivierungsmethoden.ho

Früher war alles einfacher. Bücher, Gemälde, Kunstwerke oder Fotos wurden physisch archiviert und bei perfektem Raumklima für die Ewigkeit abgelegt. Im digitalen Zeitalter werden riesige Datenmengen elektronisch gespeichert, und das stellt ganz neue Anforderungen an die Verantwortlichen in Museen oder Bibliotheken. Daten, die auf elektronischen Medien gespeichert werden, können beispielsweise plötzlich unlesbar werden. Die Gründe für dieses Phänomen sind einerseits die begrenzte Haltbarkeit und der Verschleiss von Datenträgern, zum anderen aber auch der schnelle Medien- und Formatwandel. Während altes Pergament oder Papier bei guter Lagerung viele hundert Jahre haltbar sind, halten Festplatten lediglich bis zu zehn Jahren und Tapes gut 30 Jahre.

Bei der Archivierung helfen könnten die beiden Wissenschafter der Universität Basel, Rudolf Gschwind und Lukas Rosenthaler. Sie haben eine Lösung entwickelt, die eine Speicherung ohne ständiges Migrieren der Datensätze auf neue Medien zulässt. Dafür wurden die beiden Forscher kürzlich mit dem mit 20 000 Franken dotierten Wissenschaftspreis der Stadt Basel ausgezeichnet.

Von digital zu analog

Die Basler arbeiten dabei mit zwei verschiedenen Methoden. Die erste basiert auf der bekannten Archivierung durch Migration. Hier werden die Daten redundant, das heisst mit mindestens drei identischen Kopien, aufbewahrt und periodisch auf neue Medien umkopiert. Jede Kopie wird dabei bitweise kontrolliert, sodass alles zu hundert Prozent identisch ist.

Aufregender ist die zweite Methode: Hierbei werden digitale Daten wieder zu analogen gemacht. Die Bits der Dateien werden in ein schachbrettartiges Muster umgewandelt, das dann als Bild auf einem geeigneten Material, beispielsweise einem herkömmlichen Mikrofilm, aufgebracht wird. Gelesen werden die Bits dann mit einer handelsüblichen Digitalkamera oder einem Scanner. «Das schachbrettähnliche Muster kann durch eine einfache Bilderkennungssoftware wieder in die originale Datei umgewandelt werden», erklärt Lukas Rosenthaler.

Das Verblüffende daran: Das Verfahren funktioniert grundsätzlich mit jedem Trägermaterial, auf das ein Bild aufgetragen werden kann. Im Prinzip also sogar mit Papier. Doch der Mikrofilm ist der Favorit der Basler Wissenschafter: «Er hat sehr gute Eigenschaften», so Lukas Rosenthaler, «eine hohe Datendichte, lange Haltbarkeit, einfache Handhabung.» Zudem sei es ein bekanntes Material. Im Digital Humanities Lab (dhLab), das der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel angeschlossen ist, verwendet man unter anderem aber auch einen
35-mm-schwarz-weiss-Kinofilm.

Auch für Banken von Interesse

Die Methode kann laut Lukas Rosenthaler, der dem dhLab seit 2012 als Leiter vorsteht, breit eingesetzt werden: «Überall, wo digitale Daten in digitaler Form langfristig aufbewahrt werden müssen.» Das ist etwa im Bankwesen der Fall. «Aber auch die Filmindustrie zeigt Interesse, da ja die heutigen Kinofilme digital produziert werden, aber immer noch analog archiviert werden müssen.»

Der hohe Stellenwert der elektronischen Archivierung zeigt sich beispielsweise im Robert-Walser-Archiv. «Im Rahmen der Überführung des Archivs von Zürich nach Bern, die die Lagerung der Manuskripte von Robert Walser im Tieflager der Schweizerischen Nationalbibliothek vorsah, wurden alle Manuskripte von Robert Walser hochauflösend digitalisiert», sagt Archivleiter Lucas Gisi. Dies verdeutlicht, welch enorme Datenmengen alleine hier gespeichert wurden.

Kopien schonen Originale

Diese Kopien haben zwei Funktionen: die Schonung der Originale durch Arbeit mit elektronischen Kopien und die Erstellung einer Sicherheitskopie im Fall von Verlust oder Beschädigung des Originals. Die Daten für die tägliche Arbeit werden dabei auf verschiedenen externen Festplatten abgelegt. Sicherheitskopien landen auf Magnetbändern, die an verschiedenen Orten aufbewahrt werden. «In einem Tresor bei uns und bei der Forschungsinstitution, die die Digitalisierung vorgenommen hat», präzisiert Gisi. Das Projekt wurde zusammen mit dem dhLab der Universität Basel entwickelt und umgesetzt.

Auch beim Schweizer Fernsehen SRF werden immense Datenmengen auf lange Zeit gesichert. Sandra Figini, Leiterin Dokumentation und Archive beim SRF, erklärt: «SRF archiviert primär die Radio- und Fernseh-Eigenproduktionen. Also Sendungen und gewisse dazugehörige Unterlagen.»

Beim Fernsehen werden nahezu 100 Prozent aller Eigenproduktionen digital gespeichert. Zum einen sichert man im Zürcher Leutschenbach Material für die Redaktionen, zum anderen sieht man aber auch den kulturhistorischen Auftrag.